Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

The Steepwater Band: Shake Your Faith

Wohlfühl-Bluesrock mit wenig Ecken und Kanten
Wertung: 7/10
Genre: Blues Rock
Spielzeit: 51:15
Release: 01.04.2016
Label: Diamond Day Music

Die Chicagoer Bluesrocker The Steepwater Band gibt es bereits seit 1998 und seitdem hat die Truppe immerhin fünf Full-Length-Alben, mehrere EPs, Liveplatten und zuletzt eine Best-Of veröffentlicht. Um ehrlich zu sein, meiner Wenigkeit war die Formation bislang gänzlich unbekannt, so kann ich mir auch kein Urteil darüber bilden, wie sie sich anhörte, als sie noch zu dritt musizierte. Seit dem letzten Studioalbum „Clava“ sind nämlich fünf Jahre ins Land gezogen und in der Zwischenzeit brachte man nicht nur besagte Best-Of-Scheiblette sowie die Live-Langrille „Live & Humble“ heraus, sondern hat sich außerdem mit Eric Saylors als zweitem Gitarristen verstärkt.

Naturgemäß bedeutet dies mehr Freiheiten für Frontmann Jeff Massey, bisher im Alleingang für die Klampfen zuständig (und laut Booklet immer noch für die meisten Slide-, Lead- und Akustikgitarreneinsätze verantwortlich) und mehr musikalische Möglichkeiten im Gesamtkontext. Bereits im eröffnenden Titeltrack wird die nun doppelte Gitarrenpower sehr effektiv umgesetzt: In diesem hübschen, getragenen Song macht es sich erstaunlich gut, wie am Ende zwei Leadgitarren mit- und gleichzeitig gegeneinander spielen.

Getragen ist überhaupt ein gutes Stichwort, agiert die Combo doch hauptsächlich in mittleren Temporegionen. Stets mit Blues-Schlagseite versehen, könnte der Vierer auch aus dem Süden Amerikas kommen, da auch immer eine gute Portion Southern-Rock-Vibe durchschimmert, wohl in erster Linie wegen des leicht angezerrten, schwammigen Gitarrensounds, der wiederum ebenso jede Menge Erinnerungen an Neil Young hervorruft.

Nicht die schlechtesten Assoziationen und dass die Band bereits mit Legenden wie ZZ Top, Lynyrd Skynyrd, Bad Company, Tesla oder King's X (um nur ein paar zu nennen) gemeinsam aufgetreten ist, glaubt man umgehend, sprich: Musikalisch hat das Hand und Fuß und es macht durchaus Spaß, sich das Dargebotene zu Gemüte zu führen. Neben dem erwähnten Opener und Titeltrack sticht vor allem die an vorletzter Stelle stehende balladeske Nummer „Last Second Chance“ hervor, bei der außerdem das beste (und längste) Gitarrensolo zu Buche steht.

Nichtsdestotrotz würde man sich hin und wieder ein bisschen mehr Esprit wünschen, das Songwriting bietet alles in allem nicht mehr als solide Kost und nicht allzu viele Überraschungsmomente. Letzteres kann man natürlich damit abtun, dass Bluesrock (zumindest wenn man eine puristische Sichtweise hat) nun einmal recht eng gesteckte Genregrenzen hat, aber hier und da ein bisschen mehr Dreck (angezerrter, Neil-Young-mäßiger Gitarrensound hin oder her) und Ausbruch aus dem Schema F-Kompositionsmuster hätten sicherlich nicht geschadet. Das etwas flottere „Mama Got To Ramble“ und die Laune machende Abschlussnummer „Ain’t Got Love“ sind da schon das höchste der Gefühle.

Immerhin: Das mit einem Ska-artigen Rhythmus ausgestattete „Break“, zusätzlich unterlegt mit wummernder Orgel, ist etwas origineller geraten, und „I Will Never Know“ mit seinen erfrischenden Mandolinenklängen atmet ein wenig Country-Flair, ohne dass die Angelegenheit gleich in allzu seichte Gewässer abdriften würde (allerdings auch ohne zu Begeisterungsstürmen hinzureißen). Auch die melancholische Ballade „Bring On The Love“ weiß zu gefallen, denn man muss der Steepwater Band lassen, dass sie auch in ruhigen Augenblicken niemals droht, in Kitsch zu ersaufen, zumal die Harmoniegesänge allesamt stets schön und zu keinem Zeitpunkt überladen oder gar fehlplatziert wirken.

Dennoch ist das Ganze halt irgendwie nett und tut niemandem weh. Wohlfühl-Bluesrock mit wenig Ecken und Kanten, der sich gut anlässt, bei dem wirklich härtere Ansätze bzw. kompositorisch zündende, mitreißende Ideen aber lediglich Stückwerk bleiben. Als Beispiel sei hier „Jealous Of Your Way“ genannt, das mit einem recht saftigen Mainriff aufwartet, welches im zahmen Refrain dann jedoch wieder ausgebremst wird. Das alles ist grundsätzlich natürlich trotzdem nichts Schlechtes, zumal die Band live auch mehr Arsch tritt als auf Platte. Handwerklich, gesanglich und produktionstechnisch ist ohnehin alles im grünen Bereich – hin und wieder mal anhören kann man sich „Shake Your Faith“ daher problemlos.

comments powered by Disqus

Werkschau einer der größten und einflussreichsten Rockbands aller Zeiten

Wie mit einer Ex-Freundin

Willkommen in der Husumer Sauna