Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Tombs: All Empires Fall

Es wird wieder schwärzer
Wertung: 7,5/10
Genre: Post Metal, Black Metal
Spielzeit: 23:51
Release: 01.04.2016
Label: Relapse Records

Dass bekannte Rapper aus dem New Yorker Stadtteil Brooklyn sich gerne eines nicht unerheblichen Metal-Einflusses bedienen, kommt nicht von Ungefähr. Der oft als Problemviertel angesehene Bezirk bringt schon seit Jahrzehnten eine florierende Untergrundszene hervor. So hatte zum Beispiel das von Peter Steele gegründete Projekt Carnivore seinen Ursprung in den rauen Straßen Brooklyns der 80er Jahre. Doch neben dem harschen Crossover-Thrash-Klang ebenjener Gruppe entwickelten sich auch im Post-und Black Metal-Bereich ganz andere, viel melodischere und von skandinavischen Größen beeinflusste Perlen im Brooklyner Untergrund. Dazu gehören auch Tombs, die sich in Richtung des typisch isländischen dissonanten Black Metals der Marke Svartidauði orientierten, in neuerer Zeit jedoch mehr und mehr melodischere bis post-rockig anmutende Passagen in ihre Musik integrierten. Dass die allgemeine Brutalität ihrer Werke darunter nicht leiden muss, beweisen sie auf ihrer kürzlich veröffentlichten EP „All Empires Fall“.

Sobald der Silberling rotiert, umgarnen einen finstere, sich langsam zu einem dichten Klumpen verdickende Ambientsounds. Ein derart harter Stilbruch, obgleich nicht uninteressant, hätte sicher einige eingefleischte Fans dazu gebracht, der Band den Rücken zuzukehren und dem geneigten Hörer wären einige Schmankerl entgangen. Zum Glück entscheiden sich Tombs nach den ersten 45 Sekunden Geräuschkollage dazu, dass es nun echt an der Zeit ist auszurasten und hauen ein unglaublich böses, knalliges Riff raus. Hier winkt einem direkt wieder der eiskalte, schneidende Klang skandinavischen Black Metals zu.

Gleichzeitig haben die Jungs um Frontschreier und Gitarrist Mike Hill, dem einzig verbliebenen Gründungsmitglied, keine Scheu davor auf die Bremse zu treten und sich mit tiefen Akkorden und nachdenklichen, keyboardgetragenen Melodien vor dem Doom und seinem seltsamen Vetter, dem Post-Metal, zu verneigen. „The World is Made of Fire“ ist ein reines Instrumentalstück, in welchem die Hauptbestandteile der EP trotzdem ordentlich zur Geltung gebracht werden: Finstere Atmosphäre, heftige, donnernde Riffs zwischen Death und Black Metal, zermalmende Akkord-Melodie-Konstrukte.

Dabei machen sich Tombs keine Sorgen darüber, mit Experimenten anzuecken. In einem eiskalten, schneidenden und trotzdem druckvollen Klanggerüst produziert, offenbaren sich vielfältige Einflüsse, von Tool – die erste knappe Minute von „Deceiver“ lässt in einem sinistren Spiel von Bass und Schlagzeug vor einem von Keyboard getragenen Hintergrund an „Reflection“ denken, bevor sich in unglaublich rotzigen Riffs ein rhythmisches Monster entlädt – bis hin zu rituell wirkenden Musikzeremonien mit Anklängen tibetanischen Kehlgesangs in „Last Days of Sunlight“. Dem Post-Metal gehuldigt wird dann wieder im Abschluss der EP. Das Stück mit der minimalistischen Bezeichnung „V“ wird atmosphärisch durch den Wechsel zwischen dem tiefen Gesang des Keyboarders Fade Kainer und Mike Hills gepressten Schreien geprägt, das Schlagzeug zeigt sich kreativ, aber ohne unnötige Schnörkel direkt nach vorne treibend.

Es bleibt zu hoffen, dass die Mannen von Tombs in naher Zukunft ein vollständiges, langes Album im Stile der EP folgen lassen, denn trotz der dunklen Thematik macht „All Empires Fall“ durch den knalligen Sound, die derben Grooves und die sorgfältig platzierten musikalischen Experimente jede Menge Spaß. Ähnlich wie auf dem letzten Longplayer „Savage Gold“ setzt sich der Sound ausgewogen aus kraftvoll abgemischten Instrumenten und dem kratzigen Touch des Black Metals zusammen. Zu bemängeln gibt es nur den etwas krampfhaft wirkenden Versuch, unglaublich viele Details in der kurzen Spielzeit unter zu bringen. Dadurch kommt hin und wieder ein überladener Eindruck zu Stande und nach einem kompletten Durchlauf verspürt man das Bedürfnis, sich erstmal auszuruhen und die Fülle an Eindrücken zu verarbeiten. Hoffentlich lassen sich Tombs auf zukünftigen Veröffentlichungen mehr Zeit und bieten dem Hörer einen weniger hektischen Gesamteindruck, was der allgemeinen Atmosphäre definitiv einen weiteren Pluspunkt einbringen würde. 

comments powered by Disqus

Werkschau einer der größten und einflussreichsten Rockbands aller Zeiten

Wie mit einer Ex-Freundin

Willkommen in der Husumer Sauna