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The Sixxis: Hollow Shrine

Respektables Debüt einer interessanten Band
Wertung: 7.5/10
Genre: Progressive Rock/Metal, Grunge
Spielzeit: 41:23
Release: 12.09.2014
Label: Glassville Music

Wer in diesem Jahr auf der Tour von Spock’s Beard war, durfte sich nicht nur über einen bestens aufgelegten Headliner freuen, sondern auch über einen starken Supportact, der just zu dieser Zeit seinen Debüt-Longplayer „Hollow Shrine“ auf die Öffentlichkeit losgelassen hatte. Obwohl es sich also erst um die Premiere von The Sixxis aus Atlanta handelt, wird schnell klar (was insbesondere auch die Livesituation bewies), dass hier erfahrene und handwerklich beschlagene Musiker am Werk sind und es nicht von ungefähr kommen konnte, dass die Jungs bereits mit so bekannten Truppen/ Künstlern wie Buckcherry, Wishbone Ash oder Adrian Belew (langjähriger Sänger und Gitarrist von King Crimson) die Bühne teilten.

Wenn die Plattenfirma der Band dann auch noch einen so renommierten Produzenten wie David Bottrill an die Seite stellt, beweist dies ebenfalls, dass man große Stücke auf die Formation hält, denn der Mann arbeitete bereits mit Acts wie Tool, Peter Gabriel, Muse, Mudvayne, Stone Sour, Placebo und The Smashing Pumpkins zusammen. Eine lange Liste zum Teil sehr unterschiedlicher Bands, was impliziert, dass The Sixxis viele verschiedene Einflüsse haben und sich Genre-technisch gerne zwischen den Stühlen positionieren.

Tatsächlich schimmern auf dem Erstling der Amerikaner sowohl Prog-Rock- als auch Heavy-Metal- und Grunge-Einflüsse durch. So steht beim Opener „Dreamers“ ein mäanderndes, jedoch sehr eingängiges Mainriff zu Buche, über dem die ätherisch-elegischen Vocals von Frontmann Vladdy (der im Übrigen auch Geige spielen kann) schweben, der hier mit melancholischen Gesangslinien aufwartet, deren Höhepunkt sich im mit einer gewissen dramatischen Note versehenen Refrain wiederfindet. Die Art zu singen hat – nicht zuletzt, weil der Gesang nicht selten gedoppelt wurde – durchaus ein bisschen was von Alice In Chains.

Die großen Seattle-Grunger stehen ganz klar auch im etwas markigeren, härteren „Long Ago“ Pate – streckenweise erinnert das Ganze entfernt an „Man In The Box“. Aber das sind letztlich nur ganz normale Assoziationen und Querverweise, wie man sie gerade bei neuen Bands immer hat; The Sixxis sind mit Sicherheit keine Copycats. Vielmehr verstehen sie es schlichtweg gut, kraftvolle Heavy-Metal- mit melancholisch angehauchten Grunge-Elementen zu kreuzen und dabei trotz aller technischen Finesse stets darauf zu achten, den Song als solchen nicht aus den Augen zu verlieren – die überschaubaren Songlängen legen dies bereits nahe. So bildet meist ein melodischer Refrain den Höhepunkt, wie besonders beim saustarken Chorus des kurzen und knackigen „Home Again“ deutlich wird.

Wo aber bleiben nun die ebenfalls angesprochenen progressiven Versatzstücke? Nun, im Prinzip hat die Band diese ganz clever eher unterschwellig integriert: Beispielsweise im behutsam aufgebauten, unheilschwangeren „Forgotten Son“, wo auf den Refrain eher langsam hingearbeitet wird, oder in „Waste Of Time“, das zwar auch eher kurz ausgefallen ist, dessen Arrangement sich schließlich allerdings als weitaus komplexer erweist, als es sich nach einem Durchgang anhören mag (man achte nur mal auf das Schlagzeug). Hier packt Sänger Vladdy auch das erste Mal die Violine aus, was einen netten Farbtupfer bedeutet, mal abgesehen davon, dass es eine Wohltat ist zu hören, dass es im Metalbereich auch noch Leute gibt, die dieses Instrument tatsächlich beherrschen und nicht so klingen lassen, als wäre man einer Katze auf den Schwanz getreten.

Auch im Instrumental „Coke Can Steve“ kommt der Hörer in den Genuss der Fiedel; und auch in diesem facettenreichen Stück wurde die Geige sehr songdienlich und akkurat eingebaut. Überhaupt handelt es sich erneut um ein schlau konstruiertes Arrangement, bei dem durchaus technische Kabinettstückchen zum Tragen kommen, ohne aber den Fluss zu stören oder penetrant zu wirken.

Mit „Weeping Willow Tree“, das wiederum leichte Assoziationen mit Alice In Chains, aber dank der Dobro-Gitarre auch mit Southern Rock erweckt, wird die Platte passend beendet und es bleibt abschließend festzustellen, dass in The Sixxis großes Potential schlummert. „Hollow Shrine“ ist ein mehr als respektables Debüt einer Band, die schon sehr weit ist und ihren eigenen Sound bereits weitestgehend gefunden hat. Die Stärke der Truppe liegt bei allem handwerklichen Können in eingängigen Melodien, die meist ziemlich melancholisch ausgefallen sind, wenn nicht gar einen elegischen Unterton besitzen. Vielleicht ist es auch  letzterer Tatsache geschuldet, dass es ein paar Rotationen braucht, um die Melodien tatsächlich freilegen zu können. Es fehlt hier und da noch ein wenig die Leichtigkeit, das gewisse Etwas, aber interessant ist das Atlanta-Quintett in jedem Fall und es bleibt abzuwarten, was da noch so kommen wird.

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