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Tim Neuhaus: Pose I + II

Eine deutlich zwiegespaltene Platte
Wertung: 6,5/10
Genre: Singer/Songwriter, Indie
Spielzeit: 37:54
Release: 22.09.2017
Label: Grand Hotel van Cleef

Der Hagener Singer/Songwriter Tim Neuhaus zeigt sich auf seiner aktuellen Platte “Post I + II” nicht nur titelmäßig deutlich zwiegespalten – statt zwei Alben zu veröffentlichen, hat der gute Mann einfach ein einziges Album aufgegliedert, in eine etwas poppigere Seite und eine eher experimentelle; und die Grenze ist sogar recht deutlich hörbar.

Erst mal zu den harten Fakten: „Pose I + II“ markiert nach dem 2011er Debüt „The Cabinet“ und dem zwei Jahre später erschienenen Nachfolger „Now“ das dritte Studioalbum des Multiinstrumentalisten, der auf der neuen Scheibe so ziemlich alles selbst eingespielt hat und sich keineswegs nur mit Gitarre und Schlagzeug zufrieden gibt. Vielmehr bietet schon der erste Song „ The Music That You Are“ eine überraschende Vielfalt, ungestüm bahnt sich der Track einen Weg, dabei kann der Strophengesang noch gar nicht so recht überzeugen; im Refrain ertappt man sich dann schon eher beim Mitwippen und –singen.

Auf dem insgesamt eher poppig-seicht gehaltenen ersten Teil des Doppelalbums kann ausgerechnet ein Titel namens „A Little Love“ überzeugend herausstechen, auch dieser Song ist wäre zwar durchaus radiotauglich, überzeugt aber durch die fragil-perlende Melodie und vor allem die leicht hallende Gitarre.

„Tomorrow’s Somewhere Else“ wurde dann als kurzes Violinenzwischenstück eingefügt, um beide CD-Hälften gegeneinander abzugrenzen – gebraucht hätte es dieses Intermezzo zum besseren Verständnis allerdings wirklich nicht, denn „Control“ klingt offensichtlich deutlich anders als die vorangegangenen Stücke, wirkt deutlich verzwickter und etwas räudiger; aber auch hier, ohne wirklich gefährlich zu werden. Richtiggehend sphärisch kommt das schwurbelige „Realize“ daher, fast grungig-punkig dann das düster-flotte „BSTRD“. Und zum beinah an die Fünfziger erinnernden „Lila“ hat sich Neuhaus dann Songwriter Ian Fisher als Sänger eingekauft, der wie schon beim letzten Album an einigen Texten mitwerkeln durfte. Ausgerechnet das finale „Pose“, reduziert auf leichten Gesang und Acousticgitarre, im Hintergrund ein Streicher-Ensemble, weiß dann noch mal zu überzeugen und einen schönen Schlusspunkt zu setzen.

Tatsächlich hat Neuhaus es geschafft, die beiden CD-„Seiten“ deutlich voneinander abzuheben; wesentlich spannender kommt natürlich die zweite Hälfte des Albums daher, hier kann der Musiker sich austoben und nutzt dies für allerlei Experimente, während gerade der erste Teil der Platte doch eher seicht und mit kaum Ecken und Kanten daherkommt. Wer auf eher poppige Strukturen steht, kann sich damit sicherlich anfreunden, ansonsten sollte man sich an „Pose II“ halten.

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