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The Tangent: A Place in the Queue

Sas gesamte Album ist als Gesamtkunstwerk anzusehen
Wertung: 99/10
Genre: Jazz and Progressive Rock
Spielzeit: 79:1
Release: 03.02.2006
Label: InsideOut Music GmbH

Also ich muss schon sagen, dass ich wahrlich nicht schlecht gestaunt habe, als mir von meinem Chefredakteur dieses insgesamt dritte Album der schwedisch-britischen „Progrock-Formation“ angeboten wurde, da doch von einem recht außergewöhnlichen und „Jazz-lastigen Musikstil“ die Rede war. Hinzu kam auch noch die Tatsache, dass jenes Album “A place in the queue“ (was ungefähr so viel bedeutet wie „Ein Platz in der Warteschlange“) mit gerade mal sieben Songs eine Gesamtspielzeit von genau 79 Minuten erreicht, was schon durchaus eine recht ordentliche und beeindruckende Leistung ist! *zwinker*

Aber nicht nur mir kam bereits im vornherein diese ganze eben angesprochene Mischung recht außergewöhnlich vor. Selbst Andy Tillison (seines Zeichens Sänger, Songwriter und Keyboarder) sagte zur anstehenden Veröffentlichung dieses Albums, dass „den Hörer doch einige (musikalischen) Überraschungen und Neuerungen“ erwarten würden. Ja, ja, wie recht der Gute damit hatte! Wobei diese „musikalische Umorientierung“ sicherlich auch mit dem recht lebhaften Wechseln innerhalb der einzelnen Bandmitgliedern zu tun hatte, die einige Monate zuvor vollzogen wurde (drei der insgesamt sieben Mitglieder gingen und wiederum drei neue kamen hinzu usw.).

Fangen wir doch einmal an, grob die Stilrichtung dieser „musikalischen Neuerung“ zu nennen und herauszufiltern: Sicherlich ist der Überbegriff „Progressive Rock“ recht dehnbar und auslegungsfähig. Was aber, wenn diese sogenannten „Rock Elemente“ fast komplett in den Hintergrund gerückt werden und stattdessen durch extreme Jazz,- Dixieland,- und Canterbury Elemente ersetzt werden, die zusätzlich noch mit einem gewaltigen Schuss an Keyboard- und Synthesizermusik untermalt werden?

Ja, da staunt man als Hörer wahrlich erst mal nicht schlecht, wenn z.B. gleich mal der 20minütige (!) Eröffnungstitel “In earnest“ erklingt und einen dieses Mammutwerk sanft zu umgarnen versucht (intoniert von der recht süffisanten und eingängigen Stimme von Frontmann Andy Tillison).

So zieht auch weiterhin “A place in the queue“ unbeirrt seinen musikalischen Weg fort, in welchem es inhaltlich darum geht, dass wir Menschen uns doch alle irgendwo in einer großen und endlosen Warteschlage befinden und nur darauf warten, was unser Vordermann macht, um es ihm sodann gleichzutun. Wir sind nichts weiter als Sklaven von Werbung, Trends, Religionen und selbst auferlegten Dogmas und haben deswegen unseren Platz in der Warteschlage des Lebens inne.

Allerdings kommen diese Aussagen nicht mit dem berüchtigten erhobenen Zeigefinger daher, sondern recht subtil und geschickt verpackt, was die musikalische Vorlage betrifft. Im Grunde kann man bei der gesamten Melodieführung von einer fast schon richtigen Gute Laune-Musik sprechen, bei welcher man es sich im heimischen Sessel vor dem Kamin mit einem guten Glas Rotwein gemütlich machen kann.

Ebenfalls sollte auch erwähnt werden, dass man beim vorletzten Songtitel “The sun in my eyes“ (mehr oder weniger unbeabsichtigt?) einige bekannte Melodieparts aus dem Santa Esmeralda Klassiker “Don´t let me be misunderstood“ wieder entdecken kann (für jene Nichtkenner unter uns: Schaut Euch noch mal in Ruhe Quentin Tarantinos Eastern-Epos “Kill Bill Vol. 1“ an. Beim finalen Schlusskampf zwischen Uma Thurman und Lucy Liu wird zu Beginn dieser Sequenz genau jener Salsa-Klassiker eingespielt).

Das große Finale stellt sodann der gleichnamige Albumtitel “A place in the queue“ dar, welcher mit seinen über 25 Minuten Spielzeit nicht nur der längste (bzw. epischste) Titel auf dem Album ist, sondern auch sogleich nochmals sämtliche musikalischen Facetten in sich birgt, die das gesamte Album bisher zu bieten hatte.

Somit sei also letztendlich gesagt, dass der nunmehr dritte Output von The Tangent zwar ein recht ordentliches Album geworden ist, aber bei Leibe sicherlich kein einfaches (und schon gar nicht geeignet zum reinen „nebenher Hören“). Aber wer gerne mal etwas außergewöhnlichere Klänge vernehmen möchte und zudem recht experimentierfreudig ist, wird mit “A place in the queue“ sicherlich seine helle Freude haben (die anderen sollten allerdings zuvor wirklich erst mal eine Hörprobe machen).

Ebenso möchte ich in diesem Falle auf diverse Anspieltipps verzichten, da im Grunde jeder Song so sehr ins sich verschachtelt ist und eine Einheit für sich bildet, dass man keine „Highlights“ im eigentlichen Sinne herausheben kann (sondern das gesamte Album als Gesamtkunstwerk angesehen und betrachtet werden sollte).

Zusätzlich zur regulären CD Version gibt es auch noch eine limitierte „Special Edition“ im Digipack zu erstehen, die neben einem erweiterten Booklet auch noch eine Bonus-CD mit insgesamt sechs weiteren Stücken, die es nicht auf die reguläre Albumversion geschafft haben (allerdings waren uns bei Redaktionsschluss jene Titelnamen noch nicht bekannt), enthält.

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