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Tracedawn: Lizard Dusk

Bis auf wenige Ausnahmen enthält auch Longplayer Nummer drei nichts, was man nicht schon gehört hätte
Wertung: 7/10
Genre: Melodic Death Metal
Spielzeit: 39:32
Release: 17.02.2012
Label: Drakkar Records

Die im Jahre 2005 gegründeten Tracedawn sind eine jener vielen Bands innerhalb der Szene, denen man recht zwiegespalten gegenübersteht. Wie fast alle finnischen Combos besitzen die Instrumentalisten allesamt ein ziemlich hohes technisches Niveau und sind trotz ihres noch recht jungen Alters bereits in der Lage, sehr komplexes Zeug zu spielen und allein diese Tatsache nötigt einem jede Menge Respekt ab. Aber sie sind eben auch einer jener Gruppen, die – jung wie sie eben sind – voller Begeisterung ihren Vorbildern nacheifern und daher leider eher wenig eigenständig klingen. Ex-Kollege Benjamin Verwold stand beim Review der letzten Scheibe „Ego Anthem“ vor einem ähnlichen Dilemma wie es nun auch meine Wenigkeit bei „Lizard Dusk“ tut, denn stilistisch hat sich nicht so wahnsinnig viel geändert: Die offensichtlichsten Einflüsse sind nach wie vor Children Of Bodom, In Flames und Co., wobei die elektronischen Keyboardspielereien und die spacigen Synthie-Sounds sogar noch verstärkt wurden. Dies muss zwar nicht unbedingt immer schlecht sein und das Gesamtbild verwässern, in diesem Fall nervt der Keyboardkleister an vielen Stellen aber de facto eher, anstatt den Klang zu bereichern.
 
Eine weitere einschneidende Veränderung hat es beim Gesang gegeben: Da Antti Lappalainen die Band vor einiger Zeit aus persönlichen Gründen verlassen hat, steht mit Niko Kalliojärvi nun ein neuer Mann am Mikro, allerdings ist dieser lediglich für die Growls zuständig, die cleanen Vocals stammen von Gitarrist Tuomas Yli-Jaskari. Kalliojärvi grunzt insgesamt finsterer und tiefer als sein Vorgänger und liefert alles in allem einen passablen Job ab, aber ein bisschen mehr Druck bei den hin und wieder mit leichter Hardcore-Schlagseite ausgestatteten Vocals könnte sicherlich nicht schaden. Die Gesangsduette beziehungsweise -duelle sind dennoch hörenswert und kompetent umgesetzt.

Auch wenn man weiterhin die scheinbar bis zum Geht-nicht-mehr ausgelutschte Melodic-Death-Schiene fährt, ist man trotzdem um eine eigene Identität spürbar bemühter als auf den beiden vorigen Full-Length-Platten – aber ein bisschen reifer und „weiser“ sind die Jungs inzwischen halt auch geworden. Der Versuch, anspruchsvolle Arrangements und progressiv angehauchtes Songwriting mit eingängigen Melodien zu verknüpfen, ist zwar nicht das Neueste und die Maxime „Aggressive und gegrowlte Strophe/melodischer und clean gesungener Refrain“ ist spätestens seit Scar Symmetry so originell wie Tannenbäume zu Weihnachten, aber solange man brauchbare Stücke daraus bastelt, ist es ja nicht verboten.

Und den Terminus „brauchbar“ verdient das komplette Album durchaus; Songs wie der Opener „Arabian Nights“, „Breed Insane“ oder „Sick Fire“ sind nett anzuhören. Hier ein ganz cooles Riff, da ein schönes Gitarrenfill, dort ein paar Blastbeats und schließlich noch einige ruhigere Momente, um Dynamik in die Angelegenheit zu bringen – das hat schon Hand und Fuß und weiß zu gefallen. Auch Ideen wie die Klavierstimme am Ende von „The Crawl“ oder ein paar dezente Hammondorgel-Einschübe sind wirklich gelungen. Hätte man da noch etwas konsequenter agiert und diese natürlichen Tastensounds den oft wie erwähnt zu häufig eingesetzten synthetischen vorgezogen, wäre bestimmt mehr drin gewesen; in erster Linie wohl originelleres Songwriting und zielstrebigere Arrangements. Häufig jedoch fehlt der Biss, das letzte Quentchen, zumal auch wirklich zündende Hits Mangelware sind; ein Refrain wie beispielsweise der von „Machine“ geht zwar schnell ins Ohr, entfleucht jedoch genauso schnell wieder aus dem anderen.

So ist das Ganze eben nur als „brauchbar“ oder „ganz nett“ zu bezeichnen; handwerklich auf höchstem Level, objektiv betrachtet gut gemacht, nur eben bis auf wenige Ausnahmen schon hundertmal gehört. Diese Ausnahmen allerdings hieven „Lizard Dusk“ immerhin noch gerade so in den Sieben-Punkte-Bereich. Neben dem angesprochenen „The Crawl“ mit seiner eher ungewöhnlichen Struktur (abgesehen von dem verspielten Piano-Outro fällt auch der relativ lange Instrumentalteil zu Beginn auf) überrascht insbesondere „Nothing And Nowhere“, das sich trotz einiger progressiver Schlenker und teils fast jazzigen Harmonien als bemerkenswert schlüssig erweist und einfach Spaß macht. Auch der Song „Thanks For Asking, I’m Just Obsessed“ darf zu den stärkeren Nummern gezählt werden und beweist zudem kauzig-finnischen Humor. Nächstes Mal bitte mehr davon, damit diese Band, die wirklich jede Menge Potential hat, tatsächlich aus der Masse der Millionen COB- und In-Flames-Klone hervorstechen kann.

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