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The Sea Within: The Sea Within

Vielfältiges Album mit ein paar kleinen Längen
Wertung: 8/10
Genre: Progressive Rock
Spielzeit: 77:19 (50:44/26:35)
Release: 22.06.2018
Label: InsideOut

Mit The Sea Within hat sich wieder einmal eine Allstar-Band gebildet – gerade im progressiven Bereich keine Seltenheit: Gitarrist und Sänger Roine Stolt von den Flower Kings, Daniel Gildenlöw, seines Zeichens Chefstratege, Frontmann und Gitarrist bei Pain Of Salvation, Drummer Marco Minnemann (u.a. The Mute Gods, ex-Steven Wilson), Tastenmann Tom Brislin sowie Jonas Reingold am Bass (ebenfalls bei den Flower Kings aktiv), formieren ein interessantes und vor allem natürlich aus extrem talentierten Musikern bestehendes Line-up, auf dessen ersten Release viele Prog-Heads sicherlich schon seit der ersten Ankündigung sehnsüchtig warten.

Da Bescheidenheit bekanntlich eine Zier ist, will die Truppe – wie meistens der Fall – jedoch keineswegs als „Supergroup“ bezeichnet werden; man sei einfach zusammengekommen, „um ein einzigartiges Album zu kreieren“, wie es im Promoschreiben heißt. Tatsächlich war jedes Bandmitglied an mindestens einem Song kompositorisch beteiligt, sodass verschiedenste Einflüsse zugrunde liegen und das selbstbetitelte Debütwerk somit abwechslungsreich und facettenreich tönt. Die typischen Siebziger-Prog-Rock-Elemente treten dabei schon am deutlichsten hervor, wie man es irgendwie auch erwartete – Fans von Legenden wie Yes, alten Genesis oder King Crimson oder auch des Canterbury-Sounds werden also bestimmt auf ihre Kosten kommen.  

Logischerweise treten auch viele Flower Kings- oder hier und da auch Pain Of Salvation-Anleihen zu Tage, dennoch steht der Sound der Band definitiv auf eigenen Beinen – allein durch die interessante Einheit, die Daniel Gildenlöws betörender Gesang in Kombination mit Roine Stolts spritzigem Gitarrenspiel und Marco Minnemanns unverkennbarem, sowohl kraftvollem als auch grazilem und kreativem Drumming bilden. Die Produktion tönt warm und organisch, auf Atmosphäre und Songwriting wird erfreulicherweise mehr Wert gelegt als auf die Zurschaustellung technischer Fähigkeiten.

So fällt auch lediglich „Broken Cord“ mit seinen 14 Minuten Länge aus dem Rahmen; hier stechen die Prog-Roots der Protagonisten mittels der sehr unterschiedlichen Parts am deutlichsten hervor: Nach einem ziemlich Beatles-mäßigen Beginn entwickelt sich die Nummer in eine epische Richtung inklusive ausgiebigem Instrumentalpart, die an ähnlich gelagerte Bands wie Transatlantic erinnert, wo Stolt und als Gast auch Gildenlöw ja ebenfalls beteiligt sind. Mit Ex-Yes-Sirene Jon Anderson kann man hier einen prominenten Gastsänger vorweisen, trotzdem hat der Track ein paar Längen, zweifellos hat es schon spannendere Longtracks gegeben.

Weitaus gelungener stellt sich da das von Marco Minnemann verfasste „An Eye For An Eye For An Eye“ dar: Die mit Abstand härteste Komposition groovt amtlich und wandelt sich ab der Mitte scheinbar mühelos in eine Jazz-Nummer mit verspielten Pianoläufen und tollen, filigranen Basslinien. Seine Wirkung entfaltet das Stück allerdings auch dadurch, dass es mit seinem kernigen Rockriff am Anfang einen immensen Kontrast zum vorigen, eher balladesken, behutsam aufgebauten „The Void“ markiert.

Apropos Ballade: Eine solche findet sich auch mit dem wundervoll melancholischen „They Know My Name“ wieder, das aus der Feder von Keyboarder Tom Brislin stammt, das herrlich eindringlich von Gildenlöw eingesungen wurde, und mit seiner Leichtfüßigkeit wiederum im Gegensatz zum recht heavy tönenden Opener „Ashes Of Dawn“ steht, der mit einer sehr geilen Fusion-artigen Passage in der Mitte überrascht, bei der sich mit Rob Townsend (u.a. Saxophonist und Flötist bei Steve Hackett) ein weiterer Gast am Sopransaxophon die Ehre gibt.

Besuch im Studio erhielt man des Weiteren in Gestalt von Flying Colors-Fronter Casey McPherson, der beim auf einem smoothen Hammond-Orgel-Groove basierten „Goodbye“ sowie dem erwähnten „Broken Cord“ und dem abschlussbildenden „The Hiding Of The Truth“ (bei dem außerdem Dream Theaters Keyboard-Wizard Jordan Rudess über die Tasten flitzt) am Mikro zu hören ist. Letzteres plätschert etwas harmlos daher, sodass das Album zum Ende hin, gemeinsam mit dem nicht zu hundert Prozent überzeugenden Longtrack, leider ein paar Schwächen aufweist.

Immerhin gibt es noch eine Bonus-CD, die mit dem locker-flockig groovenden „The Roaring Silence“ einen sehr viel Spaß machenden Song beinhaltet, auch das schleppendere „Time“ mit seinem starken Ohrwurm-Refrain darf getrost äußerst gelungen genannt werden, während mit „Denise“ erneut eine Ballade zu Buche steht, die eine feierliche Stimmung transportiert und somit klar stärker einzuschätzen ist als das etwas zahnlose „The Hiding Of The Truth“.

Alles in allem ein solides Debüt – bei dem unfassbaren Namedropping hätte man vielleicht noch mehr erwarten können; es ist nicht immer alles Gold was glänzt, doch wirklich enttäuscht sollte keiner sein, allein weil sich „The Sea Within“ wie eingangs erwähnt zumindest als vielfältig entpuppt. Außerdem sind 77 Minuten Länge schon ordentlich; angesichts solch hoher Quantität kann man ein paar kleine qualitative Schwächen sicherlich verzeihen und guten Gewissens noch acht Punkte vergeben.

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