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Toxpack: Friss!

Wo ist der Biss hin?!
Wertung: 5,5/10
Genre: Streetcore, Punk
Spielzeit: 42:42
Release: 12.09.2014
Label: Better Than Hell Records

Die Berliner Toxpack haben, was nicht selbstverständlich ist, einen recht passenden Namen für ihre Musik gewählt: Als „Streetcore“ bezeichnet die Truppe ihre Mischung aus Punk, Hardcore und einer Prise Metal, „Streetcore“ lautet außerdem auch der Titel eines Songs der Band, in dem bilingual so richtig losgerotzt wird.

Mit diesem Song im Ohr macht man sich nun also an das aktuelle Album „Friss!“ heran, das schon im Artwork ganz klar den Hass der Jungs auf bestimmte Aspekte der heutigen Gesellschaft zum Ausdruck bringt. 

In der Vergangenheit haben Toxpack so illustre Gäste wie Agnostic Front-Sänger Roger Miret, Köfte von Mad Sin, Pro Pains Gary Meskil oder einen Teil von Discipline auf ihren Scheiben versammelt, „Friss!“ kommt größtenteils ohne musikalische Besucher aus, lediglich bei „Nichts hören, sehen, sagen“ hat sich Kollege Stephan Weidner mit eingeschlichen, um ein Zeichen gegen Rassismus zu setzen.

Nach dem ersten Durchgang fällt auf: Toxpack waren schon mal härter, angriffslustiger, einfach bissiger. Gerade „Streetcore“, „Suff und wilde Spiele“ oder „100 % Ich“ fallen einem da spontan ein, die mit wesentlich mehr Schwung aus den Boxen knallten als das neue Material.

Auch auf „Friss!“ gibt es natürlich einige Leckerlis, die allerdings weniger durch Arschtritt-Mentalität, sondern mehr durch die Stimmung überzeugen können: Da wäre zu allererst der wirkliche schöne, instrumentale Opener „Gustatio“ (das Gegenstück dazu wird übrigens mit dem finalen „Bellaria“ dazugegeben), bei dem einem schon schwant, dass hier nicht mehr so viel Wert auf Rotz und Rüpelei gelegt wird, „Niemand“ lässt dann auch zu Beginn schon leise Melodien durchscheinen, Sänger Schulle gibt sich in den Strophen aber schön hektisch, im Refrain wird auf Mitnicker-Gesang gesetzt und das funktioniert dankenswerterweise sehr gut.

Auch der Titeltrack ist eine Erwähnung wert, passend zum Cover wird hier von einer metaphorischen Fresssucht berichtet, in der die Menschen konsumieren, bis es ihnen zu den Ohren rauskommt. Toxpack sind dagegen, sind froh, dass sie eine Stufe weiter sind, nicht funktionieren müssen und irgendwann auch mal „satt“ werden – ein schöner Vergleich, der den Punkgeist gegen das Establishment in sich birgt.

Gerade Stücke wie „Nichts bleibt wie es ist“ oder „Alles Lüge“ sind zwar zum Nebenher-Hören ganz nett und tun keinem weh, aber genau das ist der Knackpunkt – sie tun keinem weh. Schulle klingt zunehmend zahmer, auch die Texte können nicht so recht überzeugen. Da war schon mal mehr dahinter.

Zwar bieten sich Melodien wie bei „La Vida Loca“ zum Saufen und Mitgrölen an, aber das kann kaum die ganze Intention der Band gewesen sein. Bei „Gute Reise Master“ horcht man dann im elektronisch anmutenden Intro wieder auf, textlich werden auch hier keine Perlen der deutschen Dichtkunst geliefert („Wo immer du auch bist, sollen Engel dich begleiten auf dem Weg zu deinem Glück...“), aber der Song hat zumindest einen mitreißenden Refrain und eine schöne Dynamik.

Man kann sich nicht so recht wohlfühlen mit der Platte, wenn man ältere Songs der Berliner kennt. Klar, Bands dürfen und sollen sich weiterentwickeln; wenn diese Weiterentwicklung aber bedeutet, dass der Biss verloren geht, der den Sound bis dato ausgemacht hat, sollte man sich die Sache zweimal überlegen.

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