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Thin Lizzy: Still Dangerous

Drei neue Tracks im Vergleich zu "Live And Dangerous"
keine Wertung
Genre: Classic Rock
Spielzeit: 47:15
Release: 06.03.2009
Label: Thin Lizzy Productions / Proper Music

Jedem Classic-Rock- und insbesondere Thin-Lizzy-Anhänger dürfte wohl die Doppel-LP „Live And Dangerous“ bekannt sein, die 1978 erschien und als absoluter Klassiker unter allen Livealben gilt. Die Gerüchte allerdings, dass es sich hierbei gar nicht um ein echtes Livealbum handelt, da angeblich Gesang, Bass und Gitarren im Nachhinein komplett neu eingespielt worden seien, werden wohl nie verstummen.

Tony Visconti, der Produzent von „Live And Dangerous“ jedenfalls hat kürzlich ein Statement abgegeben, in welchem er behauptete, dass tatsächlich fast alles nachträglich noch mal im Studio aufgenommen wurde, während Lizzy-Gitarrist Scott Gorham beteuert, lediglich einige wenige Rhythmusgitarrenparts überarbeitet zu haben und nicht verstehen kann, was die Aussage des damaligen Produzenten soll.

Doch was auch immer der Wahrheit entspricht – von der damaligen Tour hat die Band auf alle Fälle nun noch eine ganze Menge weiteres Material entdeckt, unter anderem auch die Stücke des vorliegenden Werkes „Still Dangerous – Live At The Tower Theatre Philadelphia 1977“. Mit Glyn Johns hat man zudem jemanden mit der Nachbearbeitung beauftragt, der immerhin bereits mit Legenden wie den Beatles, Led Zeppelin, den Stones oder Eric Clapton zusammenarbeitete. Das Resultat klingt sehr authentisch, erdig und einfach live – zumindest hier dürfte nun wirklich nichts nachträglich eingespielt worden sein.

Thin Lizzy befanden sich damals auf ihrer ersten großen Headliner-Tour durch die USA und waren in der legendären Besetzung Lynott/Gorham/Robertson/Downey drauf und dran, eine der ganz großen Rockbands zu werden. Musikalisch gesehen bewegte man sich ganz sicher nicht auf dem Niveau von Led Zeppelin oder Deep Purple, aber allein der unverwechselbare Doppel-Lead-Gitarrensound, den man 1974 einführte (damals noch eine relativ neue Spielweise, in welcher die Briten Wishbone Ash als Pioniere gelten, diese klangen aber dennoch anders), nachdem man zuvor mit nur einem Gitarristen agiert hatte, sollte ein ganz wichtiger Einfluss für viele spätere Bands sein, zum Beispiel für Iron Maiden. Außerdem verstand es die irisch-schottisch-amerikanische Formation einfach bestens, gute Songs zum Abrocken zu schreiben, die so schnell nicht aus dem Ohr gehen: Allein den Megahit „The Boys Are Back In Town“, der damals recht aktuell war und einen nicht unerheblichen Anteil am Aufstieg der Band hatte, dürften wohl auch die kennen, die sonst nicht so sehr mit dem Schaffen Thin Lizzys vertraut sind.

Doch auch sonst handelt es sich bei den zehn Stücken auf „Still Dangerous“ um eine reine Hit-Auswahl, wie „Jailbreak“, „Cowboy Song“ oder die drei bislang noch nicht auf Live-Platte erhältlichen Tracks „Soldier Of Fortune“, „Opium Trail“ und „Me And The Boys“ (besonders bei letzterem dürfen sich die beiden Gitarristen Scott Gorham und Brian Robertson nach allen Regeln der Kunst austoben) beweisen.

Genial auch, wie von „Dancing In The Moonlight“ – das damals gerade als Single auf dem Markt erschienen war und bei dem das Saxophon gelungen eingebaut wird und so zusätzliche Farbtupfer in das Ganze hineinbringt (O-Ton Phil Lynott über den Song: „It features a bit the sax and sex“) – ohne Pause in den folgenden Track „Massacre“, bei dem Phil wie auch bei „Cowboy Song“ seine Amerika-Eindrücke verarbeitete, übergeleitet wird.

Mit Ansagen wie „this song is for all the ladies“ (bei „Don’t Believe A Word“) offenbart der singende Bassist Humor und bei „Baby Drives Me Crazy“ animiert er das Publikum zum begeisterten Mitgrölen und zeigt, welch charismatischer Frontmann er war (der beste Sänger mag er nicht gewesen sein, doch das galt auch für Jimi Hendrix und trotzdem haben beide irgendwie ein gewisses Etwas in ihrer Stimme).

Manch einer fragt sich vielleicht, ob es wirklich nötig war, dieses Livealbum auf den Markt zu schmeißen, da sämtliche Songs bis auf die drei oben erwähnten Tracks auch auf „Live And Dangerous“ zu finden sind, aber vielleicht wollen Scott Gorham und Co. auch endlich den Querulanten, die ewig mosern, „Live And Dangerous“ sei gar nicht live gewesen, das Maul stopfen, indem sie eine CD von der gleichen Tour veröffentlichen.

Die Thin-Lizzy-Fans, die es als Sakrileg ansehen, dass die Band auch ohne Phil Lynott immer noch auftritt, werden an dieser Veröffentlichung ohnehin ihre Freude haben, alle anderen werden aus den genannten Gründen sicherlich überlegen, ob sie sich die Scheibe wirklich zulegen sollen, doch es sei noch einmal gesagt: Hier klingt definitiv alles authentisch und zu hundert Prozent live. Wirklich etwas falsch machen kann man also eigentlich nicht.

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