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The White Buffalo: On The Widow's Walk

Diese Band kann nicht enttäuschen
Wertung: 9/10
Genre: Country, Dark Americana, Singer/Songwriter
Spielzeit: 42:35
Release: 17.04.2020
Label: Snakefarm Records/Universal Music Group

The White Buffalo ist ein Phänomen. Gibt der Musiker Jacob Smith sich auf seinen Scheiben, von denen die hier vorliegende „On The Widow‘s Walk“ immerhin Studioalbum Nummer sieben markiert, doch auf weite Strecken eher gemütlich, teils melancholisch, beinah träge, flippt der Mann live völlig aus und kleidet seine Songs teilweise in ein fast Metal-lastiges Gewand. Flottere Stücke stehen ihm aber tatsächlich genauso gut wie gemäßigtere Töne – mal hören, was auf der neuen Scheibe auf uns wartet.

Ein bisschen negativ fällt im ersten Durchgang dann schon auf, dass die Zahl der flotteren Stücke sehr übersichtlich geraten ist, dafür findet man im Verlauf aber gottlob doch noch seine Perlen – wäre auch das erste Album in der Geschichte der Band gewesen, bei dem man enttäuscht hätte sein müssen. Die verhältnismäßig wenigen Stampfer haben es dann nämlich in sich: „Faster Than Fire“, bereits vorab veröffentlicht, hat so ziemlich alles, was man von The White Buffalo erwarten kann und hören will; hier kommt schön die heisere Stimme des Sängers zum Tragen wie auch die Eigenart des Musikers, wie ein Beserker seine Akustikgitarre anzuschlagen. Auch „The Drifter“, obwohl im Vergleich sehr viel gemächlicher und zurückhaltender, wird im Verlauf deutlich eindringlicher und präsentiert sich in bester Country-Manier.

Einen ganz klaren Favoriten bildet dann auch das ebenfalls bereits vor Albumrelease bekannte „The Rapture“ mit seinem beinah bedrohlichen Drumbeat, das über ein gemäßigtes Tempo zwar nicht hinauskommt, aber auch damit einen charakteristischen Ansatzpunkt des weißen Büffels markiert: langsame, schwere Songs, die gar keine Beschleunigung benötigen, um Eindruck zu schinden, sondern durch ihre bloße Massigkeit überzeugen können. Tanzbar und luftig-leicht mit nur leichter Kante präsentiert sich dann „No History“, auch „Sycamore“ reiht sich da ein. Bei all der Leichtigkeit bleibt doch nie die spürbare Melancholie auf der Strecke, die The White Buffalo mit seiner selbst ernannten „island mentality“ perfekt in Musik umzusetzen weiß.

Der Quasi-Titelsong „Widow‘s Walk“ markiert dann den Moment der Scheibe, an dem der Kloß im Hals zum ersten Mal unüberwindbar scheint. Ein absolut genialer, trauriger Song, der den Status des White Buffalo als Geschichtenerzähler noch mal markiert und in dieser Funktion auch ein bisschen an Kollegen wie Everlast erinnert.

Der erste Eindruck hat selten so getrügt wie hier: War man zu Beginn noch irritiert von dem scheinbar dünnen Prozentsatz an Knallern, kann man spätestens bei der dritten Runde ein klassisches White-Buffalo-Album vorfinden, das neben stampfenden Rhythmen und melancholischen Tracks richtiggehend tanzbare Nummern enthält. Fans werden die Platte nur zu gerne in die heimische Sammlung integrieren und alle, denen The White Buffalo noch kein Begriff ist (und damit meine ich wirklich alle) sollten sich unbedingt mal durch die Diskografie des Südkaliforniers hören. Es lohnt sich einfach immer.

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