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Thy Disease: Anshur ZA

Hörenswertes Album mit kleinen Schwächen
Wertung: 7/10
Genre: Death Metal, Industrial
Spielzeit: 45:36
Release: 30.04.2010
Label: Mystic Production

Polen ist inzwischen so was wie das nach Schweden und den USA drittstärkste Land, was Death Metal angeht, habe ich so das Gefühl. Auch Thy Disease stammen aus unserem östlichen Nachbarstaat und haben sich dem Todesblei verschrieben; gegründet haben sie sich 1999 im wunderschönen Krakau und können bereits auf vier Studioalben zurückblicken.

Mir sagte die Band bisher ehrlich gesagt gar nichts, aber die Erfahrung ist den Jungs schon nachdem die ersten Töne des Openers „Blame“ – einer richtig geil treibenden Hymne, die gleich zeigt, wo der Hammer hängt und gut einheizt – erklungen sind, deutlich anzuhören. Ein bisschen sind hier ihre Landsleute Behemoth herauszuhören, im späteren Verlauf der CD gibt es dann sogar auch vereinzelte Einsprengsel, die von der Rhythmik her latent an die Franzosen Gojira erinnern – dennoch wandelt die Combo definitiv auf eigenen Pfaden. Hierzu tragen insbesondere die zahlreichen Industrial-mäßigen Synthesizerklänge bei, die zum Teil fast in die Techno-Ecke gehen und daher einige Zeit erfordern, um sich daran zu gewöhnen und damit warm zu werden. Zumindest in Songs wie „Code Red“ oder „Fog Of War“ klingt das manchmal schon ziemlich schräg und geht noch weiter als bei den Kollegen aus Schweden wie Scar Symmetry, Soilwork oder In Flames, die zumindest meistens ja auch sehr Keyboard-freundlich agieren.

Dennoch bleibt man insgesamt durchaus auf einem brutalen Level; Blastbeats, Doublebass, gnadenloses Riffing und eine glasklare Produktion sorgen dafür, dass hier nichts verwässert wird und nach ein paar Durchläufen wird der geneigte Hörer feststellen, dass diese Sounds die Eigenständigkeit von Thy Disease ausmachen und sich letztlich meistens doch recht gut ins Gesamtbild einfügen. Ein paar Stellen gibt es zwar, wo man sich denkt, „Das ist jetzt vielleicht ein bisschen viel des Guten“, aber insgesamt tragen die Synthies wesentlich zur apokalyptischen Atmosphäre bei, die der Mucke innewohnt. Gerade diese futuristische Stimmung ist es auch, die dazu berechtigt, die Produktion als gelungen zu bezeichnen; der ein oder andere mag sie schon als steril ansehen, aber das ist ganz offenkundig auch so gewollt – diese Mucke ist bewusst kalt, was auch die Texte, welche sich mit der Doppelmoral der Gesellschaft und dem Niedergang der Menschheit befassen, und das beklemmende Coverartwork noch unterstreichen.

Als leichten Schwachpunkt sehe ich lediglich den Gesang an: Die clean gesungenen Passagen wirken arg skandinavisch und ein wenig austauschbar, zumal sie in einigen Songs auch penetrant oft wiederholt werden („Fog Of War“, „Nightmare Scenario“) und beim Growling könnte der Frontmann noch ein wenig mehr an Power und Abwechslungsreichtum zulegen, ansonsten ist er von der Aussprache trotz des deutlichen Akzents einigermaßen gut verständlich.

Insgesamt liegt hier ein hörenswertes, eigenständiges Album vor, in das jeder aufgeschlossene Freund brutaler Musik einmal reinhören sollte, und das sich in der zweiten Hälfte songschreiberisch klar steigert. Rätselhaft bleibt allerdings, was sich die Band mit den Covern von „Sinner In Me“ (Depeche Mode) und „Frozen“ (Madonna) gedacht hat. Das erste geht ja noch, auch wenn Lacuna Coil mit „Enjoy The Silence“ die Engländer schon besser verwursteten, aber letzteres ist wirklich kaum zum Aushalten. Da werden zwar elektrische Gitarren und Growling verwendet, um seinen eigenen Stempel aufzudrücken, im Refrain jedoch Frauengesang wie im Original benutzt. Das soll wohl originell sein, ging allerdings völlig in die Hose. Auf solchen Quatsch nächstes Mal bitte verzichten, ansonsten ist die Scheibe trotz der wenigen angesprochenen Kritikpunkte okay.

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