Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Tomorrow's Eve: Tales From Serpentia

Was sind Träume?
Wertung: 9.5/10
Genre: Progressive Metal
Spielzeit: 68:35
Release: 10.10.2008
Label: Lion Music

„Und was sind Träume denn anderes als halbvergessene Geschichten in schlechtem Erzählstil? Es gab eine Zeit, da bestand ein Großteil meines Lebens aus Träumen. Aber nicht die Träume, die dich in der Nacht heimsuchen, dich zu ängstigen oder zu unterhalten und dann vergessen werden wie zweitklassige Bücher, die man während eines Fluges liest. Jedoch auch nicht die flüchtigen Tagträume schlechter Zeiten. Nein, es waren die Träume, die kommen und bleiben, wenn du zu weit in die Welten bestimmter Substanzen abtauchst. Die immerwährenden Alpträume.“

So wird das vierte Werk der deutschen Prog-Metaller Tomorrow’s Eve, ihr Konzeptalbum „Tales From Serpentia“, eingeführt. Zwar mag dieses Thema einem vielleicht abgedroschen vorkommen, aber man darf beruhigt sein, denn das ist es keinesfalls. Die Band hat es geschafft, nach dem fast vollständigen Zerfall 2003, als nur noch zwei Mitglieder übrig blieben, die leeren Stellen formidabel zu besetzen und sich einen neuen Plattenvertrag angeln zu können. Mit „Tales Of Serpentia“ folgt nun ihr Comeback und zwar eines mit großem Feuerwerk.

Tomorrow’s Eve zelebrieren in den fast 70 Minuten progressiven Melodic Metal par excellance. Die Kompositionen mögen sich auf Grund ihrer starken Verspieltheit und Komplexität erst beim zweiten oder dritten Hören komplett erschließen, was aber dem Ganzen keinen Abbruch tut, da man ständig Neues entdecken kann.

Die Band schafft es, treibende Gitarrenriffs, ruhige, gefühlvolle Piano-/Keyboardpassagen, akustische Gitarren und fetzige Power-Songs in totalen Einklang zu bringen. Die Riffs sind eingängig, die Melodien stehen klar im Vordergrund und ziehen sich wie ein roter Faden durch das Album, immer wieder begleitet durch kurze gesprochene Einlagen zu Anfang oder Ende eines Songs. Diese greifen das zuvor zitierte Thema auf und rufen dem Hörer die Erinnerung an die erzählte Geschichte zurück ins Bewusstsein.

Die Komplexität der Tracks entsteht vor allem durch die häufigen Tempi-/ Rhythmuswechsel und einzelnen Breaks, bei denen sich flotte Midtempopassagen mit langsameren, getrageneren Stücken abwechseln, stets begleitet von Martin LeMars facettenreicher Stimme. Er hat eine angenehme klare, etwas dunklere Stimmfarbe, was sehr gut zu dem etwas düsteren Touch der Songs passt und beherrscht diese in allen vorgetragenen Höhen und Tiefen. Sie ist stets passend eingesetzt; ob mal aggressiv und kraftvoll im Vordergrund, melodisch und voluminös oder etwas zurückhaltend, es bringt den einzelnen Stücken noch mehr Substanz. Von der Atmosphäre ist „Tales From Serpentia“, wie schon gesagt, düsterer als der Vorgänger „Mirror Of Creation II – Genesis“ ausgefallen und hat stets eine melancholische Note im Hintergrund. 

Trotzdem wirken die einzelnen Titel nicht überfrachtet und schwer zugänglich. Ob es nun das balladeske „Remember“, das powervolle „The Curse“ oder das 20-minütige Epos „Muse“ ist, welches den Abschluss bildet.

Fazit: Tomorrow’s Eve haben mit „Tales From Serpentia“ ein phantastisches Album auf hohem Niveau vorgelegt, was die Frage aufwirft, warum die Jungs eigentlich nicht bekannter sind. Zwar gibt es gegen Ende hin kurz einen leichten Durchhänger, welcher aber durch die stets hohe Qualität kompensiert wird. Im Gegensatz zum ersten Eindruck des einführenden Zitats ist dieses Werk weder abgedroschen noch 08/15-Kost, sondern bringt Spielfreude und frischen Wind in die Pro-Metal-Szene. Man kann allen Fans der Größen dieses Genres nur raten, sich „Tales From Serpentia“ zuzulegen, denn es hat wahre Chancen auf den Titel „Best Progressive Metal Album 2008“ und verdient Beachtung.

comments powered by Disqus