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Thisquietarmy: Resurgence

Ein Strudel aus Tagträumen
Wertung: 8/10
Genre: Shoegaze, Post-Rock, Drone
Spielzeit: 107:09
Release: 25.11.2011
Label: Denovali Records

Thisquietarmy – sicherlich keine Armee im klassischen Sinne, denn hinter diesem Namen steht ein einzelner Mann, genau genommen der Kanadier Eric Quach. Gerade für experimenteller ausgerichtete Musik ist ein Alleingang oftmals eine gute Voraussetzung, denn so kann der Schaffende seine Gedankenwelten gänzlich unverfälscht und ohne Begrenzungen umsetzen. Mit „Resurgence“ erschien nun über Denovali das Ergebnis der vorrangig auf der Gitarre vollführten Experimente der Ein-Mann-Armee, die nicht nur den Song an sich, sondern auch die verwendeten Sounds betreffen.

Obwohl die Musik von Thisquietarmy die meiste Zeit eher ruhig und flächig dahintreibt, ist „Resurgence“ alles andere als ein Easy-Listening-Album und funktioniert am besten als aktiv mitverfolgtes Hörerlebnis, denn die rauschenden Soundsphären lassen dem Hörer mit ihrem stetigen An- und Abschwellen keine Ruhe. Eine Einordnung der Musik fällt wie in diesem Bereich ohnehin üblich schwer, wobei sich zumindest festmachen lässt, dass den Klängen ein Shoegaze-artiges Feeling zugrunde liegt und Elemente aus Post-Rock und Drone auszumachen sind, ohne dass sich dadurch jedoch das Hörerlebnis konkret beschreiben ließe.

Dieses ist zumeist sowieso eine schwer fassbare Erfahrung, da die meisten Stücke nahtlos in einander übergehen und den Hörer orientierungslos in den weiten Klangwelten des Kanadiers treiben lassen, so dass dieser schnell Raum und Zeit vergisst. Die hervorragend gewählten Songtitel gehen hierbei perfekt mit ihrem jeweiligen musikalischen Gegenstück einher und vermitteln die unterschiedlichsten Stimmungen, die doch irgendwie alle miteinander verwachsen sind – von dem langsamen, sphärischen Beginn „Rebirth“, der sanft in den Traum gleiten lässt, nimmt das Album Fahrt auf und lässt über „Revival“ und „Renaissance“ erstreckt einen regelmäßigen Schlagzeug-Beat vorantreiben, der von den sanften Lead-Gitarren-Melodien in ersterem Song fließend zu der überdeutlichen Synthie-Melodie von „Renaissance“ überleitet, wobei hier mit der Zeit die Aufmerksamkeit des Hörers etwas nachlässt, da die Drums ihren ursprünglich treibenden Charakter relativ schnell gegen einen im negativen Sinne repetitiven Eindruck eintauschen.

Viele der Stücke auf „Resurgence“ funktionieren ohne Schlagzeug-Begleitung ohnehin deutlich besser: „Whispers In The Trees“ gelingt es so, in über acht Minuten mit verschwommenen Arrangements aus flirrenden Gitarren den Hörer wie von Irrlichtern geleitet durch den Wald zu führen, in dem die Realität schnell in Vergessenheit gerät. Weitere Orientierungspunkte in den schwebenden Klangwelten bietet beispielsweise das erwachende Crescendo in „Summer Isolation“, das nach anfänglicher Ruhe in Form von Drums und verzerrten Gitarren eine geisterhafte und doch massive Soundwand auftürmt, während im abschließenden, mehr als zwölf-minütigen „Gone To The Unseen“ in reichlich Reverb gehüllter weiblicher Gesang das Shoegaze-Feeling des Tracks gekonnt unterstützt.

Neben der edlen Aufmachung des großen Digipaks bietet „Resurgence“ zudem mit einer Bonus-CD noch weiteren Mehrwert – und überraschenderweise steht diese dem eigentlichen Album in Qualität gar nicht allzu viel nach. Obwohl der rote Faden hier nicht so klar gezogen ist, bleibt die grundsätzliche Ausrichtung doch dieselbe und stellt weitere Soundexperimente des Kanadiers vor, unter denen sich viele weitere Perlen befinden. Das schwermütige „Waltz Of The Mourners“ stellt hierfür ein ebenso gutes Beispiel dar wie die einsame „Ballad Of A Shepherdess“, während sich mit der Radio-Version von „Gone To The Unseen“ und „Cold Vacancy“ zwei Gegensätze auf der CD befinden, die größer kaum sein könnten: Ersterer Song erscheint zumindest im Vergleich zu sonstigem Thisquietarmy-Material geradezu poppig-eingängig, da hier vor allem die Parts mit Vocals betont werden, wohingegen „Cold Vacancy“ sich als ein knapp zwanzig-minütiges Meer aus Klängen entpuppt, in denen man sich bereits nach wenigen Minuten verliert.

Wer also bereit ist, sich gänzlich auf dieses Album einzulassen und den Rest der Welt für eine gewisse Zeit auszublenden, findet mit „Resurgence“ einen ganz eigenen Mikrokosmos, der auf eine beschwerliche und doch schwerelose Reise einlädt, die es sich für jeden Freund experimenteller Gitarrenklänge zu unternehmen lohnt. Auch wenn sich auf den zwei CDs einige zeitweise Einbrüche befinden, funktioniert das Album als Ganzes hervorragend und beschert dem Hörer einen schemenhaften Strudel aus Tagträumen.

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