Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

The Sunwashed Avenues: Cult Of The Black Sun

Chaotischer kann eine Apokalypse kaum vonstatten gehen
Wertung: 6.5/10
Genre: Melodramatic Death Rock
Spielzeit: 45:06
Release: 10.12.2010
Label: Dirty&Weird Music

Es gibt kaum eine verwirrendere Mischung als die, die sich uns auf der neuen The Sunwashed Avenues bietet – der Bandname klingt ein wenig nach ambitioniertem Alternative Rock, der Albumtitel gestaltet sich satanisch-schwarzmetallisch und der Text auf dem Back-Cover der CD liest sich wie ein drogenumnebeltes Essay zum Thema Apokalypse. Kleiner Auszug gefällig? „Pumping mercury and golden dust through our veins, we willingly ripped off the skin of our faces, grinding our fleshy frowns on the ground, cutting out our bleeding hearts to hold them up towards the enemy sky in offering (who needs a face when you can sell your soul?)“

Erinnert ein bisschen an Corey Taylor, der auf dem letzten Song des ersten Stone Sour-Albums, „Omega“ nämlich, in einem endlosen Monolog vom Leder zieht, kommt aber ungleich mysteriöser und bedrohlicher daher. Und verdrogter, wie gesagt. Wie anders wäre es zu erklären, dass sich gestandene Männer die Gesichter häuten wollen? Richtig: gar nicht. Ähnlich ist es um die Musik des Quintetts bestellt: Hier sind Erklärungen irgendwie fehl am Platz, man verstrickt sich sowieso nur in konfuse Stilbezeichnungen, die am Ende gar nichts mehr miteinander zu tun haben. Da trifft die Bezeichung „Melodramatic Death Rock“, die die Combo für sich selber erdacht hat, tatsächlich noch am ehesten zu. Oder das Unwort „Crossover“ – aber so weit wollen wir (noch) nicht gehen.

„Ride The Last Wave“ hat die Aufgabe inne, den Hörer auf das vorzubereiten, was da noch kommen mag – Sänger John Lui scheint immer einen halben Takt vor der Gitarre herzuhetzen, aber eine gute und vor allem variable Stimme hat der Mann, das muss man ihm lassen; allein in der ersten Minute wird von Geflüster über klaren Gesang bis hin zu richtig fiesen Vocals alles ausgetestet. Die Refrain-Dynamik erinnert ein bisschen an die älteren Incubus, als man die Stücke der Band nur als unrhythmisches Gefrickel ansehen konnte. Dennoch irgendwie faszinierend ist die teils hypnotische Tonlage Luis, der schon im nächsten Moment heiser vor sich hin keift – wenn der Rest der Scheibe auch so, sagen wir mal unkonventionell angelegt ist, wird das noch interessant. Gleich darauf verliert sich die Band nämlich in einem stolpernden Punkrhythmus, der bei der Hälfte von „Grand Torino“ durch elektrisierende Gitarren unterbrochen wird. Lui kramt kräftiges Geschrei aus der Mottenkiste und kotzt sich so richtig schön aus – im wahrsten Sinne, denn zwischendrin klingt es tatsächlich so, als würde der Mann sich sein Frühstück nochmal durch den Kopf gehen lassen. Melodische, beinahe hymnenhafte Zwischenteile mit klarem Gesang bilden einen guten Kontrast zu dem Gekreische und machen den Song um einiges weniger anstrengend.

Richtig bizarr wird es bei längeren Stücken wie dem knapp sechsminütigen „1979“, in dem plötzlich bedrohliche Voodoo-Trommeln auftauchen, oder dem beinahe ebenso langen „Burning Rome“, dessen Gitarren klingen, als würde die CD hängen. Klar, sowas haben Led Zeppelin auch schon eingebaut (wer’s nicht glaubt, hört sich mal die Scheibe „House Of The Holy“ an), aber auch da ist es nervig, wenn man das Gefühl hat, man müsste seiner Anlage einen ordentlichen Stoß verpassen, damit der Song weitergeht. Trotzdem muss man den Jungs von The Sunwashed Avenues zugute halten, dass sie technisch einiges draufhaben – wer sonst traut es sich, auf seine erste Full-Length-Scheibe ein sechseinhalbminütiges Instrumental zu packen, das zudem noch den unglaublich großartigen, wenn auch verstörenden Titel „Their Faces Turned Into Smiles When The Wind Ate Up Their Brains“ trägt?! Übrigens gibt’s auch hier diesen Hänger-Effekt, hier nervt das aber nicht annährend so sehr wie bei „Burning Rome“.

Dass der Band auch kürzere Songs liegen und sie sich nicht ständig in überlangen Tracks verlieren müssen, beweist einmal mehr das nicht mal zweieinhalb Minuten lange „Black Lodge Boogie“, das ein bisschen an konfuse Scars On Broadway-Auswüchse erinnert. Die leicht nasale klare Stimme, kombiniert mit dem leicht knarzigen Geschrei des Fronters, tut ihr Übriges, um den Song im Gedächtnis haften zu lassen. Glück für die Band, dass mit „Manha Do Carnaval“ noch mal ein richtig großartiges Stück mit epischem Gesang rausgehauen wird, denn seien wir ehrlich, an Chaos ist die Platte ansonsten kaum zu überbieten. Fast verbreitet das Shouting einen Metalcore-Touch, aber das wäre doch eine zu einfache Charakterisierung. Hier haben sich die Musiker wirklich hörbar Mühe gegeben, einer einigermaßen nachvollziehbaren Songstruktur zu folgen – und schaffen es sogar, ab Minute 7 mit diversen Störgeräuschen und verzerrtem Gesang so etwas wie nihilistisches Black-Metal-Feeling aufkommen zu lassen. Nicht schlecht, die Herren.

Zwar bietet „Cult Of The Black Sun“ erwartungsgemäß einiges an Chaos und Hektik, hat aber durchaus seine strahlenden Momente, in denen man sich nur grinsend zurücklehnen kann. Bei längeren Stücken hat man allerdings leicht das Gefühl, die Band würde sich instrumental ein wenig verzetteln – daran sollte wenn möglich noch ein wenig gefeilt werden, aber bei solch komplexen Tracks dürfte es ohnehin noch einmal zwei Jahre dauern, bis eine neue Scheibe erscheint. 

comments powered by Disqus