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The Wörst: Diary In The Sea

fishing for compliments
Wertung: 8.5/10
Genre: Heavy Metal
Spielzeit: 35:02
Release: 20.10.2008
Label: Eigenproduktion

Die Band, welche in einer Gartenlaube das erste Mal zu atmen begann, meldet sich mit ihrer dritten Demoscheibe zurück. Wirklich viel geändert hat sich nicht, man frönt weiter dem Heavy Rock / Metal und spielt laut eigenen Aussagen mehr zur Selbstbefriedigung. Nun ja, lassen wir mal solche Statements bis zum Fazit im Hintergrund stehen und schauen erstmal nur durch den Vorgänger „In The Light Of The Sun“ vorbelastet auf „Diary In The Sea“.

„Heart In Your Hand“ steigt nach kurzem Gitarren-Stereocheck schön kräftig ein. Der Kopf beginnt unwillkürlich zu nicken und man fühlt sich gerade als älterer Metaller direkt heimisch. Sänger Axel Schunder sticht mit einer richtig guten Bridge heraus. Cool ist dieser Gesangsverlauf. Frank Mende darf seinen Bass auch nur in Verbindung mit Rolf Ittners Schlagzeug bearbeiten, weil man sich nicht scheut, auch mal ruhigere Töne in den Song einfließen zu lassen.

Das erste Highlight setzt dann „Code Of Conduct“. Der tolle atmosphärische Einstieg sorgt für viel Spannung. Auch wenn man dann wieder etwas gewöhnlicher zu Werke geht, so besticht dieses Groovemonster doch durch einen richtig coolen langsamen Mitgrölrefrain. Okay, große Gitarrengeschwindigkeitsattacken im Solo vermisst man vielleicht, weil diese einen zusätzlichen Farbtupfer setzen würden, aber auch so geht man im gemäßigten Tempo richtig schön zur Sache.

Etwas Iron Maiden-lastig wird es dann mit „The Colonies“. Das Ganze aber nicht derart uninspiriert, dass man von einem Klon reden könnte, nein, The Wörst verstehen es, die Einflüsse recht deutlich durchschimmern zu lassen, ohne ihren eigenen rockigen Stil dabei zu vergessen. Der Song macht Spaß und kann überzeugen, zumal die Gitarrenarbeit von Michael Mende und Marcus Bercio wirklich nicht schlecht ist.

„Fate“ beginnt recht undurchsichtig mit viel düsterer Atmosphäre. Der herrlich gequält intonierte Gesang im Refrain ist aber derart stark, dass er sich schon im ersten Durchlauf in die Gehirnrinde einbrennt und so das Gedächtnis recht kräftig stimuliert. Gerade an diesem Stück kann man mal wieder sehen, wie breit die Band aufgefächert ist. Man rockt nicht nur drauflos, sondern donnert auch mal mit angezogener Handbremse und sehr viel düsterem Flair daher. Der nüchterne Sound des Albums unterstützt den bodenständigen Eindruck gerade bei diesem Song sehr gut.

„Diary In The Sea“ kann da leider nicht mithalten, zwar spielt hier Abwechslung auch wieder eine wichtige Rolle, aber irgendwie will der Funke nicht überspringen. Er wirkt ein wenig erzwungen, auch wenn einige Passagen richtig gefällig daher rocken. Etwas zu sehr nach Hausmannskost hört sich das Stück unweigerlich an.

Mit deutlich mehr Headbangstimulation arbeitet dann „I Will Follow“, das auch einen richtig guten Refrain besitzt und für gute Laune sorgt. Trotzdem vermag es der Song leider nicht, wirklich Akzente zu setzen, denn irgendwo fehlt ein wenig das Besondere, aber dafür gibt es ja noch den nächsten Track des Demos. 

Der sich selbst gewidmete Song „The Wörst“ kommt im besten Motörhead-Gewand daher. Ein wahrer Brecher, der richtig Laune macht. Gerade weil er ziemlich ungehobelt, mit viel Undergroundflair und den recht deutschen Vocals unheimlich auf die Kacke haut - das Highlight der Scheibe, nicht nur wegen der garantierten Nackenschmerzen. So schön unverbraucht haben selbst die englischen Großmeister schon lange nicht mehr geklungen.

Dass man aber nach dem Song schon einen „One Day Off“ braucht, kann ich nicht nachvollziehen, denn man will einfach mehr von The Wörst. Aber eigentlich war ja klar, dass dieser Song wiederum in eine komplett andere Richtung zu verlaufen hat. Mit ruhigen Passagen und dann wieder typischen NWOBHM-Teilstücken gesegnet, sorgt er für viel Freude. Den mal zwischendrin aufflammenden Iron Maiden-artigen Bassverlauf hätte man hier allerdings nicht wirklich von Nöten gehabt, auch wenn er nur bedingt stört.

Fazit: Eine interessante Mischung bekannter Bands, welche mit deutlich eigenem Stil gekreuzt wurde, sorgen für immer heimische Gefühle. Abwechslungsreich ist das Dargebotene auf jeden Fall, zumal jeder Song ein anderes Flair versprüht. So wird es auch nach vielen Durchgängen nie langweilig. Man sagt zwar, dass man die Musik nicht für irgendwelche Leute spielt. Nein, das ist mehr fishing for compliments, die Band hat genug Potenzial, um wirklich vielen Fans gerecht zu werden. Da muss man sich nicht verbiegen oder mit glatt polierten Sounds irgendwelchen Trends hinterher jagen.

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