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The Wandering Midget: The Serpent Coven

Doom at its best
Wertung: 9/10
Genre: Doom Metal
Spielzeit: 54:24
Release: 10.10.2008
Label: Eyes Like Snow

Das Doomtrio The Wandering Midget aus Finnland wartet mit ihrer ersten vollwertigen CD auf. Irgendwie etwas komisch, denn die angebliche MCD aus dem Jahre 2007 beinhaltet 7 Tracks und kommt auf eine Spieldauer von 54:06 Minuten. Das nun vollwertige „The Serpent Coven“ hat lediglich 6 Songs, aber eine Spielzeit von 54:24 Minuten. Aber soll jemanden denn jetzt dieses Verwirrspiel interessieren, ich denke nein, denn hier geht es um die Musik und nicht um irgendwelche taktischen Marketingversuche.

„Pillars Of Sapiris” ist der erste Song und aufgrund seiner für The Wandering Midget exorbitanten Kürze von lediglich 1:23 Minuten eigentlich mehr als Intro zu verstehen, welches dafür sorgt, dass man relativ schnell in diesen 70s geprägte Doommasse hereingezogen wird und langsam dahertreibt. Unglaublich, dass sich die Band erst Ende 2005 gegründet hat und die Musiker eher aussehen, als ob sie die 70er Jahre nicht wirklich erlebt hätten, da sie zu dem Zeitpunkt noch in Vaters Säckchen schwammen.

Somit ist „Taynia“ dann der erste richtige Song. Und er beginnt mit den einsamen Drums, zu denen sich dann der Bass und die Gitarre hinzu gesellen. Tiefdunkler, depressiver Doom wird hier zelebriert. Zähflüssig wie fast erkaltete Lava, aber ebenso mächtig und unaufhaltsam schiebt sich das schwere Ungetüm durch die Lautsprechermembranen. Ab und zu wird die Geschwindigkeit bis ins Midtempo angezogen und sorgt damit dafür, dass dieser zähe Klumpen nie langweilig wird.

Da wird mal ein kleiner, leider zu kurzer Akustikpart eingebaut, bei dem die Gitarre allein glänzen darf, bevor der Bass einsetzt und dann ein wahrhaft gigantischer Übergang ins schwerfällige Schleppen ertönt. Hört euch diesen Mittelteil an, einfach genial. Dazu der recht depressive, fast weinerliche Gesang und das Gänsehautfeeling ist garantiert.

„Family Curse“ beginnt mit leiser, verhaltener E-Gitarre, die das verzweifelte Element in der Musik perfekt transportiert, bevor dann die tonnenschweren Bassgitarren erklingen.Unglaublich, nach drei Minuten erklingt der Gesang verzerrt und man könnte fast meinen, Candlemass hätten hier eine Demo aus der „Epicus, Doomicus, Metallicus“-Zeit vorgelegt. Slow Motion ist angesagt, das aber immer ergreifend und absolut authentisch rübergebracht. Samuel Wormius Gesang und Gitarrenspiel sorgen hier für den perfekten Rahmen, den das Basstier Thomas Grenier abrundet. Absolut überraschend und irgendwie ziemlich strange klingt dann der eher fröhliche, abgehackte kurze Gitarrenabstecher in ein groovendes Happyfeeling in der Mitte des Songs.

Ja, diese Band rennt keinem Trend oder Klischee hinterher, nein, sie lebt den 70er Doom. Die Übergänge zu den vielfältig gestalteten Melodien werden perfekt gemeistert und nichts klingt wie einfach nur aneinander geklatscht.

„The Thing From The Black Reef” geht mehr in Richtung der kultigen Reverrend Bizarre (R.I.P.). Das zu jeder Zeit perfekt eingesetzte Schlagzeug von Jonathan Sprenger sorgt für den passenden Rhythmus. Bei keinem der drei Musiker hat man das Gefühl, jemand hätte ein Egoproblem, zu sehr präsentiert man sich als sehr dichte, unaufweichbare Einheit.

Einfach unglaublich, was die Band hier alles eingebaut hat, welches beim Nebenbeihören fast gar nicht wahrgenommen wird. Das diabolische Lachen zum Beispiel. Nein, beileibe kein Album zum nur Nebenbeihören, auch wenn das geht, aber man verpasst unheimlich viel von den tiefen Gefühlen, die hier überall versteckt sind. Ein depressives, leicht verängstigender und auch verunsichernder Gefühlsklumpen wird hier aufgebaut.

„Bring Forth The Accused” begeht den gleichen Weg und holt etwas mehr den Spirit von einigen Witchfinder General Stücken heraus. Mittendrin erscheinen sogar ganz kurz leichte folkloristische Elemente unter den schweren Basslines. Nein, 08/15 kann man diese Songs nun wirklich nicht bezeichnen. Der Bass würde wohl auch Tony Iommi ein verzücktes Lächeln auf`s Gesicht zaubern. Ein tolles Stück schwersten Metals.

Den Abschluss bildet dann der Titelsong „The Serpent Coven“. Und der Song ist sicher nicht das Letzte, sondern nur der letzte auf einem durchgängig tollen Album. Pentagramm und Saint Vitus-Fans kommen hier ebenso auf ihre Kosten wie Fans der schon oben erwähnten Bands. Ein unglaublich fettes Album hat die Band hier abgeliefert. Der Sound ist klar und differenziert und trotzdem meint man, permanent Schweiß, Rauch und Staub zu riechen. Kräftig- anstatt saft- und kraftlos wird hier dem Doom gehuldigt, auch wenn „The Serpent Coven“ in der zweiten Hälfte mal wirklich Fahrt aufnimmt, welches dann auch noch durch die verfremdeten Sirenen von der Gefühlsintensivität verstärkt wird und das Ganze recht psychedelisch seinen Verlauf nimmt.

Fazit: Selten bekommt man heute noch ein so dichtes Werk aus einer anderen Zeit. Das Ganze wird dann auch noch von den eher jungen Musikern derart perfekt inszeniert, dass man sich wundert, wenn man die Augen wieder öffnet, dass man schon im 21. Jahrhundert ist. Für Doom Fans ein absolutes „Must Have“. Aber Achtung, es besteht Suchtgefahr und wenn ihr die “I Am The Gate” MCD noch nicht habt, dann sei euch jetzt schon gesagt, dass ihr sie nach diesem Album kaufen werdet. Man wird quasi gezwungen, sich mit den Vorgängern zu beschäftigen, denn irgendwie hat die Band mit „The Serpent Coven“ ihr Meisterstück abgeliefert.

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