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Toto: XIV

Überraschend starkes Comebackalbum
Wertung: 8.5/10
Genre: Rock
Spielzeit: 57:50
Release: 20.03.2015
Label: Frontiers Records

Toto wissen anscheinend auch nicht so recht, ob sie ihre Karriere nun beenden wollen oder nicht. 2008 noch erklärte Gitarrist Steve Lukather seinen Ausstieg und besiegelte damit praktisch das Ende der Band, danach jedoch reformierten die Amerikaner sich erneut, erklärten allerdings, nicht die Absicht zu haben, ein neues Album zu machen. Offensichtlich aber war die Lust darauf letztlich doch zu groß, denn bereits 2013 kündigte man an, nun doch an einem neuen Longplayer zu arbeiten. Nach etwa 40 Millionen verkauften Platten können Geldsorgen eigentlich nicht für diesen Schritt verantwortlich sein und beweisen muss man ja ohnehin niemandem mehr etwas. Außerdem ist „XIV“ (an sich das 13. Studioalbum; das Verwirrspiel erklärte Lukather damit, dass man die Compilation „XX“ aus dem Jahre 1998, die ältere bis dato unveröffentlichte Stücke enthielt, einfach als reguläres Studioalbum dazuzählte) am Ende zu stark, als dass man kommerzielles Kalkül unterstellen müsste.

Bei derart großen Bands, die ihre erfolgreichste Zeit lange hinter sich haben, ist man zwar stets skeptisch (noch dazu, wo der Release des letzte Albums „Falling In Between“ bereits neun Jahre zurückliegt), doch ist es der Truppe tatsächlich gelungen, eine recht klassische Toto-Platte aufzunehmen, die alle Stärken bündelt – die Aussage von Keyboarder Steve Porcaro im Vorfeld, man würde das Werk behandeln, als sei es „der Nachfolger von ,Toto IV‘“ (jener legendären Scheibe, auf der u.a. auch die Megahits „Rosanna“ und „Africa“ enthalten sind) ist keineswegs völlig an den Haaren herbeigezogen.

Der gut rockende Straight-Forward-Opener „Running Out Of Time“ lässt sich umgehend hervorragend an; definitiv Toto in Reinkultur, eingängig und selbstredend sehr Keyboard-lastig (wie alle Fans wissen, besaß die Formation mit David Paich und Jeff Porcaro schon immer zwei Keyboarder), mit dem typischen Achtziger-Touch, jedoch modern und knackig produziert. Beim folgenden „Burn“ stehen wiederum eher die wuchtigen Drums im Vordergrund, die das sich stark steigernde und an Dramatik stetig zunehmende Stück tragen. Genau wie bei der Vorgängernummer besticht Frontmann Joseph Williams, der zuletzt 1988 ein Toto-Album („The Seventh One“) einsang, durch eine hervorragende Gesangsleistung – besonders im aufrüttelnden Refrain meistert er einige nicht zu unterschätzende Höhenlagen.

Es schließt sich mit „Holy War“ eine weitere Klassenummer an, bei der man – wenigstens für Toto-Verhältnisse – recht hart agiert, die schneidenden Akkorde Steve Lukathers haben hier eindeutig die Oberhand und wiederum kann man mit einem Chorus aufwarten, der megaeingängig und angesichts der brisanten textlichen Thematik fast schon zu lässig geraten ist.

Der vierte Track „21st Century Blues“ ist dann der erste Song, bei dem Steve Lukather erstmals alleine für den Mikroposten verantwortlich ist und wieder einmal könnte man vor Neid erblassen. Als würde es nicht reichen, dass der Mann einer der besten Rockgitarristen aller Zeiten ist – seine ebenfalls wundervolle Stimme scheint keinen Tag gealtert zu sein. Unfassbar und mal abgesehen davon handelt es sich bei dem Stück um die vierte herausragende Komposition hintereinander. Was für ein geiler Groove, tolle melodische Wendungen und ein exzellentes, aufwendiges Arrangement, bei dem zum Beispiel auch Saxophonklänge zum Einsatz kommen.

Bisher liegen also vier völlig unterschiedliche Nummern vor, die allesamt mehr als gelungen sind – in einem Zehn-Punkte-Album endet das Ganze dann allerdings nicht. „Orphan“ hat einen guten Drive, zündet aber nicht so gut wie das fantastische Viererpack zuvor und die beiden Balladen „The Little Things“ sowie „All The Tears That Shine“ können nicht hundertprozentig überzeugen. Ersteres ist zwar eigentlich ein hübsches Liedchen, das ganz smooth daherkommt und zum Schmusen mit der/ dem Liebsten auffordert, gerade letzteres ist dann aber doch ziemlich schmalzig geworden und beinhaltet einen recht abgedroschen formulierten Text. Außerdem merkt man bei David Paich, der hier den Leadgesang übernommen hat, dass seine Stimme im Vergleich zu Joseph Williams und Steve Lukather schon ein wenig in die Jahre gekommen ist.

Mit dem melancholisch-dramatischen „Unknown Soldier“ und vor allem „Chinatown“, einer großartigen Symbiose aus Funk und Rock plus markantem, ohrwurmigem Keyboardriff, haben die Herren allerdings noch zwei weitere Asse im Ärmel und auch der Abschluss in Gestalt von „Great Expectations“ kann sich hören lassen. In der Summe betrachtet haben Toto wahrlich nicht zu viel versprochen – hier liegt kein Schnellschuss vor, um noch mal ordentlich Kasse zu machen. Das Songwriting ist vielfältig, die Arrangements sind durchdacht und musikalisch hochwertig und die Performance lässt ohnehin keine Wünsche offen. Da ziehe ich gerne den Hut, eine so gute Platte hätte ich Toto nicht noch einmal zugetraut.

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