Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Torture Squad: Far Beyond Existence

Richtig gute Thrash-Antworten in petto
Wertung: 8,5/10
Genre: Thrash Metal
Spielzeit: 72:07
Release: 13.07.2017
Label: Secret Service Records

Ist es tatsächlich schon wieder fast viereinhalb Jahre her, dass die brasilianischen Thrasher Torture Squad auch in Europa gastierten und eigentlich offen ließen, in welcher Besetzung sie so weiter machen? Nun, seit 2015 ist es ja geklärt, denn seitdem röchelt Mayara 'Undead' Puertas ins Mikrofon, die auf der 2016er EP „Return Of Evil“ zum ersten Mal ihr Talent neben den Necromesis-Veröffentlichungen unter Beweis stellte. Mit „Far Beyond Existence“ geht es nun über die volle Distanz. Blöd nur die Verkaufspolitik des Secret Service-Labels, denn gleich fünf verschiedene CD-Versionen sind im Juli 2017 bzw. Dezember 2017 herausgekommen, irgendwie immer mit anderen Bonustracks „veredelt“, sodass dem Komplettisten-Fetisch-Nerd-Fan eigentlich nur der überdimensionierte Erwerb übrig bleibt – ärgerlich und auch vollkommen unnötig in der heutigen Zeit.

The-Pit.de hat sich nun die Version gekrallt, auf der die drei Zusatznummern „Inside The Electric Circus“ (WASP-Cover), „Divine Step“ (Coroner-Cover) und „Overkill“ (Motörhead-Cover) zu finden sind. Die Coverversionen sind dabei alle ganz nett, aber eben leider auch verzichtbar, da Torture Squad es vermissen lassen, mehr als deutlich den Songs einen eigenen Stempel aufzudrücken. Das WASP-Cover atmet durch Mayaras Gesangsperformance auch reichlich Motörhead-Feeling, bei der Coroner-Nummer faucht dafür schön Fernanda Lira von Nervosa, doch auch hier agiert die Hintermannschaft zu sehr am Original und auch trotz wieder eher grunzend kehliger Vocals tönt „Overkill“ eben wie eine von vielen anderen gespielten Coverversion – schade.

Doch keine Panik, Torture Squad haben deutlich mehr auf der Pfanne als das Nachspielen einiger Klassiker. Und so kommen wir auch gleich schon zum ersten Anspieltipp „Blood Sacrifice“, welcher mutig mit Folklore-Einflüssen aus weiblichem Gesang und fernöstlicher Instrumentierung beginnt, sich dann in ein sehr geiles Riff ergießt, wo der prägnante Bass tief unten in der Magengegend jedes noch so festsitzende Geschwür weghämmert und wo nach einer „Eingewöhnungsphase“ dann gerade die präzise knatternden Drums das Tempo gewaltig verschärfen. Gerade hier kommt das Fauchen von Mayara auch geradezu apokalyptisch fieser als das sonstige tiefe Grunzen herüber, ein fetter Moshpart ist die perfekte Einladung für entweder das große Luftholen, wenn man da nicht eh schon noch im Pogomodus die eigene Einrichtung verräumt und wo zwischendrin auch mal ein kurzes Slayer-Tribut wie zu „Seasons Of The Abyss“-Zeiten alle Lauschlappen auf Hab acht-Stellung durchbläst.

Auch der Titeltrack „Far Beyond Existence“ kann in den oberen Gefallsphären locker mithalten: Nach eher verschlepptem Midtempo-Anfang kommt die unvermittelte Tempoverschärfung mit Doublebass-Dauerfeuer, nur um dann wieder im Groove herunterzubrechen. Hier sitzen die Vocals aber mal richtig angepasst angepisst, eher kehlig und einmal wieder etwas anders als bei den anderen Songs. Plötzlich wieder hebelt der knackige Vorwärtsdrive einen aus den Schluffen, derbe Death-Vocals im Headbangerpart aus der siebten Sohle zaubern ein „Wie geil“ ins Gesicht, bevor wieder die Doublebass jeglichen noch so nagenden Zweifel in den sumpfigen Boden bollert und das strange Solo einen vollkommen geplättet zurücklässt - alles drin bis hin zur Sepultura(„Roots Bloody Squad“)-Tribut-Gedächtnis-Riffstaffage.

Okay, „Steady Hands“ als stampfende Midtempo-Nummer mit kurzen Uptempo-Eruptionen haut einen nun nicht wirklich aus den Socken und auch das klassische „Hero For The Ages“ mit dem „back to the roots“-Hackepeter-Eindruck bietet keine großen Überraschungen, ballert dafür aber recht straight auf die Kauleiste und hat auch ein paar groovig intensive Midtempomomente zu bieten. Wer aber schon bei „No Fate“ mit dem Sirenenintro infiziert ist und sich gar nicht genug an den vielen Tempiwechseln von rasend knatternd mit Solo kurz vor episch bis zum schleppend intensiven Headbangerpart satthören kann, der wird auch auch an „Hate“ mit Dave Ingram (Benediction, Bolt Thrower, Hail Of Bullets) seinen erektiven Spaß haben: Blastet gleich von Anfang an gut los, geht kurz in den schleppenden Part, nur um dann wieder mit Dauergewummer loszubrechen, zwischendurch dazu die fauchenden Vocals, die den Song intensiver wirken lassen und eben die Klampfen, die auch mal ordentlich Old-School-Atmosphäre versprühen und wo ein Tarantino-Klampfen-Gedächtnis-Solo der Marke „Pulp Fiction“ auf gewaltverherrlichende Art einen weiteren Höhepunkt markiert.

„Cursed By Desease“ sollte ebenfalls lobende Erwähnung finden, denn nicht nur, dass mit Edu Lane (Nervochaos) ein weiterer Gastbeitrag zu vernehmen ist, sondern auch, weil der Track eine schöne Mischung aus immer wieder groovig hauptsächlich im Midtempo stampfend und ultimativen Blast-Knüppel-Attacken ist und das Sprechsample eine gelungen eingefügte Ergänzung liefert. Und wenn wir schon bei den Gästen sind, so durfte Luiz von Vulcano/Chemical Disaster bei „You Must Proclaim“ mitmischen: Thrash-Riffing mit Dauersalven aus der Snare-Hinterhand par excellence.

Auch anno 2017 bzw. 2018 haben Torture Squad ein paar richtig gute Thrash-Antworten in petto. „Far Beyond Existence“ markiert den achten Longplayer, ist zugleich das Debüt von Maraya über die volle Distanz und überzeugt bis auf die beiden eher durchschnittlichen Songs, bei der sich dreiviertel der existenten Thrashbands noch immer die Griffel nach lecken würden, auf voller Linie. Jetzt fehlt eigentlich nur noch eine Tour hier in Europa, dann können die BrasilianerInnen einen weiteren Erfolgsnagel in die Karriereschatzkiste wuchten.

comments powered by Disqus

Schritt für Schritt zu einem erfolgreichen Abend

„Singen ist Sport, egal was für einen Stil, da machen wir uns nichts vor...“

Ausverkauftes Café Nord im „Erste-Klasse-Gewalt“-Fieber