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Thyrfing: Hells Vite

Neuer Sänger, neuer Stil
Wertung: 8.5/10
Genre: Pagan Metal
Spielzeit: 52:04
Release: 22.10.2008
Label: Regain Records

Was ist denn mit Thyrfing passiert? Ich hatte die Band seit ihrem Album „Urkraft“ völlig aus den Augen verloren und als Viking Metal-Band mit Gute-Laune-Garantie in Erinnerung. Was sich in den acht Jahren seit „Urkraft“ musikalisch verändert hat, entzieht sich leider meiner Kenntnis. „Hels Vite“ hat mit genanntem Album rein gar nichts mehr zu tun, soviel sei vorab verraten. Am Mikro gibt es übrigens einen prominenten Neuzugang zu vermelden - Jens Rydén (ehemals Naglfar) stellt den Schweden seine Stimme zur Verfügung. Darüber hinaus muss die Band vorerst mit nur einem Gitarristen auskommen, da Henrik Svegsjö die Band ebenso verlassen hat, wie Rydéns Vorgänger Thomas Väänänen.

Wie bereits erwähnt klingt „Hels Vite“ anders als die ganz alten Scheiben der Band. Vorbei sind die Zeiten, als man von Songs von „Mjölner“ oder „Valdr Galga“ förmlich zum Tanzen und Headbangen gezwungen wurde. Denn ähnlich wie Moonsorrow sind Thyrfing düsterer und komplexer geworden. Dies gipfelt zwar nicht in (ganz so) überlangen Epen wie bei ihren finnischen Kollegen, geht aber atmosphärisch in eine ähnliche Richtung. „En Sista Litania“ ist ein Midtempo Song der grimmigsten Sorte, wie ihn auch Immortal nicht besser hinbekommen hätten. Jens Rydén passt zu diesem Sound wie die viel zitierte Faust ins Sehorgan und ein spärlich, aber ungemein passend eingesetzter Synthesizer rundet diesen Donnerschlag gekonnt ab.

„Från Stormens Öga“ führt diese Linie natürlich konsequent weiter, geht aber noch ein wenig langsamer und melodischer zu Werke. Ein dickes Lob an dieser Stelle an die Produktion, die einen eiskalten, aber dennoch lebendigen Klang aus den Boxen dröhnen lässt. Ich weiß nicht, wie Thyrfing es geschafft haben, einen ähnlich bedrückenden Klangteppich zu weben, wie sonst nur die neueren Moonsorrow oder natürlich die legendären Bathory, aber hier bekommt man dauerhaft Schauer über den Rücken gejagt. Denn bei all den Parallelen zu den genannten Bands klingt das Album „Hells Vite“ völlig eigenständig.

Die Humppa-Passagen gehören der Vergangenheit an, das wird im Verlauf von „Hels Vite“ immer deutlicher. Thyrfing haben sich umorientiert, und das obwohl sie diesen Stil schon vor ihren kommerziell erfolgreicheren Kollegen wie Ensiferum spielten. Heute schreibt die Band (von deren Urbesetzung immerhin noch drei von damals vier übrig sind) Songs wie „Isolation“, was ein Bastard aus Ulver zu „Nattens Madrigal - Aatte Hymne Til Ulven i Manden“- und auch „Bergtatt - Et Eeventyr i 5 Capitler“-Zeiten, Primordial und Bal Sagoth sein könnte.

Der Titeltrack ist ein wahrer Schlachtgesang geworden, eine schwarze Hymne, wie sie die betrunkenen Wikinger anderer Bands niemals schreiben könnten. „Hells Vite“ zeigt einen besonders entfesselt schreienden Rydén (Erinnerungen an Naglfar werden wach), sowie Chöre und cleanen Gesang. Vor dem geistigen Auge sieht und spürt man förmlich eine Armee grimmiger Krieger durch einen Wintersturm stapfen.

Der Rest der Platte führt diesen einmal eingeschlagenen Weg konsequent weiter, was zum Ende hin ein wenig zu Abnutzungserscheinungen führt, wenn man diesem speziellen Stil nicht so viel abgewinnen kann. Ein Song wie „The Slumber of Yesteryears“ hätte aber auch in keinster Weise auf dieses Album gepasst. So bleibt festzustellen, dass Thyrfing mit Macht aus ihrer Schublade ausgebrochen sind und sich neu erfunden haben. „Hells Vite“ ist ein dunkel funkelndes Juwel, das sich nur ausgewählten Hörern erschließt, diese aber hypnotisch in seinen Bann zieht.

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