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Tomydeepestego: Chronophage

Instrumentalrockige Gratwanderung
Wertung: 7.5/10
Genre: Post Rock/Post Metal/Instrumental
Spielzeit: 47:44
Release: 20.11.2009
Label: Subsound Records

Instrumentale Rockmusik ist häuig eine zweischneidige Angelegenheit: Ist sie gut gemacht, kann sie ohne Worte Botschaften überbringen und Atmosphäre hervorrufen, die durch einen Sänger eher behindert als unterstützt würde. Ist sie dagegen schlecht gemacht, kann sie leicht zur Hintergrundbeschallung verkommen, einfallslos und langweilig wirken und den Hörer wünschen lassen, jemand würde seine Stimme erheben um das Ganze noch zu retten. "Chronophage", das zweite Album der italienischen Instrumental-Postrocker Tomydeepestego bewegt sich, teilweise wacklig aber doch beständig, zwischen diesen beiden Extremen.

Mit zwei Gitarren, Schlagzeug und Bass startet das Quartett in "Dr. Disagius" und legt eine Blaupause des eigenen Könnens vor: der krachende Beginn mündet wenig später in einen nur von Bass und Schlagzeug getragenen Teil, die Sechssaiter gesellen sich erneut dazu und in ungeraden Taktarten rifft man munter vor sich hin. Dynamikwechsel und dramatische Steigerungen wechseln sich ab und machen den Track zu einem recht kurzweiligen Erlebnis, das nur durch den zu lang gezogenen Schlussteil etwas getrübt wird.

"Cicades" funktioniert nach ähnlichem Schema, jedoch wirken die Ausbrüche, die auf ruhige Passagen folgen teils etwas unakzentuiert. Spätestens bei Titel Nummer drei stellt man dann fest, dass irgendwie jeder Song gleich klingt. Die Beschränkung auf die typische Rockbandinstrumentierung schränkt die klangliche Vielfalt enorm ein. Zusätzlich limitieren sich Tomydeepestego noch zusätzlich, indem sie hauptsächlich Riffs und Licks aufeinanderschichten, jedoch so gut wie keine expliziten Soli einbauen. Ein weiterer – allerdings vermutlich hörerspezifischer - störender Punkt ist die Stimmung, die auf "Chronophage" vorherrscht: fröhlich, beinahe schon unbeschwert und ziemlich weit entfernt von echter Melancholie oder Ähnlichem. An sich ist das nichts Verwerfliches, aber warum ein Song mit dem Titel "Controversy (Act I, Inferno)" in seiner ersten Hälfte eher nach Blumenwiese als nach Höllenfeuer klingt bedarf dann doch einer Erklärung. Immerhin wird in der zweiten Hälfte das Klangbild um eine dezente Geige und einen kurzen Choreinsatz bereichert, sodass sich gegen Ende doch noch so etwas wie Gefühlssuggestion einstellt.

Wirklich vom Hocker haut den Hörer dann "J.H.I.": schleppende, grollende Riffs und düstere Trommeln beschwören eine bedrohliche Atmosphäre herauf, die im Verlauf des Tracks beeindruckend verarbeitet wird. Hinter einem bewusst monotonen Riff baut sich eine Mauer aus Lärm und Dissonanz auf, bis das Konstrukt in einen wackligen Taktwechsel kippt und sich in einer euphorischen Steigerung gen Schlussakkord bewegt. Auch wenn die drei vorherigen Tracks durchaus hörbar waren; "J.H.I." ist der erste Song auf "Chronophage", der uneingeschränkt begeistern kann, ist hier doch endlich der große Vorteil des Instrumentalen - das stimmungsvolle, cineastische Hörerlebnis - vollends greifbar.

Zum Glück geht es auch erst einmal so weiter. "El Hombre Loco (Desde Generaciones)" gibt sich träumerisch und endet mitten in einem schön gezogenen Spannungsbogen nach knapp dreieinhalb Minuten für meinen Geschmack viel zu früh. Ein bis zwei Minuten hätte man zugunsten dieses Titels gerne "Crepuscolo (Act II, Purgatorio)" abgezwackt, wo sich Tomydeepestego anfangs noch ordentlich in eine kraftvolle Rifffolge hineinsteigern, im Verlauf der fast neunminütigen Spielzeit jedoch etwas an Kraft einbüßen. Immerhin: die Band behält die düstere Ausrichtung aus "J.H.I." noch bei und so gerät auch "Milla" zu einem Mahlstein aus Riffs, die in harter, mächtiger Gestalt schlüssig zum letzten Track der Platte überleiten. So richtig paradiesisch klingt "Libero Arbitrio (Act III, Paradiso)" dann zwar nicht (man könnte die Grundstimmung schon eher als machtvoll triumphierend bezeichnen), einen furiosen Schlusspunkt unter "Chronophage" setzt der Song aber allemal.

Fazit: Wie bereits eingangs erwähnt ist "Chronophage" eine Gratwanderung. Absolute Konzentration auf das Dargebotene ist unbedingt erforderlich, sonst kippt das Album sehr schnell in die Belanglosigkeit. Gibt man ihm aber diese Aufmerksamkeit wird man dafür mit einigen sehr suggestiven Hörerfahrungen belohnt. Zwar können auch dann nicht alle Songs vollends begeistern, da teilweise einfach zu viele Riffs hintereinandergepackt wurden, was auf Kosten des roten Fadens geht; besonders in der zweiten Albumhälfte können Tomydeepestego aber ihre Stärken voll ausspielen und mit ihren Klanggebilden überzeugen.

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