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Trans-Siberian Orchestra: Beethoven's Last Night

„Musik ist höhere Offenbarung als alle Weisheit und Philosophie“ (Ludwig van Beethoven)
Wertung: 10/10
Genre: Orchestral, Prog Rock, Musical, Oper
Spielzeit: 73:08
Release: 15.10.2010
Label: BMG/Tonpool

Was kann es Schöneres geben, als wenn ein gut gehüteter Schatz nach Jahren wieder oder besser gesagt erstmals ans Tageslicht kommt? Wie, was, wer?  Was schreibt der da wieder für komische Sachen? Nun gut, zur Erläuterung: Trans-Siberian Orchestra ist der Grund, warum es Savatage nicht mehr gibt. Diese Band war damals in den Vereinigten Staaten von Amerika erfolgreicher. Irrwitzig, aber wahr, hat es die Band in ihrer Heimat mit Weihnachtsalben zu Ruhm gebracht. Mit Orchester und ehemaligen Mitgliedern von eben Savatage wurde hier das Genre der Rockoper oder des Rockmusicals mit Leben erfüllt. Da sich die Weihnachtsalben aber naturgemäß eher an den amerikanischen Weihnachtsliedern orientierte, sah man für Europa, geschweige denn Deutschland keine Absatzmöglichkeiten. Im Jahre 2000 erschien dann dieses hier zu rezensierende Album. Anlässlich guter News bezüglich der ersten Deutschlandauftritte der Band im nächsten Jahr wird nun das vorliegende Exemplar mit neuem Coverartwork und von 32 auf 44 Seiten gewachsenem Booklet endlich offiziell in Deutschland veröffentlicht.

Natürlich handelt es sich um ein Konzeptalbum. Es beginnt folgendermaßen: „In einer Nacht im Frühling 1827 erlebt die Stadt Wien den größten Gewittersturm ihrer Geschichte. In einem großen, unordentlichen Zimmer ist Ludwig van Beethoven erschöpft über seinem Klavier zusammengebrochen. Vor ihm liegt das soeben vollendete Manuskript seiner zehnten Symphonie. Es ist sein letztes und - da ist er sich sicher - auch sein größtes Werk. Als die Glocke Mitternacht schlägt, erscheint Mephisto und fordert die Seele des Komponisten ein. Die Aussicht auf ewige Verdammnis entsetzt Beethoven, aber der Teufel macht ihm ein Angebot und das Feilschen beginnt ...“ Eine gelungene Story, in der es natürlich auch überraschende Wendungen gibt, aber mehr sei hier an dieser Stelle nicht verraten.

„Overture“ ist die klaviertechnische Einleitung für dieses Meisterwerk. Hier werden Beethoven- und Mozart-Fragmente vermischt und mit zeitweiser Savatage-üblicher Gitarrenarbeit flankiert. Ein Hochgenuss für die Ohren. Mit regnerischer Überleitung geht es dann über in das wunderschöne „Midnight“. Man muss dabei sagen, dass hier die Charaktere von unterschiedlichen Sängern gesungen werden und somit natürlich auch der Musical-Charakter gesteigert wird.

Es fällt schwer, hier die einzelnen Stücke alle zu benennen, denn es gibt zumeist fließende Übergänge und damit verbunden natürlich die zusammenhängende Geschichte. Jon Oliva gibt den Mephisto, Jody Ashworth singt Beethovens Parts und Patti Russo sollte den meisten noch vom Duett mit Meat Loaf bekannt sein. Und das ist ein guter Stichpunkt. „Bat Out Of Hell“ ist ja auch eine Rockoper, nur erscheint hier das Trans-Siberian Orchestra deutlich weitreichender und umfassender zu agieren. Da klimpern immer wieder zwei unglaublich tolle Klaviere (Jon Oliva, Robert Kinkel).

Während „Mephistoteles“ ein reinrassiger Savatage-Song sein könnte, so schweift „What Is Eternal“ teilweise doch mehr in die schwere Musik ab. Wer Klassik und progressiven melodiebetonten Metal mag, muss hier reinhören und sich gefangen nehmen lassen von diesem Album, das geht gar nicht anders. Da wird dann auch mal mit dem Klavier die wohl bekannteste Melodie aus der neunten Symphonie angestimmt („Freude schöner Götterfunken“). Das wirkt aber niemals erzwungen oder aufgesetzt.

Man schließt die Augen und unweigerlich kommen dem Hörer Bilder dieser letzten Nacht Beethovens vor das geistige Auge, gewisse Englischkenntnisse natürlich vorausgesetzt. Besser noch als beispielsweise „Poets And Madmen“ von Savatage.

„Mozart“ ist dann natürlich von den Melodien deutlich klassischer ausgerichtet, ohne aber seinen rockigen Charakter zu verleugnen. Ein tolles Instrumental!

Und wer mal so richtig unter Ganzkörpergänsehaut leiden will, sollte sich mal in Ruhe Patti Russos Vocals in „The Dreams Of Candlelight“ anhören. Ein Hammer, diese Stimme, ob gefühlvoll oder energisch. Ich hoffe nur, dass es kein Wunschdenken bleibt, dass sie auf der Deutschlandtour dabei sein könnte. Das Gleiche widerfährt dem Hörer mit „I'll Keep Your Secrets“. Trans-Siberian Orchestra-Mastermind Paul O’Neill hat sich hier mal wieder selbst übertroffen.

Zak Stevens, Dave Diamond und Doug Thomas dürfen dann als Sänger in „The Dark” brillieren. Eine tolle, ruhige Nummer, die eine gute Überleitung darstellt zu dem wohl schönsten Klavierstück aller Zeiten: „Für Elise“. Unbegreiflich, dass das nur vierzig Sekunden lang zelebriert wird, andererseits stößt die CD auch so schon an die Spielzeitgrenzen. Hier gibt's wirklich viel für des Hörers Geld und das auch nur auf höchstem Niveau.

Die Intensität, mit der das Songmaterial umgesetzt wurde, ist einfach herzergreifend. Ob Gesangsstücke oder auch die Instrumentals, alles passt in Länge, Gefühl und Melodie. Auch wenn immer wieder Passagen bei Savatage entliehen schienen, so ist man dennoch verzückt, denn nicht umsonst gehörten auch sie zu den Besten. Hört euch mal das natürlich klassisch beherrschte „Beethoven“ an, da träumen einige Bands von, so etwas mal derart gut umgesetzt zu haben.

In „Misery“ wird dann trotz der Musicalparts auch der Härtegrad noch einmal hochgezogen, einfach grandios, wie diese Arrangements funktionieren. Das leicht ergreifende „Who Is The Child“ und der grandiose Abschluss unter dieses Meisterwerk mit „A Final Dream“ (gesungen von Sylvia Tosun) runden das Werk grandios ab.

Fazit: Ein unglaubliches Werk, welches deutlich weiter geht, als es beispielsweise Accept mit „Metal Heart“ getan haben oder auch Yngwie Malmsteen oder Rainbow. Das gelingt selbst dann nur seltenst, wenn man nur hochkarätige Musiker um sich schart, aber hier ist es gelungen. Ein Ohrenschmaus, der die Seele streichelt. Hier hat jemand die Musik des alten Ludwig van verstanden und mit dem Herzen ins 21. Jahrhundert transferiert. Der alte Beethoven hätte es gemocht und ich kann hier nur noch mal den Meister zitieren: „Musik ist höhere Offenbarung als alle Weisheit und Philosophie“

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