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Thence: These Stones Cry From The Earth

Ein beeindruckender Anfang
Wertung: 9/10
Genre: Progressive Metal, Progressive Rock
Spielzeit: 57:09
Release: 16.03.2011
Label: Black Bay Productions

Wie entstehen eigentlich Songs, die alleine die Länge eines ganzen Albums einnehmen? Da gibt es Fälle, in denen sich der Künstler bewusst dazu entscheidet, die Musik in diese Richtung zu lenken, um so sein Magnum Opus zu erschaffen oder schlichtweg ein bestimmtes Konzept umzusetzen. Auf der anderen Seite stehen jedoch jene Musiker, welche ohne große Hintergedanken einfach anfangen zu schreiben – und schon macht sich die Musik selbstständig, entwickelt sich, wächst und nimmt unbewusst Maße an, mit denen der Schaffende vielleicht gar nicht gerechnet hat. Zu dieser Kategorie zählen laut eigener Aussage die schon 2003 gegründeten finnischen Newcomer Thence, die kein Risiko scheuen und dem Hörer mit ihrem Debüt gleich einen knapp einstündigen Song namens „These Stones Cry From The Earth“ vorsetzen.

Doch mit welcher Art von Musik füllt man diese fast 60 Minuten? Letztes Jahr nutzten beispielsweise Rorcal eine noch größere Überlänge in der Spielzeit, um mit ihrem Drone Doom schwärzeste Finsternis heraufzubeschwören – davon sind Thence jedoch weit entfernt, denn obwohl in deren Musik die unterschiedlichsten Stimmungen verarbeitet werden, geht von dem Album eine helle, hoffnungsvolle, aber auch melancholische Aura aus. Als eine Mischung aus Katatonia, Anathema, Pink Floyd und Porcupine Tree wurde das Duo bereits bezeichnet, doch obwohl zweifellos gewisse Ähnlichkeiten zu jeder der genannten Bands bestehen, ist der Sound der Finnen doch gänzlich eigenständig und besitzt lediglich stilistische Überschneidungen mit den Vergleichen. Um die Welt von Thence kurz zu umreißen, könnte man das Ganze wohl als Progressive Metal/Rock bezeichnen, der seine Einflüsse nicht nur aus klassischen Vertretern dieses Genres bezieht, sondern auch Elemente aus Ambient, Klassik, elektronischer Musik und sogar Jazz einbindet.

Tatsächlich hat man dabei stets das Gefühl, dass die einzelnen Teile ganz ungezwungen auseinander hervorgehen; bis auf zwei kleinere Ausnahmen scheint die Musik in einem mal sanftem, mal reißendem Strom dahinzufließen und lässt den Hörer Zeit und Raum vergessen. Zaghaft beginnt der Song mit umschmeichelnden Streichern, die nach einer Weile Begleitung in Form eines vorsichtigen Schlagzeug-Rhythmus und cleanen Gitarren erhalten, die eine verträumte Melodie zu weben beginnen. Fließend geht die Einleitung in einen schnelleren Part mit verzerrten Gitarren und glasklarem Gesang über und erhält eine fast schon bombastische Note, die sich in der sehnsüchtigen Melodieführung noch weiter entfalten kann. Ebenso viel Platz eingeräumt bekommen die akustischen Gegenstücke hierzu, die immer wieder ausgedehnte Passagen in der Spielzeit einnehmen – dabei stehen sie ihren forscheren Pendants in nichts nach und verzaubern mit verträumten Gitarrenharmonien, nostalgischer Klavierbegleitung und dem zerbrechlichen, emotionalem Gesang.

Kann man bei genannten Momenten noch gut von konventionellen Elementen im Songwriting sprechen, geben Thence sich phasenweise auch gerne mal experimentierfreudig. So werden weite Parts des Mittelteils von ausgedehnten Instrumental-Soli bestimmt, unter denen sich nicht nur die Gitarre als üblicher Vertreter präsentiert, sondern auch die Hammond-Orgel und sogar das Saxophon sich mit dem Saiteninstrument abwechseln – gemeinsam haben diese Auftritte trotz ihren stilistischen Unterschiedlichkeit eine unbestreitbare Qualität, denn jedes der Instrumente soliert spektakulär und abwechslungsreich. Ebenfalls ungewöhnlich und vor allem überraschend ist der plötzlich Wechsel zu Blastbeat und schwarzmetallischem Riffing im letzten Viertel des Albums, der zwar zu überzeugen weiß, aber ähnlich wie der finale Übergang in ein langes Post-Rock-Outro ein wenig zu abrupt daherkommt und somit nicht ganz so kunstvoll wie sonst über die Bühne gebracht wird.

Letztendlich sind dies aber kleine Mängel, über die sich im Kontext eines ansonsten solch positiven Höreindruckes leicht hinwegsehen lässt. Thence haben mit der Überlänge die richtige Entscheidung getroffen und einen Erstling aufgenommen, der den Hörer berührt und mit offenem Mund zurücklässt – obwohl selten eine Stunde so schnell vergangen ist, hallen die großen Melodien noch lange nach und erwecken das Gefühl, etwas ganz Besonderes gehört zu haben. Wer etwas mit melodiösem, experimentell angehauchtem Progressive Metal anfangen kann, sollte sich „These Stones Cry From The Earth“ unter keinen Umständen entgehen lassen; zurück bleibt nur die Frage, wie die Finnen ihr Debüt nun noch toppen wollen, nachdem sie schon ein solch überragendes Werk erschaffen haben.

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