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Thorngoth: Rauhnacht

Überraschend starkes zweites Album des bayerischen Black Metal-Quartetts
Wertung: 8/10
Genre: Black Metal
Spielzeit: 46:12
Release: 01.10.2008
Label: Folter Records

„Rauhnächte“ sind einige Nächte um den Jahreswechsel, die im europäischen Brauchtum eine besondere Rolle spielen; sie sollen beispielsweise eine besonders geeignete Zeit sein, um Geisteraustreibungen oder -beschwörungen oder auch wahrsagerische Praktiken vorzunehmen.

Nach diesem mythologischen Begriff also benannte das deutsche Black Metal-Quartett Thorngoth seine nach dem 2007 erschienenen Album „Thelema Of Destruction“ zweite Platte. Leider hatte ich bisher noch keine Gelegenheit, das Debüt der Band zu hören, jedoch ist mir bekannt, dass sich darauf neben den englischsprachigen Stücken auch eines in Latein und eines in Deutsch befindet. Dieses Konzept haben Thorngoth auf „Rauhnacht“ in ähnlicher Manier fortgeführt, wie sich anhand von Titeln wie „Schiachperchten“ (dieser Titel passt übrigens ebenfalls zur „Rauhnacht“-Thematik, dies ist nämlich die Bezeichnung für furchterregend aussehende Fratzen, die böse Geister vertreiben sollen), „Der Wanderer“, „Abgrund“ und „Still, Von Ewigkeit“ unschwer erkennen lässt, nur dass diesmal eben gleich die Hälfte der Songs auf Deutsch gesungen wurde.

Musikalisch gesehen liegt mit „Rauhnacht“ ein überraschend starkes Album vor. Überraschend deshalb, weil man bei der Masse an (schlechten) Black Metal-Bands kaum noch glauben kann, dass es noch neue Bands gibt, die positiv aus dem Einheitsbrei hervorstechen können.

Thorngoth jedoch überzeugen mit abwechslungsreichem Songwriting und einer Produktion, die recht klar und transparent herüberkommt, ohne in irgendeiner Weise glatt zu wirken. Die Gitarren klingen sehr flächig, wie es sich für dieses Genre gehört und die Drums drücken, lediglich der Bass eiert ein bisschen zu sehr im Hintergrund herum. Dieser kleine Makel kann den guten Gesamteindruck aber natürlich nicht trüben. Wo andere Combos nur mit dem Holzhammer draufhauen, legen die Bayern Wert auf Rhythmus- und Tempowechsel, streuen vereinzelt Akustiksequenzen ein, die sich wirklich prächtig machen, da sie zwar selten, aber eben genau an den richtigen Stellen eingesetzt wurden, und vor allem haben sie eine ganze Reihe versteckter Melodien am Start, die es wert sind, entdeckt zu werden.

Der Opener „Curse Them, Curse Them“ zeigt denn auch gleich bestens, wohin die Reise geht: Mit treibendem, flottem Riffing geht es los, in der Mitte dagegen schraubt man das Tempo merklich herunter, um gegen Ende wieder das schnelle Riffing vom Anfang aufzugreifen. Dabei bleibt man erstaunlich eingängig.

All dies gilt auch für das folgende Stück „Kill For Paradise“, das mit Sicherheit eines der Highlights der CD darstellen dürfte. Hier geht es gnadenlos zur Sache, das Riffing bleibt dabei aber trotzdem recht melodisch und eingängig und wie man vom cleanen Part wieder die Brücke zurück zum harten Teil schlägt, ist schlicht grandios. Ein toller Song, der meisterhaft aufgebaut wird.

Der anschließende Track „Schiachperchten“ ist dann der erste auf Deutsch und bietet eine ganze Reihe gelungener Tempo- und Rhythmuswechsel, wobei das Grundriff weitestgehend unverändert bleibt. Gerade wegen des monotonen Charakters, der dadurch entsteht, ebenfalls glänzend gemacht.

„Der Wanderer“ ist dann mit acht Minuten der längste Song des Albums und ein recht zäher Midtempo-Brocken, der sich streckenweise ein bisschen wie Amon Amarth mit Black Metal-Vocals anhört. Nicht gerade der stärkste Track auf dieser Scheibe, doch die Lead-Melodie überzeugt auf ganzer Linie.

Es folgt mit „Nihilistic Visions“ ein weiteres Beispiel für sehr sporadisches, aber eben enorm effektives Einsetzen von Akustikklängen. Nur ganz am Anfang und gegen Ende taucht die Akustikklampfe kurz auf, insgesamt dominieren trotz recht melodischen Riffings Blastbeats, doch gerade dieser krasse Unterschied macht die Würze in dieser Nummer aus. Klasse!

„Salvation In Silence“ schließlich ist ein eher unspektakuläres Stück und für meine Begriffe der schwächste Song des Albums. Nicht schlecht, weil man eine gewisse Eingängigkeit nicht leugnen kann, aber dennoch nichts wirklich Besonderes.

Bei „Abgrund“ ist der Titel Programm: Man scheint als Hörer förmlich in einen Strudel hinabgezerrt zu werden, die Monotonie hat etwas unzweifelhaft Hypnotisches, die Atmosphäre dieses Tracks ist einfach nur ultrafies und rabenschwarz.

Beschlossen wird „Rauhnacht“ mit dem etwa viereinhalbminütigen „Still, Von Ewigkeit“, das sehr eingängig ist und noch einmal die Stärken der Band bündelt. Überragend, wie hier Melodien und Riffs vereint wurden und Tempo- und Rhythmuswechsel vorgenommen wurden.

Ganz klar: Aus Thorngoth kann definitiv etwas werden. Ein bisschen was haben sie von Naglfar, gerade was die melodischen Elemente angeht (auch wenn deren Klasse natürlich noch nicht erreicht wird), ein bisschen was von Watain, doch insgesamt klingt das Quartett schon sehr eigenständig. Wenn man noch dazu so viel Abwechslung in den Laden bringt und solch starke Songs wie „Kill For Paradise“, „Nihilistic Visions“ oder „Still, Von Ewigkeit“ schreibt, kann man nicht viel falsch gemacht haben und somit sollten die Weichen für eine hoffnungsvolle Zukunft gestellt sein.     

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