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Thoughts Paint The Sky: Nicht Mal Mehr Wir Selbst

Ein Härtefall beim Thema "Geschmack"
Wertung: 3.5/10
Genre: Acoustic-Screamo
Spielzeit: 49:52
Release: 25.11.2011
Label: Midsummer Records

Es gibt ja Bands, die kann man allein beim Klang ihres Namens mit traumwandlerisches Sicherheit in ein bestimmtes Genre einordnen. Bei Thoughts Paint The Sky denkt man unwillkürlich an Core - Metalcore, vielleicht Emocore oder Screamo. Beim Albumtitel der dritten Scheibe "Nicht Mal Mehr Wir Selbst" denkt man eher an Singer/Songwriter à la Spieltrieb oder Götz Widmann. Wenn man jetzt beide Teile mischt, kommt etwas heraus, was in jedem Fall polarisiert: Die einen hassen die Scream-Acoustic-Mischung mit vorwiegend deutschen Texten, die anderen lieben sie. Unter den Fans stelle ich mir aber leider automatisch vegetarisch oder gar vegan lebende Germanistik-, Philosophie- oder (Gott bewahre!) BWL-Studenten vor, die einem an einem gemütlichen Kneipenabend stundenlange Vorträge über das Für und Wider von deutschsprachiger Gitarrenmusik halten.

Die Verfasserin dieser Zeilen hat sich einer solchen wort- und gestenreichen Diskussion des Öfteren stellen müssen: Selten kommt bei deutschen Texten etwas Gutes heraus; woran das liegt, weiß der Geier, aber die meisten Bands verwursten derartig platte oder beknackte Reimschemata in ihren Texten, dass man am liebsten die Aufsätze und Gedichtinterpretationen aus der siebten Klasse rauskramen will, um ihnen zu zeigen, dass es besser geht. Gar so schlimm ist es nun bei Thoughts Paint The Sky nicht, dennoch überkommt einem bei Zeilen wie "Und wieder mal am Morgentau betrunken" oder pseudo-intellektuellem Singsang à la "Alle wie keiner und keiner wie du selbst" schon mal ein ganz leichtes Gefühl des Fremdschämens.

Das alles wird noch mit einem recht schrägem Gesangsstil gewürzt, der den Hörgenuss nicht gerade vereinfacht: Sänger Daniel hat nämlich die äußerst befremdliche Eigenart, die Texte immer in recht abgehackter Art und Weise vorzutragen. Da ist es also kein Wunder, dass ausgerechnet das rein instrumentale, über sieben Minuten lange Finalstück "Gemälde" mit seinen düsteren Gitarren am meisten beeindruckt. Wenn man es erst einmal geschafft hat, sich ein bisschen in die Platte reinzuhören, weiß aber zumindest "Ein Gedicht" zu gefallen, was in erster Linie an der sehr vordergründigen Leadgitarre und dem beschwingten Rhythmus liegt. Hier wird dann, wenn auch nicht in weiten Teilen, endlich klar, dass der Begriff Screamo durchaus streckenweise seine Berechtigung hat, und die Kombination von Geschrei und klarem Gesang gibt auch direkt ein paar Pluspünktchen auf dem bisher eher mauen Bewertungskonto.

Wäre "Nicht Mal Mehr Wir Selbst" eine reine Instrumental-CD, hätte man hier sicherlich sieben oder gar acht oder mehr Punkte vergeben können, aber dieser abgehackte Gesang macht es einem wahrlich nicht einfach, sich für die Musik der vier Jungs zu begeistern. "Wunschkonzert" ist wieder ein Beleg dafür, dass die Gitarren wirklich einen guten Eindruck machen, der durch den Gesang - oder sagen wir lieber, die Gesangsart - deutlich gemindert wird.

Fazit: Thoughts Paint The Sky sind keine Band, die man pauschal als schlecht abtun könnte, vielmehr ist das Quartett eine arge Geschmackssache. Die Kombination von Akustik und Screamo ist natürlich eine interessante Sache, nur hier nicht optimal umgesetzt. Für die Schreiberin fällt die Platte jedenfalls so ziemlich durch.

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