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Todtgelichter: Apnoe

Der erste Schritt auf einer langen Reise?
Wertung: 8,5/10
Genre: Progressive Metal
Spielzeit: 54:01
Release: 19.04.2013
Label: Aural Music

Eine Black-Metal-Band, die ihren Sound samt Image deutlich verändert und ihre ursprüngliche Musik mit Progressive und Post-Rock anreichert – klingt vertraut, oder? Mittlerweile ist dieser Trend beinahe schon zur Normalität geworden und im deutschen Raum gehört der überraschende Sprung der Todtgelichter vom rohen, aber anspruchsvollen Black Metal auf „Schemen“ hin zu der Neudefinition durch „Angst“ sicherlich zu einem der bekanntesten Fälle eines solchen Stilwechsels. Anders als bei vielen anderen Bands gestaltete sich dieser bei den Hamburgern allerdings deutlich eigenständiger und bescherte ihnen den Ruf als eine vorwärtsdenkende und mit viel Potential gesegnete Band.

Dementsprechend dürfte wohl auch niemand von dem neuen Werk „Apnoe.“ Stillstand erwartet haben – nichtsdestotrotz ist die Überraschung beim ersten Hören groß, denn Todtgelichter haben erneut viel gewagt und nicht etwa lediglich den Sound von „Angst“ verfeinert. Der Black Metal ist nahezu gänzlich verschwunden und mit ihm auch der zuvor bestimmende Anteil an Screams, wofür sich vermutlich nicht zuletzt auch der neu hinzugekommene Sänger Tobias verantwortlich zeigt, der die weibliche Stimme vor allem mit Klargesang unterstützt. Befürchtungen, dass Todtgelichter durch die heruntergeschraubte Härte an Biss verlieren, stellen sich jedoch als unbegründet heraus, denn die Band nutzt ihre neu geschaffenen Möglichkeiten in jeglicher Hinsicht aus und präsentiert so ein Album, dessen Facetten den Hörer lange beschäftigen.

Diese werden in „Embers“ schon zu Anfang des Albums ausführlich gezeigt – in siebenhalb Minuten definieren Todtgelichter ihren neuen Sound mit progressiven Riffs, die den Black Metal nur noch erahnen lassen, und einer dynamischen Songstruktur neu. Obwohl schnell offensichtlich wird, dass die Truppe in puncto Songwriting keine halben Sachen macht, tun sich aber auch erste Schwachstellen auf: Das Wechselspiel zwischen klarem und geschrienem Gesang erscheint hier noch etwas aufgesetzt, zumal Tobias in diesem Bereich trotz makelloser Technik nicht an die Intensität seines Vorgängers heranreicht. Abgesehen davon zeigt sich der vielseitige Sänger aber als vielversprechende Wahl, denn speziell in den zweistimmigen Parts mit Marta schaffen die beiden Stimmen eine ganz neue Dynamik, die sich vor allem in dem beschwörend vorgetragenen Schluss des Songs zeigt.

Mit der Fülle an Möglichkeiten, die sich der Band dank zwei Sängern und ebenso vielseitig begabten Instrumentalisten bietet, wird auf „Apnoe.“ jedoch nicht nur innerhalb der Songs in verschiedenste Richtungen experimentiert - „Expectations“ und „Odem“ etwa weisen durch Tobias Gesangsstil und besonders seine Intonation in der Tat die vielzitierten Metalcore-Anklänge auf, kombinieren diese aber mit einem progressiven Fundament und intensiven Breaks, in denen Martha beispielsweise den Sänger wie in „Expectations“ mit ihren großartigen Harmonien subtil, aber effektiv unterstützt. Sehr interessant gestalten sich auch die vermehrt zu bemerkenden Jazz-Einflüsse, die einige der besten Songs des Albums hervorbringen: „Soil“ ist so fraglos einer der Höhepunkte des Albums und bleibt vor allem durch den prägnanten Bass und Martas grandiose Gesangsleistung im Gedächtnis, die mit ihrer tiefen und ausdrucksstarken Stimme sowohl die verraucht dahinkriechenden Strophen als auch den sehnsüchtigen Refrain nahe der Perfektion meistert.

Während „Until It All Begins“ in eine ähnliche Kerbe schlägt und stark an The Gathering zu ihren experimentellen Zeiten erinnert, erobert „Tiefer Fall“ ein ebenso überraschendes, aber gänzlich anderes Territorium. Mit der Unterstützung des The Vision Bleak-Frontmanns fahren Todtgelichter hier den mit Abstand eingängigsten Song der Bandgeschichte auf – die poppige Herangehensweise an den Song scheint hierbei zwar als Experiment zu verstehen zu sein, da „Tiefer Fall“ als Bonustrack gelistet wird, nichstdestotrotz eröffnet sich der Song dem scheuklappenfreien Hörer aber als hervorragend komponierter Ohrwurm, der nicht zuletzt dank der angenehmen Symbiose aus Martas und Konstanz' tiefer, klangvoller Stimme einen positiven Eindruck hinterlässt. Mit Lake Of Tears-Sänger Daniel Brennare findet sich auf „Beyond Silence“ zudem ein weiterer Gastsänger, der mit seiner einzigartigen und gefühlvollen Stimme dem Song seinen Stempel aufdrückt, so dass dieser beinahe schon nach einem progressiv gearteten Track seiner eigenen Band klingt.

Todtgelichter haben mit „Apnoe.“ viel gewagt - selbst Hörer, die sich mit dem Stilwechsel auf „Angst“ noch anfreunden konnten, könnten hier unter Umständen einige Einstiegsschwierigkeiten haben. Ist die Überraschung jedoch erst einmal überwunden, offenbart sich ein pointenreiches und ambitioniertes Werk, das in seiner Experimentierfreude so manches Highlight wie etwa „Soil“ hervorbringt. Dass „Apnoe“ dabei nicht an die dichte Atmosphäre von „Angst“ hereinreicht, ist wohl in erster Linie auf den heterogenen Gesamteindruck des Albums zurückzuführen, so dass dieses an manchen Stellen noch eher wie eine Suche nach einer neuen Identität anmutet – doch da diese auf einem hohen Niveau stattfindet und an zahlreichen Punkten interessante Möglichkeiten verspricht, investieren Anhänger anspruchsvoller, eingängiger Musik ohne feste Genregrenzen ihre Zeit hier mehr als sinnvoll.

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