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Threshold: Psychedelicatessen (Definitive Edition)

Die zwei CDs täuschen: Previously unreleased ist hier nichts!
Wertung: 8.5/10
Genre: Progressive Metal
Spielzeit: 118:26
Release: 07.09.2012
Label: Nuclear Blast

In hübsch chronologischer Reihenfolge veröffentlichen Nuclear Blast sämtliche Threshold-Studioalben der Prä-Blast-Ära (also alles vor „Dead Reckoning“) mit Bonusmaterial und wie schon bei der Neuauflage von „Wounded Land“ wurde auch bei der „Definitive Edition“ (hoffen wir mal, dass sie dann auch wirklich definitiv ist und nicht irgendwann noch nach und nach Manowar-like zwanzigtausend weitere Versionen folgen) des Nachfolgers „Psychedelicatessen“ (by the way: wohl einer der coolsten Albumtitel ever) ein wenig geschummelt. Schließlich erwartet man bei dem Terminus „Bonusmaterial“ eigentlich immer etwas ganz Besonderes, vorher Unveröffentlichtes, doch damit kann trotz der Tatsache, dass hier im Gegensatz zur 2012er Edition von „Wounded Land“ zwei CDs vorliegen, auch das vorliegende Werk nicht dienen.

Sämtliche Livetracks entstammen der „Livedelica“-EP von 1995 und waren außerdem auch auf der Special Edition von 2001 enthalten (was natürlich nichts an der Klasse der Livedarbietung ändert; sowohl die instrumentale als auch die gesangliche Performance Glynn Morgans lassen keine Wünsche offen, nur das Ein- und Ausblenden zwischen den Tracks stört die Konzertatmosphäre leider empfindlich) und ähnlich wie bei „Wounded Land“ sind auch die Bonus-Studiotracks keineswegs previously unreleased. Die hübsche Ballade „Lost“ sowie „Intervention“ waren ebenfalls bereits auf der Special Edition von 2001 enthalten, wobei letztgenannter Song in anderer Version auch schon auf dem Debüt zu finden war – dort jedoch um etwa anderthalb Minuten kürzer und mit Damian Wilson am Mikro; solch einen direkten Vergleich zu haben ist zweifellos immer ganz reizvoll. Die neuere Version drückt soundmäßig deutlich mehr und gesanglich zeigen beide Frontmänner gute Leistungen; es  wäre daher albern, sich festzulegen, wer besser oder schlechter ist.

Auch bei den weiteren Zusatzstücken „Fist Of Tongues“ und „Half Way Home“ (letzteres ist für mich das ruhigere, aber trotzdem bessere Lied) gibt es Parallelen zum Erstlingswerk, denn auch diese Kompositionen wurden zwar schon damals verfasst, allerdings erst um 2009 herum aufgenommen. Man machte sich sogar extra die Mühe, dafür Ex-Sänger Glynn Morgan ins Studio zu holen, schließlich hatte er auch die „Psychedelicatessen“-Scheibe eingesungen – seine einzige Vokalperformance für die Briten über ein komplettes Studioalbum. Beide Tracks waren so wie „Conceal The Face“ und „Shifting Sands“ auf „Wounded Land“ bereits auf der „Paradox“-Box zu finden.

Das Album selbst zeigt eine deutliche Weiterentwicklung der Band in Sachen Songwriting, Sound und Atmosphäre. Der Albumtitel ist sicherlich nicht ohne Grund gewählt worden, denn eine psychedelische Schlagseite lässt sich nicht leugnen, wie sich bereits beim großartigen Auftakt „Sunseeker“ zeigt. Alles in allem zünden die Hooks schneller, wirkt das Ganze durchdachter – der Weg war geebnet für eine Reihe von durchgängig fantastischen Veröffentlichungen, die im jüngst herausgebrachten, unfassbar genialen „March Of Progress“ gipfelten (ja, man kann nicht oft genug erwähnen, wie unglaublich geil dieses Album ist).

Bei aller Qualität handelt es sich für meine Begriffe bei dem Opener trotzdem bereits um den stärksten Song des Albums – das Mainriff reißt einfach wahnsinnig mit, doch wie sich das folgende „A Tension Of Souls“ aufbaut und immer mehr steigert, ist ebenfalls klasse gemacht. Nach einem sehr düsteren und getragenen Beginn wird das Tempo stetig angezogen, um sich in einem tollen Chorus zu entladen, der zum hemmungslosen Mitsingen animiert. Auch das genau zehn Minuten währende „Into The Light“ hat den beiden (wirklich guten) Longtracks vom Debüt die Nase vorn – allein das harmonische, nach zuvor dunkel gehaltener Stimmung plötzlich positiv tönende Finale ist einfach wunderschön und ebenfalls ein Fingerzeig auf die kommenden Alben, bei denen sich die Truppe grandiose Melodien locker am Fließband aus dem Ärmel zu schütteln scheint. „Will To Give“ hingegen besitzt eine geradezu dramatische Note, während mit „Under The Sun“ und „Innocent“ zwei äußerst hörbare Balladen vorliegen. Sehr stark auch „He Is I Am“. Das facettenreiche „Devoted“ (herrliche Harmoniegesänge gegen Ende) beschließt dann das reguläre Album.

Fazit: Für die „Definitive Edition“ von „Psychedelicatessen“ gilt im Prinzip dasselbe wie für die von „Wounded Land“ – und wohl so gut wie alle jemals erschienenen Neuauflagen: Wer das Album noch nicht hat, kann nichts falsch machen, sich diese Version zu kaufen, wer es jedoch bereits im CD-Regal stehen hat, überlegt sicherlich zweimal, ob er zuschlägt. Erst recht, wenn es sich bei der Ausgabe im Regal um die beinahe identische Special Edition von 2001 handelt.

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„Weil wir einfach wissen, dass wir als Band nur funktionieren, wenn wir uns nicht verbiegen“