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This April Scenery: Liminality

Eine deutlich gereifte Band legt hier einen Seelen-Strip hin
Wertung: 9,5/10
Genre: Indie Rock, Post-Punk, Experimental
Spielzeit: 36:20
Release: 15.04.2016
Label: Midsummer Records

Vor nicht ganz vier Jahren landete das Debütalbum “Absence Makes The Heart Grow Fonder” von This April Scenery erst auf dem Schreibtisch und dann erstmal in einer Ecke, bis es mit einem ausreichend schlechten Gewissen wieder hervorgekramt und die Mischung aus Indie Rock und Pop Punk mit sieben Punkten für okay befunden wurde. Der poppige Anteil überwog doch etwas zu sehr, ziemlich amerikanisch hatte man sich ausgerichtet, Geschmackssache also. Als das Zweitwerk „Liminality“ via Midsummer Records angekündigt wurde, überwog aber die Neugier letztlich über der Skepsis – auch, wenn man an eine Verwechslung glaubte, als im Netz die neue Platte als Mischung aus The Mars Volta und The Cure angepriesen wurde.

Tatsächlich erscheinen die zehn Songs auf „Liminality“, was übrigens eine Übergangsphase bezeichnet, wesentlich düsterer, verfrickelter, einfach reifer, obwohl dieses Prädikat ja inflationär häufig auf neue Platten gepappt wird, um zu unterstreichen, dass eine Band jetzt „Ernst“ macht. Im letzten Review sah man optimistisch in die Zukunft und hoffte beim Nachfolger auf mehr solcher Ausraster wie bei „Homunculus“ – und siehe da, die Gebete wurden erhört, wenn man sich nur mal Tracks wie „Windy Chill“ oder „Euclid Avenue“ anhört, wobei vor allem Ersterer das Albumfinale mit fulminantem Gitarrengeschredder zelebriert – kein Vergleich zu den noch größtenteils jugendlich-frischen Tracks auf dem Erstlingswerk.  Die Herren von This April Scenery scheinen tatsächlich erwachsener geworden zu sein.

Davon ist im Intro zu „Mallory Bloom“ noch gar nicht so viel zu spüren, blumiger Post Punk wird hier geboten, zumindest bis der leicht auf Hall gelegte Gesang von Fronter Nico einsetzt und man sich in einem trunkenen Rausch wieder findet, in dem man einfach nur tanzen möchte. „Levitation“ gliedert sich dann in zwei Teile, wobei „Pt. 1“ mit recht dissonant wirkenden, leicht psychedelischen Gitarren aufwartet und tatsächlich – Robert Smith lässt grüßen, da hat Nico scheinbar sogar den britischen Akzent geübt. Klar ist der Track für The Cure-Verhältnisse zu überladen, aber die Ähnlichkeit ist keineswegs von der Hand zu weisen. „Leviation Pt. 2“ wird dann nahtlos in ein schwebendes Instrumentalstück verwandelt, der erste große richtige Ausraster findet sich beim vorab bereits veröffentlichten „Myriad Of Future Plans“, das mit ganz harmlosem Instrumental-Intro sphärisch durch die Boxen wabert, sich dann mit einsetzendem Schlagzeug und Gitarre Bahn ins Hirn bricht und spätestens im Refrain mit Nicos (ich muss es noch mal betonen) wesentlich reiferer klingender Stimme so richtig auf’s Gas tritt.

Beinah hätte „Liminality“ ein ähnliches Schicksal ereilt wie sein Vorgänger und es wäre unter Papier- und CD-Stapeln begraben worden, aber manchmal hat man doch so einen Instinkt, der einen ins Licht führt, und sei es nur musikalisches. This April Scenery haben sich mit ihrem zweiten Album quasi selbst übertroffen, verbinden fast schon traurige Romantik mit herausbrechendem Zorn und verschmelzen das Ganze zu einem richtig genialen Album, das nichts mehr mit jugendlicher Leichtigkeit gemein hat. 

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