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Thee Orakle: Smooth Comfort's False

Zu dünne Growls, dafür überzeugt aber Sängerin Micaela nach anfänglicher Skepsis
Wertung: 6.5/10
Genre: Doom Metal, Progressive Metal, Melodic Death Metal
Spielzeit: 41:48
Release: 16.04.2012
Label: Ethereal Soundworks

Thee Orakle ist ein Bandname, der einem schon wegen der leicht kruden Schreibweise im Gedächtnis bleibt. Gerade mal ein Full-Length-Album haben die Portugiesen bisher - neben einem Demo und einer EP - rausgebracht und auch das ist schon gute drei Jahre alt. Allein damit hat sich das Septett allerdings einen so guten Ruf in der Metalszene erspielt, dass die neue Veröffentlichung "Smooth Comfort's False" unter Fans wie Kritikern schon mit Spannung erwartet wurde. Dabei beschränken sich die Sieben sehr geschickt nicht nur auf einen Stil, sondern decken mit Doom, Progressive, Death und Melodic Metal gleich eine ganze Armada an Subgenres ab, nicht zuletzt durch die Kombination von zwei männlichen Sängern, von denen sich natürlich einer den härteren Vocals verschrieben hat, und einer zusätzlichen Sängerin. Dass sich da viel mehr Musikfans angesprochen fühlen dürften als beispielsweise bei schnödem Doom Metal allein, ist klar - also nicht nur musikalisch interessant, sondern auch ökonomisch ein taktisch kluger Schachzug.

Schaut man sich mal die Instrumentierung näher an, kommt man manchmal um ein Grinsen nicht herum: Neben den üblichen Verdächtigen wie Gitarre, Bass, Drums und Keyboards kommen auch Trompete und Saxophon zum Einsatz. Außerdem hat sich Orphaned Land-Allrounder Yossi Sassi Sa'aron mit auf die Scheibe geschmuggelt und veredelt den Track "Evil Dreams" mit seinem Bouzouki-Spiel, einem Lauteninstrument, das hauptsächlich in der griechischen Volksmusik vorkommt. Durch die Freundschaft der beiden Bands hat sich der Sänger/Gitarrist/Pianist etc. fast schon zu einem festen Mitglied bei Thee Orakle gemausert, war er doch schon auf dem Debüt "Metaphortime" mit von der Partie.

Ehrlich gesagt ist man beim ersten Track "Faraway Embrace" durchaus abgeschreckt. 08/15-Growls (wobei hier mit Adolfo Luxúria Canibal noch ein Gastsänger am Werk ist, man weiß also nicht genau, wo wem die Growls stammen) in Kombination mit nicht gerade tonreinem weiblichen Gesang - klingt ein bisschen wie eine abgespeckte Version von Epica, obwohl Sängerin Micaela nicht mal eine schlechte Stimme hat, im Gegenteil; nur passt sie hier so irgendwie überhaupt nicht ins allgemeine Geschehen. Über den Sound an sich kann man gar nicht meckern, da sind alle Höhen und Tiefen am richtigen Platz - sehr erfreulich.

"Mysterious Hours" bietet Micaela dann endlich die passenden Entfaltungsmöglichkeiten, denn ihre Stimme wirkt auf wundersame Weise um einiges opulenter, wenn sie von krachenden Gitarren flankiert wird. Die Herren Pinheiro und Mendes entlocken ihren Saiteninstrumenten hier wirklich bombastische Riffs - damit wäre das erste Highlight auf "Smooth Comfort's False" zweifelsfrei gefunden.

Das eingangs erwähnte "Evil Dreams" bekommt mit der einleitenden Bouzouki einen fast orientalischen Touch und mit Samples unterlegt wird das Ganze schnell zu einem märchenhaften Soundtrack. Der Übergang zu den mit leichtem Hall unterlegten Growls gestaltet sich dann leider etwas plump, da möchte man lieber noch mal zurückskippen und sich das Spiel des Orphaned-Land-Mitgliedes noch mal anhören. Insgesamt hat der Track fast einen Unterton von Symphonic Black Metal, was vor allem an den Hintergrund-Keyboards im Refrain liegt. Interessant gestaltet sich das Stück aber gerade durch den Einsatz des ungewöhnlichen Instrumentes auf jeden Fall, auch wenn diese experimentelle Schiene noch nicht ganz ausgereift scheint.

"The Bridge Of The River Flowing" hat zwar einen melodiösen Titel, kann aber sonst wenig Neues bieten, dafür vermag das folgende "Hopefulness" aber schon mit einem schönen Intro zu überzeugen, dessen knackige Gitarren im Kontrast zu den sanften Keyboards stehen. Dominiert wird die Strophe von Micaelas doch recht wandelbarer Stimme, bevor leicht verzerrter männlicher Sprechgesang einsetzt, der sich in Growls entlädt. Das Ganze kommt nicht ganz so kraftvoll rüber, wie man es sich gewünscht hätte, aber hier kann zumindest die Dame am Mikrophon mal wieder glänzen, und das sogar ohne Opern-Gesänge, sondern mit einer größtenteils puren und unproduzierten Stimme. Solche Momente hätte man sich direkt mal öfter gewünscht.

Fazit: Thee Orakle sind ohne Frage eine interessante Band, von denen man mit Sicherheit noch hören wird. Größtes Manko sind die Growls - trotz der durchweg guten Produktion wirken sie nur stellenweise überzeugend, die meiste Zeit klingt Pedro Silva schlichtweg zu dünn und unmotiviert. Wirklichen Wiedererkennungswert bringt seine Stimme nicht und auch einige der experimentelleren Teile des Albums sind noch längst nicht ausgereift, da beispielsweise die Übergänge zwischen ruhigeren und schnelleren Parts noch nicht fließend sind - ansonsten ist "Smooth Comfort's False" aber schon ein recht ausgereiftes Album für eine eigentlich noch relativ junge Band.

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