Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Titanic: Full Steam Ahead

Kapitän, nimm mich mit auf die Reise
Wertung: 9/10
Genre: Heavy Metal
Spielzeit: 40:55
Release: 29.02.2008
Label: Retroactive Records

Retroactive beehren uns mit ihrer nächsten Veröffentlichung. Das christliche Plattenlabel legt uns mit „Full Steam Ahead“, dem neuen Titanic Werk, ein schönes Stück Metal in den CD Player. Das Trio David St. Andrew (Vocals), David White (Drums) und Mastermind Bill Menchen (everything else!) zeigt, dass europäischer Heavy Metal nicht unbedingt aus Europa kommen muss.

„Shovel The Coal“ beginnt mit Geräuschen aus dem Maschinenraum der Titanic, bevor die Musik zügig aus den Lautsprechern zu springen scheint. Mit reichlich Hummeln im Allerwertesten prescht das Trio voran. Auffällig vom ersten Ton an ist die Ähnlichkeit von St. Andrew`s Stimme zu unserem deutschen Piratenkapitän Rock`n`Rolf. Nicht ganz so rauh wie von der See, aber vom Gesangsstil her durchaus in benachbarten Fahrwassern beheimatet. Riffbetont beginnt der Kopf kräftig zu nicken und der Rezensent freut sich über guten alten Heavy Metal, der auch aus der glorreichen NWOBHM Zeit hätte stammen können.

Ähnlich geht es bei „Dead Mens Bone“ zu, wobei hier die Parallelen zu Running Wild noch deutlicher werden, da der Refrain sehr Pirate Metal Like ist; das Ganze wird einfach nur präzise und mit viel Spielfreude rausgehämmert. Die Produktion ist gelungen und es macht richtig Spaß, die zu kurze Matte kreisen zu lassen. Was will der Headbanger mehr?

„Deep Down“ gerät etwas zähflüssiger, was aber richtig schön heftig und trotz der eher nicht im Tiefton angelegten Stimme irgendwie auch ein wenig bedrohlich wirkt. Aber Jesus wird`s schon richten. Nun ja, logisch, dass die christliche Botschaft irgendwo integriert wurde. Aber wer jetzt Angst vor oberlehrerhaften Bekehrungen hat, der irrt. Die bekennenden Christen verstecken das recht gut und niemand wird zum Konvertieren genötigt. Hier zählt in erster Linie die Musik

„Captain Of The Ship“ hämmert sich dann auch wieder mit aller Macht durch mein Trommelfell. Wer es lieber sanft und kraftlos mag, sollte einen großen Bogen um die Scheibe machen, denn hier wird voll von positiver Energie auf die Felle und Saiten eingedroschen. Yieeha, wenn Stryper deutlich härter und metallischer gewesen wären, dann hätten sie Titanic sehr ähnlich geklungen. Hier schert man sich aber einen Dreck um chartorientierte Schmalzmelodien und haut lieber mal kräftig auf die Kacke.

„Holy Ground“ beginnt mit einer einsamen Gitarre, bevor das Riffgewitter beginnt und alles sich in den Weg stellende niederwalzt. Ich denke mal, wenn die Titanic damals derart mächtig angeschwommen gekommen wäre, wäre eher der Eisberg zerborsten als das Schiff. Gelungene Arrangements, wie z.B. das tolle Solo mit dem zu kurz geratenen akustischen Beginn zeigen, dass Bill Menchen sich in diesem Metier sauwohl fühlt.

„Sons Of Thunder“ folgt unweigerlich dem eingeschlagenen Weg, wenngleich der Chorus hier etwas schwächer ausgefallen ist. Trotzdem oder gerade auch wegen der geflüsterten Vocalpassagen ist der Song ein weiteres Highlight auf dieser bis jetzt komplett sehr hochwertigen Veröffentlichung.

Bei „Upon The Cross“ hält mich dann nichts mehr, die Schädeldecke rotiert bis zum Anschlag bei diesem unheimlich groovigen Midtempokracher, der einfach nur mitzureißen weiß. Gut, dass das Solo recht kurz gehalten ist und die einpeitschenden Gitarren schnell wieder dominieren. Dazu die tendenziell hohe Stimme, ein Schmaus für die Ohren. Ein echtes Highlight!

„The Wind“ kann da zwar nicht ganz mithalten, aber hält das ansonsten hohe Niveau ohne Probleme. Der Refrain haut dann aber wieder alles aus den Rettungsbooten und katapultiert den Song neben dem gelungenen melodischen Solo zu einem weiteren herausragenden Stück des Albums.

„Wisdom“ hämmert ebenfalls recht heftig daher. Aber die Band schafft es, das Ganze eigentlich immer recht positiv zu erreichen, ohne in heftige Tieftonorgien zu verfallen, welche natürlich auch ihren Reiz haben. Ja zum Himmel, so werde ich gerne gerockt.

Leider ist dann mit „The Sea“ auch schon Schluss mit der regulären Scheibe. Aber man lässt es nochmal richtig krachen. Jawohl, ein würdiger Kracher zum Schluss, der mal wieder mit einem tollen Chorus garniert wurde, bevor ihn die Wellen des Ozeans verschlingen.

Zum Glück handelt es sich bei dem hier vorliegenden Exemplar um eine Special Edition, welche noch zwei Bonustracks enthält. Diese beiden Songs sind mit dem legendären Stryper Drummer Robert Sweet eingespielt worden. Man hört, dass sie nicht so recht in die Scheibe passen und deshalb als Bonustracks den richtigen Platz finden. Etwas rauer und soweit man das bei der Musik überhaupt sagen kann, etwas bedrohlicher hämmert sich „Nightmare“ ohne Verzögerung in mein Gedächtniszentrum. Yeah, diesen Hammer solltet ihr euch nicht entgehen lassen, also immer schön die Special Edition der CD kaufen, es lohnt sich.

„Come Home“ ist dann allerdings so etwas wie der schlechteste Song der CD. Etwas zu plump erscheint der Refrain und die Bridge. Schade, so ist der Abschluss ein wenig daneben geraten, das ist allerdings aufgrund der 11 anderen weit mehr als gelungenen Stücke wirklich zu verschmerzen.

Fazit: Zur Hölle mit dem Teufel, der Himmel hat aufgerüstet und schlägt inzwischen in geballter Form zurück. Man mag nun über Religionen oder Glauben denken, was man will, aber den Black Metal gibt`s schon lange und die zaghaften White Metal Versuche in den Achtzigern waren wegen mangelnder Quantität in Verbindung mit Qualität zum Scheitern verurteilt. Das sieht nun im 21. Jahrhundret etwas anders aus. Mit Deliverance, Whitecross und nun auch Titanic (um nur einige zu nennen) hat man sich richtig gut aufgestellt, um einen Gegenpol herzustellen. Daumen hoch für die Titanic und das bitteschön ohne Kate Winslet. Endlich haben nicht nur Frauen ihre Titanic gefunden.

So, jetzt hab ich keine Zeit mehr, ich muss ins Reisebüro und ´ne Kreuzfahrt buchen, ganz nach dem Motto „Full Steam Ahead“!

comments powered by Disqus

Werkschau einer der größten und einflussreichsten Rockbands aller Zeiten

Wie mit einer Ex-Freundin

Willkommen in der Husumer Sauna