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Threshold: For The Journey

Nicht ganz so überragend wie „March Of Progress“, aber ohne Frage sehr, sehr stark
Wertung: 9/10
Genre: Progressive Metal
Spielzeit: 49:30
Release: 19.09.2014
Label: Nuclear Blast

Ganze fünf Jahre lagen zwischen den letzten beiden Threshold-Alben „Dead Reckoning“ und „March Of Progress“ – eine ungewöhnlich lange Zeit für die Engländer, bei denen allerdings zwischendurch plötzlich ihr langjähriger Sänger (Andrew McDermott – R.I.P.) ausgestiegen war, sodass sie sich erst einmal neu orientieren mussten. Mittlerweile ist bekanntermaßen wieder Damian Wilson dabei, der bereits das Debütalbum „Wounded Land“ (1993) sowie die ’97er-Scheibe „Exinct Instinct“ einsang und dem nach seiner abermaligen Rückkehr die Ehre gebührte, 2012 mal eben das beste Album in der bisherigen Karriere Thresholds einsingen zu dürfen.

Anscheinend hat die Besetzung nun wieder an Konstanz gewonnen, das beweist die Tatsache, dass man diesmal wieder nur zwei Jahre bis zur nächsten Platte benötigt hat und Keyboarder Richard West davon sprach, man habe selten so viel Spaß beim Aufnehmen eines Albums gehabt. Dabei hatte die Band es nach den überaus euphorischen Kritiken für die Vorgängerscheibe an sich ja nicht leicht – wie sollte man das Niveau dieses grandiosen Zehn-Punkte-Meisterwerks erneut erreichen, geschweige denn noch steigern?

Andererseits müssen die Briten mit ihrer Erfahrung und ihrem handwerklichen und songschreiberischen Können eh niemandem mehr etwas beweisen, konnte man sich zumal bislang doch auch immer darauf verlassen, dass das Sextett stets Qualität ablieferte. Und auch was „For The Journey“ anbelangt, sei versichert, dass man sich als Fan erneut ganz beruhigt zurücklehnen kann, denn wiederum liefern Threshold mehr als nur solide Kost ab. Erstaunlich bleibt dabei, dass sie auch diesmal kaum etwas an ihrem Sound geändert haben und nicht zum ersten Mal das Phänomen zutage tritt, dass es nicht wenige Passagen gibt, bei denen man sich denkt, diese schon in ähnlicher Form gehört zu haben bzw. einige Licks und Melodien sogar praktisch 1:1 wie bei älterem Material klingen.

Progressiv im eigentlichen Sinne ist das natürlich nicht, allerdings haben die Jungs nicht zu Unrecht im Vorfeld dieses Albums und auch bereits im The-Pit.de-Interview im Rahmen des „March Of Progress“-Releases deutlich gemacht, dass sie sich gar nicht wirklich (mehr) als Prog-Band betrachten, da ihnen Melodien und Riffs mit Widerhaken wichtiger sind als technische Kabinettstückchen. Das leuchtet ein, denn auch anno 2014 wartet die Truppe mit einer Handvoll erstklassiger Songs auf, die einfach so überzeugend komponiert wurden und dargeboten werden, dass es schlichtweg egal ist, wenn man mal das Gefühl hat, hier wurde die eine oder andere Sequenz ein wenig von der eigenen Vergangenheit gesampelt. So etwas schaffen wirklich nur ganz wenige, denn in 99 Prozent der Fälle von Bands, wo man dies beobachten kann, wäre so eine scheinbare Selbstkopie ein klarer Kritikpunkt.

Nicht so bei Threshold, davon konnte man sich schon beim vorab veröffentlichten Opener „Watchtower On The Moon“ überzeugen, einem ganz typischen Track mit supereingängigem Refrain, treibendem, coolem Schlagzeug-Drive und filigranen, aber zu keinem Zeitpunkt penetranten Gitarren- und Keyboardsoli. Ein Song, der sicher nicht das Nonplusultra im Schaffen dieser Formation darstellt, aber dennoch in jedem Fall ihre Songwriter-Qualitäten untermauert. Sicherlich ein potentieller Set-Opener für Livekonzerte.

Prinzipiell jedoch hat auf „For The Journey“ wieder einmal jeder Song das Potential, sich zukünftig in der Setlist der Engländer festzusetzen, es ist und bleibt unglaublich, wie sich diese Band bei jedem Album einen Ohrwurm nach dem anderen aus dem Ärmel schüttelt. Dabei agiert man mal etwas düsterer wie beim schleppenden „Unforgiven“, das mit imposanten Breitwandgitarren daherkommt und sich somit bestens für Kopfhörersessions eignet, oder auch dem vom Titel her ja schon etwas dunklere Klänge implizierenden „The Mystery Show“, mal heftig groovend und rockiger („Autumn Red“) und mal sogar regelrecht poppig, wie bei „Lost In Your Memory“, dem Maximum an Eingängigkeit. Doch auch diese Halbballade funktioniert problemlos, allein wegen des grandiosen mehrstimmigen Gesangs, von dem Damian Wilson allerdings jede Menge auf der Scheibe zu bieten hat und der jeden Fan anspruchsvoller Vokalarrangements nur mit der Zunge schnalzen lassen kann.

Mit dem zwölfminütigen „The Box“ liegt außerdem der schon fast obligatorische Longtrack vor, der mit seinen zahlreichen Wendungen dafür verantwortlich ist, dass man Threshold – ob sie nun wollen oder nicht – immer noch unter Progressive Metal zumindest einordnen kann (wenn man denn Schubladendenken für nötig erachtet). Überflüssig zu erwähnen, dass allerdings auch hier der Chorus zu sofortigem Mitsingen auffordert. Das letzte, melancholisch geprägte Stück „Siren Sky“ wiederum besitzt von der Machart her eine gewisse Ähnlichkeit zu „Coda“ und „Divinity“ von „March Of Progress“ und könnte somit ebenfalls aus der Feder von Zweitgitarrist Pete Morten stammen. 

Langer Rede, kurzer Sinn: Threshold haben erneut ein Album herausgehauen, das keinen Fan der Truppe enttäuschen kann. Man bekommt letztlich mehr oder weniger das, was man erwartet und daher vergleichsweise wenig Innovation. Doch wen stört es, wenn der songschreiberische Level derart hoch ist? Die Lobeshymnen für alle letzten Platten der Band geben ihnen ja auch Recht, so weiterzumachen wie bisher. Insgesamt vielleicht nicht ganz so überragend wie „March Of Progress“, aber ohne Frage sehr, sehr stark (was übrigens genauso für die wie gehabt moderne, aber trotzdem sehr lebendige Produktion gilt).

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„Weil wir einfach wissen, dass wir als Band nur funktionieren, wenn wir uns nicht verbiegen“