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Thulcandra: Under A Frozen Sun

Ganz okay, aber zu gleichförmig
Wertung: 5.5/10
Genre: Black Metal, Death Metal
Spielzeit: 45:22
Release: 28.09.2011
Label: Napalm Records

Wenn man bitteren Black Metal hören will, muss man sich nicht erst in die skandinavische Ödnis begeben, das wird von Jahr zu Jahr immer deutlicher. Thulcandra beispielsweise kommen aus Bayern – das mag zwar auch eine gewisse Form der Ödnis sein, hat aber zumeist wenig mit Eiseskälte, Suizidgedanken und ewig währenden Nächten zu tun. Lustigerweise mischt die Band ausgerechnet Death und Black Metal, zwei Genres, die mit ordentlich Doublebass und Blastbeats daherkommen – und dann befindet sich im festen Line-Up nicht mal ein Drummer, dafür aber zwei Gitarristen und ein Basser.

Wie sich das anhört, kann man auf der zweiten und aktuellen Scheibe „Under A Frozen Sun“ nachprüfen. Nun ist mir das Vorgängerwerk „Fallen Angel’s Dominion“ nicht bekannt, aber zumindest zelebrieren Thulcandra auf dem Zweitling einen recht fiesen, kalten und steril gemischten Sound. Allerdings gibt es auch ein entscheidendes Manko: Auch nach den ersten drei oder vier Durchläufen bleibt bis auf gelegentliche Gitarrenparts wenig hängen. Dabei ist eigentlich alles im Angebot, was man braucht um eine gute Black-Death-Scheibe zu machen: ein schnelles Schlagzeug (wo auch immer das plötzlich herkommt), ziemlich versierte Saitenzupfer und auch Sänger Steffen hat das fiese Gekeife gut drauf. Dennoch: Es fehlt etwas. Vielleicht war das dann doch zu viel Sterilität?

Beginnen wir mal ganz spießig am Anfang, denn der hat es bei Thulcandra schon in sich. „In Blood And Fire“ trumpft mit über acht Minuten Spielzeit, wovon gefühlte fünf auf das Intro entfallen, das in Wirklichkeit nur knapp eine Minute überschreitet. Man merkt schon: Das Ganze fängt langatmig an. Es kann nur besser werden. Allerdings fällt man direkt nach dem Intro, nachdem man sich vergewissert hat, dass Steffen die Töne trifft, in eine Art Trance und wacht erst in der letzten Minute wieder auf, als gerade das Gitarrenoutro erklingt - komisch.

Dafür kann das folgende „Black Flags Of Hate“ aber ein wenig mehr Salz in die Suppe bringen; rasende Drums werden begleitet von lässigen Gitarrenriffs und dem vokalistischen Ausgekotze des Fronters. Dämonisch keift sich der Sänger durch die Texte, wobei die Vocals nicht nur eine Spur leiser abgemischt wurden als der Rest, sondern auch einen Tick Hall mit auf den Weg bekommen haben, um die Grabesstimmung zu verdeutlichen.

„Aeon Of Darkness“ schlägt eine etwas todesmetallischere Richtung ein. Mit ordentlich Feuer unterm Arsch galoppiert der Track nach vorne, man kommt hier richtig schön ins Pendeln zwischen Melodie und kalter Härte – warum die Herren nicht schon zu Beginn der Platte solche Stücke fabriziert haben, weiß der Geier. Problematisch wird es dann wieder bei einem Track wie „Gates Of Eden“, der so gar nicht paradiesisch daherkommt, obwohl er erneut alle Zutaten besitzt, die einem den Sound schmackhaft machen sollten. Spätestens beim dritten Tempowechsel hat man aber irgendwie keine Lust mehr, sich beim Headbangen an immer neue Rhythmen zu gewöhnen, schon gar nicht bei einer Laufzeit von gut neuneinhalb Minuten.

An den Schluss haben Thulcandra noch eine Coverversion von „Life Demise“ der schwedischen Unanimated gehängt. Der Song hat eine richtig schön räudige Stimmung, die vor allem aus den mehrstimmigen Rufen resultiert und bildet auf jeden Fall einen echt gelungenen Schluss. Gelungen kann man das Zweitwerk der Münchner leider nur bedingt nennen, denn wirklich mitreißen können nur die wenigsten Tracks. Technisch spielen die Herren einwandfrei, daran gibt es nichts zu rütteln, an der musikalischen Ausrichtung könnte man allerdings noch ein wenig rütteln, was die Variabilität angeht.

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