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The Steve Miller Band: Bingo!

Eine Legende übt sich in Vergangenheitsbewältigung
keine Wertung
Genre: Bluesrock / 70er Rock
Spielzeit: 32:28
Release: 18.06.2010
Label: Roadrunner Records

Dass ein Mann wie Steve Miller sicher schon einiges erlebt hat, ist klar. Dass jemand 17 Jahre braucht, um ein neues Album herauszubringen, ist schon eher ungewöhnlich, zumal sich die Band in der Zwischenzeit nie offiziell aufgelöst hat. Stattdessen tourt man in Amerika und Kanada unentwegt landauf und landab. Das funktioniert natürlich nur, wenn man ein wirklich starker Musiker ist und natürlich, wenn man Hits wie das unglaubliche „The Joker“ oder auch „Abracadabra“ in der Hinterhand hat.

Europa wird stets vernachlässigt und so kennen heute viele wahrscheinlich einzelne Songs, aber dazu dann den Bandnamen nennen können wohl eher die älteren Musikfans. Nun steht Steve mit einem neuen Album am Start. Dies soll das Album sein, welches er sein ganzen Leben lang immer schon aufnehmen wollte. Es transportiert den typischen Rhythm & Blues aus den Lehrjahren des Meisters ins 21. Jahrhundert. So kann man das stehen lassen.

„Hell Yeah“ eröffnet den Reigen. Mit Groove und gefälliger Melodie wird hier gerockt. Natürlich darf man keine Härteexzesse erwarten, aber irgendwie wippt der Fuß automatisch mit. Die tolle Gitarre wird von den einschmeichelnden Vocals umgarnt.

„Who`s Been Talkin`“(Howling Wolf-Cover) groovt dann sogar noch deutlich mehr, wirklich nicht von schlechten Eltern, nur will sich bisher keiner der eigentlich guten, wenn auch kurzen Songs im Gedächtnis festsetzen.

Jimmie Vaughan stand dann nach dem Opener „Hey Yeah“ auch für „Don`t Cha Know“ Pate und so wurde auch dieser ins 21. Jahrhundert transferiert. Klingt nicht schlecht, aber irgendwie wirkt das Ganze auf mich wie die live dargebotene Hintergrundmusik bei einem großen festlichen Bankett.

Neben der guten Gitarrenarbeit, wie man sie aber vom Altmeister gewohnt ist, kann der Funke eben nur begrenzt überspringen. „Rock Me Baby“ ist sicher kein schlechter Track, aber irgendwie auch wie viele Songs einfach zu eingleisig und mit zu wenig Pathos im aktuellen Soundkleid. Von einem „The Joker“ ist man in etwa so weit entfernt wie Eisbären vom Südpol.

„Tramp“ erzeugt ein wenig mehr den Eindruck von einer kleinen Jamsession, wobei dort mehr Wert auf Diskussion als auf Instrumentierung gelegt wurde. Klar, das passt exzellent in die Siebzieger, hört sich auch heute noch gut an, trifft aber nicht den Nerv der Zeit.

„Sweet Soul Vibe“ beginnt mit kurzem Tiefton-Gesumme, bevor eine wirklich tolle Gitarrenmelodie beginnt. Das kennt man, ohne es genauer verifizieren zu können, irgendwoher. Eben nette Musik für die Lounge im Fünf-Sterne-Hotel.

Ich erspare euch auch hier die Aufzählung der Ursprünge, da sie den meisten eh nicht bekannt sein dürften und man hier einen zumindest soundtechnisch deutlich moderneren Eindruck bekommt. „Come On (Let The Good Roll)“ und „All Your Love (I Miss Loving)“ sorgen für weitrees Bluesfeeling.

”You Got Me Dizzy” und „Ooh Poo Pah Doo“  sorgen dann für das Finale dieses Albums. Gerade letzterer Song, der auch als Gesangsübung für das Publikum durchgehen könnte, sorgt dann noch einmal für ein gewisses Schmunzeln der positiven Art. Das ist so schwarz von den Wurzeln her, dass es in den morschen Knochen knackt. Ein gelungener Abschluss.

Fazit: Nach 17 Jahren gerade einmal 32 Minuten Musik mit alten Genen zu veröffentlichen, wirkt ein wenig befremdlich. Wenn man dann hört, dass der „zweite“ Teil des Albums 2011 erscheinen soll, dann fragt man sich natürlich, welchen Hintergrund so etwas hat, da zu befürchten ist, dass beide Alben locker flockig auf eine CD (das Medium für Musik im Jahre 2010) passen und sogar noch Spielraum für Bonustracks bieten. Spaß macht das Album, aber umhauen kann es nicht. Kein Song verweilt eine halbe Stunde nach dem Hören immer noch im Gedächtnis. Eine Bewertung erspare ich mir, da es sich eher um eine Alltime-Faves-Zusammenstellung einer Musikerlegende handelt, die ich so auch gar nicht bewerten will.

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