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The Very End: Turn Off The World

Vertonte Reife
Wertung: 9/10
Genre: Modern Thrash/ Groove Thrash/ Thrash Metal
Spielzeit: 45:49
Release: 23.11.2012
Label: SPV/ Steamhammer

Fehlt es eigentlich noch an Beweisen, dass der wahre, richtige, wütende und kritische Stahl nur aus dem Pott kommen kann? Mit The Very End ist da ja jetzt keine Band am Start, die gerade mal eben dem Proberaum entfleucht ist, schließlich handelt es sich bei „Turn Off The World“ schon um das dritte Album, welches überraschend schnell das Vorgängermodell „Mercy & Misery“ von Anfang 2011 ablöst. Wobei: Ablösen ist hier der sicherlich falsche Terminus, „ergänzen“ trifft da eher den Nagel auf den Kopf, denn die Essener Combo schafft es einmal mehr nachzuweisen, dass sich Härte, Melodie und eine eigene Schublade im engen Thrash-Genre nicht ausschließen.

Herumgesprochen dürfte sich mittlerweile ebenfalls haben, dass Gründungsmitglied Volker Rummel nicht mehr dabei ist, wobei Alex Bartkowski (ex-Guerilla) zumindest regelmäßigen KonzertbesucherInnen nicht unbekannt ist, half er doch schon des Öfteren an der Gitarre aus und gehört nun zum festen Stamm. Volker wird aber sicherlich noch den einen oder anderen Finger für die eine oder andere Komposition im Spiel gehabt haben.

Auf Nummer sicher gehen die Essener Groove-Modern-Thrasher The Very End nicht, potenzieren zumindest nicht nur per Bandnamen die Endzeitstimmung, sondern schalten da schon allein durch den Albumtitel schnell noch eine Stufe höher, da passt dann auch glatt das düstere Motiv des Coverartworks dazu. Geeignet dazu ist dann auch die Stimmung der Songs, die ebenfalls durchweg eine Spur düsterer ausgefallen ist. Vor allem steht „Turn Off The World“ für eines: dem Ausloten der Genregrenzen, was vor allem an Frontmann Björn liegt, der bis vor kurzem ja seine Organ auch denn Melodic Deathern Night In Gales verlieh und noch immer mit The Rules erneut aktiv(er) ist. Björn verfügt über eine in dieser Szene wichtige eigene Stimmfärbung, was der Truppe natürlich hilft, sich von den anderen Thrashanwärtern abzuheben.

Und wie schon erwähnt: Auf Nummer sicher gehen sie nicht, denn während sie auf den Vorgängern locker solche Ohrwürmer wie „Flatline“, „Bone Patrol“, „The Leper“ oder gar das zu Videoehren gekommene „A Hole In The Sun“ fabrizierten, so benötigt „Turn Off The World“ schon ein paar Durchläufe mehr, um sich in Gehör und Stammhirn festzusetzen. Doch wenn das Album dann plötzlich zündet, dann sind solche Nacken brechenden Nummern wie „The Last Mile“ nicht mehr wegzudenken, eine perfide Prügelattacke trifft auf fetten Groove, wo nach einem feinen Gitarrensolo plötzlich die akustische Gitarre einige Takte übernimmt und für ein überraschendes Intermezzo sorgt.

Zur Groove-Thrash-Creme-de-la-Creme gehören aber auch „Orphans Of Emptiness“ mit einem Björn, der gesanglich stark (nicht zum ersten Mal) am Melodic Death kratzt, oder auch „The Black Fix“ mit fies ballernden Drums und einem Gastsänger, den man sich eben von Entombed ausgeliehen hat: LG Petrov. Und wenn das Thema fehlende Sicherheit nochmals hochkocht: Schon ungewöhnlich, dass The Very End bei „Splinters“ sogar ein paar deutsche Worte verbauen, was ja schnell für einen Teil der Szenepolizisten ein absolutes Unding ist.

Das andere The Very End-Gesicht zeigt sich aber z.B. mit dem deutlich rockigeren „Maelstrom Calling“, dem ruhigen Beginn, dem melodischen Gesang und der pur transportierten Gänsehautemotion, ein eher stampfender Rhythmus und einer im Hintergrund dominierenden Leadgitarre, die regelmäßig das Thema wiederholend für Tiefgang sorgt. Eine richtige Perle haben sie dabei ans Ende des Albums gesetzt: „To Feed On Hope“ spielt nicht nur mit dem Wechsel zwischen groovenden Riffs und emotionalem Klargesang, sondern auch hier dürfen ein paar prügelnde Phasen das Zepter übernehmen, bevor das Ende fragil ausfaded.

Nicht „Turn Off The World“, sondern „Turn Off The schlechte Hörgewohnheiten“, so müsste das Album korrekterweise heißen, denn The Very End zeigen einfach nur, wo der Thrash-Hammer wirklich hängt. Emotionaler Klargesang über Thrashiges bis Melo Death, alles auf einem fies sprintenden oder fett groovenden Gerüst, mit Björn einen Sänger, den man locker unter den unzähligen Bands heraushört, und einfach verdammt gute Songs – mehr braucht es nicht, um ein bärenstarkes drittes Album herauszuhauen. Nun ja, die meisten anderen (Thrash-)Bands werden dieses Niveau niemals erreichen, weswegen nicht nur The Very End-Fans froh sein können, dass die Ruhrpottcombo derart gesegnet ist. Ganz nebenbei: Mit „Turn Off The World“ müsste man sogar beim eigenen Label viel mehr in den Fokus rutschen, bei den Fans gehören sie schon seit dem Debüt ins eng gesteckte Radar.

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