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Todd Anderson: Die Stille schreit nicht mehr

Ein Album, das nicht beim ersten Durchlauf zündet
Wertung: 10/10
Genre: Post-Hardcore, Punk
Spielzeit: 41:18
Release: 02.12.2016
Label: Midsummer Records

Bereits am 2. Dezember erschien nach sieben Jahren die neue Todd Anderson-Platte „Die Stille schreit nicht mehr“ - eigentlich wäre also mehr als genug Zeit für ein Review gewesen, immerhin ist das neue Jahr mittlerweile bereits angebrochen. Manche Alben brauchen aber schlichtweg mehr Zeit als andere, um vollständig durch das Rezensentenhirn zu diffundieren. Dabei merkt man eigentlich recht flott, dass die zehn Songs zu gefallen wissen; warum, lässt sich allerdings erstmal schwer in Worte fassen geschweige denn in vernünftigen, verständlichen Sätzen aufs virtuelle Papier bringen.

Dass die Texte auf Deutsch durch die Boxen poltern, kann durchaus Schwierigkeiten machen, wenn man an englischsprachige Musik gewöhnt ist, andererseits entwickelt sich so unter Umständen eine ganz andere Bildgewalt. Gewaltig ist auch schon die Diskrepanz zwischen dem in Pastellfarben gehaltenen Cover und der brachial-derben Lärmattacke, die je nach Song irgendwo zwischen Punk, (Post-)Hardcore und Garage Rock pendelt.

Mittlerweile hat die Platte bestimmt den 15. Durchlauf bei mir erreicht und rotierte damit schon länger in Kopf und Gehörgang als viele andere Alben, die länger im Besitz der Schreiberin dieser Zeilen sind – inzwischen hat man sich auch endlich ein Urteil gebildet, das recht simpel ausfällt: Geil!

So kann man das natürlich nicht stehen lassen, also gehen wir mal ins Detail: Ein bisschen gewöhnungsbedürftig sind Tracks wie „Stille“ ja schon mit ihrem heiseren Geschrei, gleichzeitig fällt die Gitarrenspur aber dermaßen episch aus, dass der Track sich flott unter die Anspieltipps mischt: düster, getragen und geradezu erhaben kommen die Instrumentals im Hintergrund daher und bilden einen passenden Gegenpart zum aggressiven Gesang.

Schon beim Opener geht es ähnlich zu, Todd Anderson scheinen bereits mit „Elchtier“ die Perfektion zu suchen, rasch brechen die deftigen Vocals aus den Boxen, die Riffs treiben ebenso nach vorne – wenn jemals eine Platte dem Wort „Soundgewitter“ gerecht wurde, dann ist es „Die Stille schreit nicht mehr“; und das alles, ohne übermäßig lärmig oder gezwungen zu erscheinen. Auch textlich muss und sollte man sich bei Todd Anderson ein bisschen Zeit nehmen – glücklicherweise sind die abgedruckten Lyrics eine Dreingabe beim Erwerb der LP, andernfalls würden einem solche fast romantischen Zweizeiler wie „Doch der schönste aller Verse blieb/dieser eine, den ich nie zu Ende schrieb“ („Leuchtturm“) oder rebellische Stellen wie  „Nur weil du glaubst/ich müsse verweilen/Dies alles ertragen/Muss das nicht so sein“ aus „Ausbruch“ entgehen.

Auch die Bandbreite an Stimmungen, die auf den zehn Songs eingefangen werden, ist gewaltig, wenn man sich in dem Sound erstmals zurechtgefunden hat: „Surfen“ bietet da einen fast tanzbaren Rhythmus, während sich im Refrain die allgegenwärtige Melancholie breitmacht, gemischt mit einem Gutteil Aggression – ganz aus dem Rahmen fällt dann das wunderschöne finale „Duenenland“, bei dem sich nicht nur die Gänsehaut breitmacht, sondern auch das ein oder andere Tränchen sich versucht einen Weg nach draußen zu bahnen.

Wahnsinn, wie lange man manchmal braucht, um wirkliche Musikperlen zu entdecken. Über einen Monat hat es jetzt gedauert, die richtigen Worte für dieses Album zu finden und doch scheint einem alles, was man darüber schreiben könnte, einfach unzureichend. Weniger als die volle Punktzahl kann man hier nicht geben.

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