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The Vision Bleak: Witching Hour

Auch Album Nummer fünf überzeugt voll und ganz!
Wertung: 8.5/10
Genre: Horror Metal
Spielzeit: 39:00/ 60:07
Release: 27.09.2013
Label: Prophecy Productions

Wenn Bands, die in ihrer bisherigen Karriere ausschließlich Werke, die ausnahmslos und eindeutig im oberen Punktedrittel anzusiedeln sind, ein neues Album veröffentlichen, macht sich gerne mal ein Gefühl breit, das eine Mischung aus Vorfreude und Skepsis darstellt – bei so mancher Combo ist der Ofen auch nach mehreren Topreleases schließlich irgendwann aus. Bei The Vision Bleak jedoch verschwindet dieses Gefühl zum Glück sehr schnell, es braucht kaum zwei Durchläufe von „Witching Hour“, um zu der Erkenntnis zu gelangen, dass das Duo Allen B. Konstanz und Ulf Theodor Schwadorf hier einen absolut ebenbürtigen Nachfolger zu den vier makellosen bisherigen Platten abliefert.

Wiederum sind es lediglich Nuancen, die verändert wurden, aber wenn man schon vom ersten Album an völlig eigenständig klang und damit bisher recht erfolgreich war, warum sollte man auch allzu viel verändern? Die selbsternannten Horror Metaller brillieren einmal mehr mit einem clever verwobenen Stilmix aus kraftvollen Heavy-Metal-Riffs und atmosphärischen, symphonisch angehauchten Düster-Keyboards, garniert mit Einsprengseln aus Gothic-, Doom- und Melodic-Death-Elementen, der es praktisch unmöglich macht, die Band in eine Genre-Schublade zu stecken, und der der Grund ist, warum Fans unterschiedlichster Couleur die Kapelle abfeiern.

Bereits auf dem 2010er-Output „Set Sails To Mystery“ agierte man allerdings zum Teil etwas härter und dieser Kurs wird auch auf der neuen Langrille phasenweise fortgesetzt. Schon der Quasi-Opener „A Witch Is Born“ ist recht flott gehalten und mit ziemlich aggressiven Vocals seitens Konstanz ausgestattet, bei „Hexenmeister“ in der Mitte des Albums wird dem Hörer ordentlich eins mit der Thrash-Keule über die Birne gezimmert, und im Abschlussstück „The Valkyrie“ ist sogar eine Blastbeat-Sequenz zu hören.

Dies deutet bereits an, dass die Band trotz allem natürlich nicht vorhat, sich nur zu wiederholen; dennoch handelt es sich bei „Witching Hour“ um TVB in Reinkultur – die Atmosphäre, die unverkennbare Stimme Konstanz’ und der Sound sind eben stets herauszuhören. Am wichtigsten ist jedoch die Feststellung, dass die beiden Herren es immer noch bestens verstehen, richtig geile Songs zu schreiben, wobei man auch hier der Mischung aus eingängigen Hits und etwas verschachtelterem Material treu geblieben ist. In erstere Kategorie fällt neben dem erwähnten Opener und dem dank Empyrium-Gedächtnisflöten folkig geprägten „The Blocksberg Rite“ vor allem „Cannibal Witch“. Was für ein Killertrack und der Beweis, dass man eben oft doch mit den einfachsten Mitteln die besten Songs schreibt.

Das Mainriff jenes Stückes ist jedenfalls denkbar simpel, knallt aber wie Sau und ist bestes Headbanger-Futter. Besonders der grandiose Uptempo-Part in der Mitte dürfte bei kommenden Konzerten die Rüben so richtig zum Rotieren bringen. In die „Eingängig“-Kategorie gehören auch das textlich von Hänsel und Gretel beeinflusste „The Wood Hag“ sowie das erwähnte Lied „Hexenmeister“, während die facettenreichen Nummern „Pesta Approaches“ (von der Stimmung her mit durchaus schwarzmetallischem Anstrich versehen) und „The Valkyrie“ etwas mehr Aufmerksamkeit erfordern, um dann aber umso stärker und spannender zu wirken. Toll, mit was für Wendungen die Jungs hier überraschen können, ohne dass jemals irgendetwas aufgesetzt erscheinen würde.

Mit 39 Minuten ist die Scheibe zwar etwas kurz geraten, allerdings gibt es parallel zum Standardrelease auch eine limitierte Auflage, auf der in Form von „The Call Of The Banshee“ ein weiterer Track zu hören ist, der zwischen „Pesta Approaches“ und „The Valkyrie“ platziert wurde. Hierbei handelt es sich um ein solides Stück, das mit einem starken Refrain aufwartet, wobei die Strophe da leider nicht mithalten kann. Muss jeder selbst wissen, ob er bereit ist, für einen weiteren guten, aber eben nicht überragenden Song ein paar Euro mehr zu investieren. Das viertelstündige Chiller-Outro „Witchery In Forests Dark I & II“, das auf der Deluxe-Version noch hinzukommt, ist das zusätzliche Geld jedenfalls wohl nicht wert. Sicherlich ganz nett, wenn man so richtig zugedröhnt auf dem Sofa liegt, aber ansonsten alles andere als essentiell.

Ansonsten kommt selbstverständlich kein Fan von The Vision Bleak darum, sich „Witching Hour“ zuzulegen. Erneut überzeugt das Duo mit einer Reihe von schaurig-schönen, mal mehr, mal weniger eingängigen Kompositionen, in typischer Manier von Horror-Märchenonkel Allen B. Konstanz vorgetragen – das Teil reiht sich also mühelos in die großartige bisherige Diskographie ein. Dass auch die Produktion erneut sehr kraftvoll und knackig aus den Boxen tönt, muss dabei kaum noch erwähnt werden.

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