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Trans-Siberian Orchestra: Night Castle

Die Crème de la Crème
Wertung: 10/10
Genre: Orchestral, Prog Rock, Metal Oper, Klassik
Spielzeit: 121:41
Release: 27.10.2009
Label: Atlantic

2009 meldete sich das Trans-Siberian Orchestra mit der zweiten weihnachtsfreien Veröffentlichung zurück: „Night Castle“. Wie auch schon bei „Beethoven’s Last Nightwartet auch diese CD mit einem gewaltigen Booklet auf. Stolze 67 Seiten Texte, Geschichte und Informationen liegen in der aufwändig gestalteten, sehr schönen Verpackung dieser Doppel-CD bei, beziehungsweise sind eingeklebt, deshalb auch keine gerade Seitenzahl. Außer dem zweiseitigen Bild am Anfang, welches nicht so recht zum Thema passen will und mehr zu Savatage passen würde, gibt es da nichts auszusetzen.

Die Story ist eigentlich ähnlich derer, die Savatage auch immer zu erzählen wussten. Es wird ein modernes Märchen erzählt, welches aber mit vielen Bezügen zur Wirklichkeit garniert ist. Wie auch oft in Hollywoodproduktionen verwurstet, geht es um den Bösen, der sich wandelt und zum Guten wird und versucht, die Erlösung zu bekommen. Natürlich wird auch sozialkritisch das Thema Krieg angeschnitten und es gibt persönliche Tragödien, eben alles, was ein spannendes Drama gebrauchen kann.

Mit großem Choreinsatz beginnt das Album und verspricht, wieder eine wahrhaft orchestrale Ausrichtung zu erhalten. Als Einzelsong nicht der Brüller, aber im Gesamtpaket ein sehr stimmiger Einstieg aus dem klassischen Bereich. Sehr gelungen dann aber der kindliche Chor inmitten des Songs, der den ersten großen Farbtupfer in die Ohren legt. Mit dem gewohnt starken Klavier wird dann „Childhood Dream“ verzaubert. Jay Pierce singt hier einfach ergreifend. Erstmals dürfen auch die Gitarren einstimmen. Man träumt vor sich hin und wiegt seinen Oberkörper im Takt der Musik. Ganz großes Ohrenkino.

„Sparks“ ist dann deutlich rockiger und ein Song aus dem Drogenmilieu. Toll klingt die raue Stimme von Tom Hockenberry. Dann wird es wohl Zeit für die ersten deutlicheren Savatage-Verweise: „The Mountain“ zitiert ganze Passsagen von „Hall Of The Mountain King“, welches aber selber eine Aufarbeitung von Edvard Grieg ist. Einfach wunderschön auch in dieser Version. Die Gitarren duellieren sich quasi mit den Keyboards.

„Night Castle“ ist dann der erste von insgesamt fünf Songs, bei denen Jeff Scott Soto (Yngwie Malmsteen, Axel Rudi Pell, Taisman, Takara, House Of Lords oder unter anderen auch Human Clay) das Lead-Mikrophon übernehmen darf.

Noch besser klingt dann „The Safest Way Into Tomorrow“. Jay Pierce verleiht dem Song wieder einen Gänsehautcharakter. Ruhige Klavierpassagen wechseln sich mit den rockigen Teilstücken ab. Das ist höchster musikalischer Genuss. Dass „Mozart And Memories“ ein Instrumental ist, konnte man schon vom Titel her erahnen. Aber diese rockige Interpretation ist schon etwas für den Rockolymp. Progressiv wird das Ganze gelungen aufgearbeitet, das könnten nur die wenigsten Bands so in Szene setzen. Paul O’Neill gehört halt zu den besten der Welt und wenn er Unterstützung von Jon Oliva hat, was soll da denn noch schief gehen?

Mit „Another Way You Can Die“ wird dann Savatages „Doesn’t Matter Anyway” vom „Dead Winter Dead”-Album gecovert, mit neuem Text natürlich. Irgendwie kommen die Gene der, nennen wir sie mal Ursprungsband, auf diesem Album viel deutlicher durch als noch auf „Beethoven’s Last Night“. Das große Finale der ersten CD wird dann ganz langsam mit dem Instrumental „Toccata-Carpimus Noctem“ beschlossen, welches fast ein wenig zu hart interpretierte Melodien von Johann Sebastian Bach darstellt. Andererseits wird hier schon schön metallisch gerockt, was im höchsten Savatage-Niveau arrangiert wird. Das Trans-Siberian Orchestra ist einfach umwerfend, wenn es darum geht, verschiedene Stile zu vereinen. Die zeigen sich auch im direkt darauf folgenden Instrumental „The Lion’s Roar,“ welches mit Trompete eingeleitet wird.

Nach dieser musikalischen Pracht darf dann Jeff Scott Soto für weitere brillante Stimmung sorgen. Der Song hätte auch ohne Probleme auf einem Savatage-Album stehen können, so nah ist er an der Band dran. Die Intensität, mit der das Trans-Siberian Orchestra zu Werke geht, ist schon beeindruckend.

„There Was A Life“ ist dann wieder eine sehr ergreifende Nummer, welche von etwas zu langen Kindergesprächen („Mother And Son“) eingeleitet wird. Muss halt sein, damit die Story rund wird. Dies ist dann das Ende der ersten CD.

Ungeschickterweise werden die Songtitel aber komplett durchnummeriert, was dann ab der zweiten CD, die natürlich bei Track Nummer eins beginnt, ein wenig Verwirrung verbreitet. Trotzdem habe ich die Tracklist so angegeben, wie sie auf dieser US-CD steht, ist halt Original so. Ein Umstand, der bei dem offiziellen Europa-Release nächstes Jahr geändert werden sollte.

Mit heftigem Klaviereinsatz wird Scheibe Nummer zwei eingeläutet. „Moonlight And Madness“ heißt das Instrumental, welches im weiteren Verlauf noch die gewohnte Gitarrenunterstützung erhält. „Time Floats On“ ist dann der erwartete erste Höhepunkt der zweiten Scheibe. Wer eine „Epiphany“ nur von den „Simpsons“ aus ihrem gelben Kinofilm kennt, der darf hier mal verstärkt lauschen. Zumindest klanglich ist dies die bessere Variante. Was für ein tolles, fast elf Minuten langes Stück.

„Bach Lullaby“ ist ein in Spieluhrtönen umsetztes Originalstück. Dann wird es Zeit für Frauengesang bei den Leadvocals. Jennifer Cella singt derart leidend, dass man meint, ihre Trauer, ihren Schmerz förmlich spüren zu können. Lauscht man ihrem Stimmvolumen, ist es nicht verwunderlich, dass sie zur festen Besetzung der östlichen Trans-Siberian Orchestra-Tourband gehört. Sie sang ja auch schon den „Christmas Canon Rock“ vom „The Lost Christmas Eve“-Album. Aber dieser Song offenbart noch mehr ihre grandiose Stimme.

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