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The Sleeper: Aurora

Ein erstaunlich technisches Debüt
Wertung: 8,5/10
Genre: (Post-)Hardcore
Spielzeit: 30:16
Release: 22.02.2013
Label: Swell Creek Records

Asche auf mein Haupt: The Sleeper sind bisher recht unbehelligt an mir vorbeigezogen. Die gleichnamige Erstlings-EP entzog sich gar völlig dem musikalischen Radar – da muss erst ein Debütalbum erscheinen, damit man aufmerkt. Schade eigentlich, denn die Leipziger Truppe stand mittlerweile schon mit Kollegen wie For The Fallen Dreams oder War From A Harlots Mouth auf der Bühne, was in etwa für die Qualität und vor allem das Aggressionspotenzial der Jungs sprechen dürfte. Letzterer Band entliehen The Sleeper direkt Gitarrist Simon als Produzenten, Mixer und Engineer für das vorliegende Debüt „Aurora“.

Neben WFAHM haben The Sleeper noch einen weiteren großen Namen der deutschen Hardcoreszene im Gepäck: Sänger Steven war nämlich seinerzeit bei Narziss tätig, die sich bereits vor zwei Jahren aufgelöst haben. Im Gegensatz zu seiner Vorgängerband setzt der gute Mann hier aber auf englische Texte und wird dabei von Gitarrero Phil unterstützt.

Der Albumtitel lässt den geneigten Hörer gewisse Assoziationen herstellen – irgendwie kalt und sphärisch. Irgendwie mysteriös eben stellt man sich die Songs vor. Direkt der Opener und Titeltrack macht diesen Eindruck aber gewaltig zunichte. Da wird auf Teufel komm raus losgebrettert, Stevens Gebrüll mit stolpernden Drums und schreienden Gitarren gespickt und ein Wahnsinnsrefrain abgeliefert in dem das Tempo von jetzt auf gleich abgebremst wird. Nur im Hintergrund trommelt sich der Schlagwerker noch die Seele aus dem Leib. Vorne rum gibt’s dafür bravourösen Klargesang auf die Ohren, der sogar einen Hauch Epik mit sich bringt.  

„Aperture Adjustment“ wurde dann übersichtlich in zwei Songs aufgegliedert. Der erste, „Silhouettes“ mit Namen, drischt wieder wenig fröhlich, aber dafür konsequent auf das Trommelfell ein. Auch hier werden aber dem Post-Hardcore nicht unähnlich Gitarren eingeschleust. Teil Nummer zwei, „… And Everyone’s Asleep“, bildet dann die Antithese: Leicht verzerrter Klargesang bildet die Grundlage zu einer recht ruhigen, eindringlichen Melodie, die sich im Refrain über den Gesang erhebt. Ein schönes Stück, das die Herren hier abliefern.

Spätestens nach dem zweiten Durchgang stellt man fest, dass auf „Aurora“ mehr Substanz vorhanden ist als bei so mancher Metalband in der Komplettdiskografie. Songs wie „Terrestrial“ mögen zu Beginn auf Nicht-Core-Hörer etwas stumpf wirken, mausern sich aber recht bald zu technisch anspruchsvollen Stücken. Speziell bei dem genannten Stück bieten die beiden Saitenhexer Phil und Johann recht ungewohnte Parts, die aber a) perfekt in den Song passen und b) auch für sich selbst großartig wären, auch ohne Song drum herum. Mit „Wanderers“ legen The Sleeper zum krönenden Abschluss noch einen richtig packenden Track mit auf’s Tablett – schwer zu beschreiben und mindestens ebenso schwer wieder aus dem Kopf zu bekommen.

Fazit: „Aurora“ ist nicht beim ersten Durchgang zu erschließen. Man muss sich schon ein bisschen in die Musik der Fünfertruppe hineinhören um alle Details und Arrangements richtig mitzubekommen. Dann findet sich das Debüt aber auf jeden Fall im oberen Drittel der Bewertungsskala wieder – für alle Fans von technisch anspruchsvoller, Hardcore-lastiger Musik ist die Scheibe genau das Richtige.

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