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Thoughts Factory: Lost

Viel Genre überschreitende Eigenständigkeit mit prägnanten Vocals
Wertung: 8,5/10
Genre: Progressive Metal
Spielzeit: 65:30
Release: 15.02.2014
Label: Eigenproduktion / New Music Distribution

Die Parallelen zu Dream Theater sind nicht immer unüblich, wenn progressiv ausgerichtete Newcomer aus dem Power-Metal-Bereich sich an ihren ersten Gehversuchen erproben. Bei Thoughts Factory sind diese Vergleiche jedoch nicht nur aus einer Laune bzw. aus dem üblichen Einfluss heraus entstanden, sondern ein jahrelanger Prozess, der mit dem lange vorbereiteten Debüt nun zum Abschluss kommt. Die Band, die nicht nur von Comedian Bülent Ceylan maßgeblich gefördert, sondern auch in dessen Pausenprogramm immer mal wieder gespielt wird, hat bereits einen großen Sack Erfahrung aufgeladen, der sich in meist überlangen Kompositionen des Erstlings nun kreativ entlädt. Und Dream Theater? Ja, zu denen besteht sicherlich eine gewisse Nähe - allerdings wissen die Musiker von Thoughts Factory deren Sound bzw. die maßgebliche Inspiration ganz klar für die eigenen Zwecke zu nutzen. Und davon zehrt "Lost" vor allem in seinem enormen Facettenreichtum, der das emotionale Konzept vor allem auf melodischer Seite elegant zu tragen weiß.

Schon der virtuos inszenierte Opener "Awakening" kann mit seiner Fülle von instrumentalen, aber doch kompakt gebündelten Ideen überzeugen. Die New Yorker Musikstudenten sind direkt spürbar, ihre Idee von Melodieführung ebenfalls, doch schnell ist die eigene Note etabliert, die sich vor allem auf den dramaturgisch toll verwerteten Wendungen stützt. Tolle Breaks, die wunderbare und vor allem schlüssige Verknüpfung einzelner Fragmente und der storybetonte, aber absolut unkünstliche Spannungsaufbau sind Qualitäten, die nicht nur das 12-minütige "The Deep Forest" zum ersten Hauptgewinn der Thoughts Factory-Tombola avancieren lassen. Nicht ganz so ausladend, dafür aber mit gleicher Überzeugungskraft geht die Band in Stücken wie "The Mire" und "Desperation" vor, überzeugt in der knapp gehaltenen Piano-Ballade "Light" mit großen Emotionen und vollführt zunächst in "Voices From Heaven", später dann im gewaltigen "Death Of A Dream" dann die Progressive-Kür, ohne sich dabei von Schnörkeln und übertriebenen Achterbahnaktionen aus der Ruhe bringen zu lassen - toll, wirklich toll, was hier geschieht.

In puncto Eigenständigkeit festigt sich das Album auch immer weiter; dies ist zum einen darin begründet, dass Thoughts Factory immer mal wieder über die Grenzen des Hardrocks hinausschielen und gerne auch mal ihre 80er-Affinität betonen, fußt andererseits aber auch auf dem prägnanten Organ von Marcus Becker, der zwar hier und dort noch etwas mehr Power in seine Stimme legen könnte, in seiner Performance aber keine wirklichen Makel übrig lässt. Es ist schließlich rund, was auf "Lost" geschieht; eingebettet in ein dramatisches Konzept und einer äquivalenten Dramaturgie ist das Debüt dieser deutschen Newcomer eines der besonderen, vergleichbar vielleicht mit den letzten Scheiben von Subsignal, zu denen das Quintett hier fast problemlos aufschließt - und das will wohl einiges heißen.

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