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Transatlantic: Kaleidoscope

Gute Scheibe, die erwartungsgemäß allerdings wenig Neues bietet
Wertung: 8.5/10
Genre: Progressive Rock
Spielzeit: 75:50
Release: 24.01.2014
Label: InsideOut

Weit über vier Jahre sind seit dem Release des letzten Transatlantic-Studioalbums „The Whirlwind“ mittlerweile wieder ins Land gezogen; jener Scheibe, die man als das „längste, durchgängige Konzeptalbum aller Zeiten“ propagierte, die 78 Minuten als eine einzige Mammutkomposition vermarktete – obwohl sich letztlich dann doch zwölf Tracks dahinter versteckten, die aber eben ein großes Ganzes ergaben. Mit dem längst überfälligen Nachfolger „Kaleidoscope“ rudert die Prog-Supergroup wieder ein wenig zurück und hat sich beim Aufbau der Tracklist diesmal wieder eher an den beiden ersten Alben „SMPTe“ und „Bridge Across Forever“ orientiert. Was selbstverständlich bedeutet, dass es auch anno 2014 wieder amtliche Longtracks auf die Ohren gibt – angesichts von nur fünf Stücken in gut 76 Minuten keine große Überraschung.

Überraschungen sind auf „Kaleidoscope“ allerdings ohnehin eher rar gesät. Mit etwas wirklich Neuem wartet die amerikanisch-schwedisch-britische Multikulti-Truppe auf ihrer vierten Langrille nicht unbedingt auf, vielmehr hat man besonders bei den opulenten, großen Melodien nicht selten das Gefühl, diese in ähnlicher Form schon einmal gehört zu haben. Doch erstens: Was soll man von einer Combo, deren Schaffen sich in erster Linie auf Siebziger-Jahre-Prog bezieht, auch großartig an Innovationen erwarten, und zweitens sind diese Melodien einfach erneut so zum Wohlfühlen und so schön arrangiert, dass man diese Déjà-entendu-Erlebnisse tatsächlich großzügig unter den Tisch fallen lassen kann.

Das gilt beispielsweise für den Refrain des eröffnenden Epos „Into The Blue“ – zugegebenermaßen pathosbehaftet, zuckersüß, vielleicht sogar klischeehaft, aber dennoch so erhaben, schwebend und einfach schön, dass man sich diesem Zauber nicht entziehen kann. Überhaupt ist der Song mit bescheidenen 25 Minuten Länge gleich der erste dicke Brocken, den es zu bewältigen gilt. Doch für einen richtigen Prog-Aficionado gibt es ja nichts Besseres, als sich auf die Couch zu fläzen und in überlangen Kompositionen zu versinken und diese zu erkunden. Wer keine großen Experimente erwartet hat und einfach nur gute Musik, vorgetragen von fantastischen Musikern, hören will, hat mit „Into The Blue“ auf jeden Fall gleich das erste Highlight vorliegen, das zusätzlich noch durch den Gastgesang von Pain Of Salvation-Genius Daniel Gildenlöw aufgewertet wird.

Ähnliches lässt sich über den abschließenden Titeltrack, der mit fast 32 Minuten sogar noch länger geworden ist, sagen: Die Neuerungen kann man quasi mit der Lupe suchen, doch dürfte auch hier jeder Freund von musikalischen Traumreisen seine Freude haben; einzig sollte man das nächste Mal vielleicht darauf verzichten, Pete Trewavas ans Mikro zu lassen. Dass der Mann ein exzellenter Bassist ist, kann niemand bestreiten, aber ein begnadeter Sänger wird er in diesem Leben wohl nicht mehr – auch wenn es grundsätzlich begrüßenswert ist, wenn alle Mitglieder singen, da dies naturgemäß für mehr Abwechslung sorgt. Randnotiz außerdem: Haben die Jungs während der Aufnahmen Metallica gehört oder wie soll man sich die wiederkehrende Zeile „Ride the lightning“ erklären?

Von den drei kürzeren Stücken in der Mitte bildet „Black As The Sky“ klar die gelungenste Nummer: Ein geil groovender Rocker, basierend auf tollem Portnoy-Drumming und fett treibendem Trewavas-Bass, der in der Mitte zu einer kleinen Prog-Achterbahnfahrt mutiert – macht unendlich viel Spaß!

Weniger spektakulär hingegen sind „Shine“ und „Beyond The Sun“ geraten. Ersteres ist wieder so ein Fall für sich: Recht pathosgetränkt kommt der Song daher und nicht unbedingt innovativ, aber eben doch einfach schön und schon allein durch den behutsamen Aufbau und das vielschichtige Arrangement hörenswert – lediglich Neal Morses ausgelutschte und platte Erlöserlyrik, die gerade in diesem Stück sehr zum Tragen kommt, nervt inzwischen nicht gerade geringfügig, wobei angemerkt sei, dass die Nummer an sich für sein Soloprojekt vorgesehen war, wo er ja noch weitaus missionarischer unterwegs ist. „Beyond The Sun“ ist prinzipiell zwar ebenfalls ganz nett, aber doch auch arg kitschig und somit eher verzichtbar – mit viereinhalb Minuten ist es zum Glück aber eh das kürzeste Stück, bevor es ins große Finale geht. 

Insgesamt betrachtet hat man zwar wieder lange auf das neue Album warten müssen, bekommt dafür aber auch wieder absolute Qualität kredenzt. Wie erwähnt: Vorausgesetzt, man hat keine Erwartungen hinsichtlich großartiger Experimente gehegt, sondern sich einfach nur auf ein gutes, hervorragend produziertes Prog-Album mit zündenden Gänsehaut-Melodien und einigen technischen Kabinettstückchen gefreut – doch dieser Fraktion sollte „Kaleidoscope“ gefallen. Außerdem agieren die Musiker hörbar mit Spielfreude und Überzeugung und das ist immer noch das Wichtigste von allem – Reißbrett klingt definitiv anders. 

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