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The Scams: Rock And Roll Krematorium

Ein schwacher Start, dann folgen einige Kracher
Wertung: 7/10
Genre: Rock'n'Roll
Spielzeit: 34:12
Release: 14.10.2011
Label: Lightning Productions

In schönster Regelmäßigkeit buddeln sich Bands ans Tageslicht, die die Fahne des wahren Rock’n’Roll hoch halten wollen, bis ihnen die Arme abfallen. Dabei wird Wert gelegt auf dicke Eier, lange Haare, flauschige Bärte und meist simple, aber gut gemachte Rocksongs. So geschehen auch bei den Schweden The Scams die heuer mit „Rock And Roll Krematorium“ ihren zweiten Longplayer vorlegen – wurde auch höchste Eisenbahn, denn die Erstlings-EP „Noise Booze'N'Tattooz“ sowie das Debütalbum „One Night Of Mayhem“ haben immerhin beide schon vier Jahre auf dem Buckel.

Schon der Albumtitel lässt auf etwas Ähnliches wie beispielsweise die Misfits hoffen; ganz so provokant zeigen sich Scams dann aber auch wieder nicht, liefern dafür eine gute halbe Stunde soliden Rock mit interessanten Arrangements ab. Hin und wieder hauen die Herren um Sänger und Gitarrist Daniel Kvist auch mal so auf die Pauke, dass einem der Track noch Stunden später im Trommelfell nachvibriert. Dabei zeigen sich die vier Schweden nicht unbedingt innovativ: Bratende Gitarren gibt’s auch anderswo und auch die Drums sind nicht wirklich neu, ganz abgesehen von Titeln wie „Shoot To Kill“ oder „Fuck Like A Priest“ (zu dem mir spontan mindestens fünf reichlich platte Witze einfallen würden, aber das soll ja hier nicht Thema sein) und der klassischen Besetzung mit Bass, Drums und zwei Gitarren.

So gesehen sind Scams nichts Besonderes und auch der Opener „Black Widow“, zu dem bereits optisches Futter in Form eines Videos geliefert wurde, reißt noch nicht so wirklich vom Hocker. Kvist klingt ein bisschen, als wäre es aus den Siebzigern entflohen, aber da kommt immerhin der beste Rock’n’Roll her, also kann das so schlecht nicht sein. Trotzdem: Der Rhythmus ist zu durchgenudelt, der ganze Song schreit geradezu „Schick mich zurück ins Jahr 1978!“ Mal sehen, was da noch kommt.

„Die Tonight“ startet ein bisschen enthusiastischer und mit leicher Punk-Attitüde, kommt aber immer noch nicht so recht aus dem Quark. Erst das direkt folgende „Devil In You“ mit psychedelisch angehauchten Gitarren und extra-tiefer Stimme rutscht ganz nach oben auf der Liste der Anspieltipps. Nicht nur, dass der Track einen geilen Beat hat, Kvists Stimme kommt hier auch endlich mal richtig und in mehr als einer Tonlage zur Geltung.

„Killer Machine“ ist dann ein weiterer Reißer, den man so schnell nicht mehr aus dem Ohr bekommt. Allein die Gitarre im Intro wird bei Luftgitarristen weltweit Sehnenscheidenentzündugen hervorrufen, ganz zu schweigen von dem mitreißenden Refrain, der sich zwischen Hard Rock und Heavy Metal einpendelt. Mit „When Day Turns To Night“ haben Scams gar eine Halbballade abgeliefert: zu Anfang dominiert Daniels leicht verzerrte und eine Spur zu quäkige Stimme, unterlegt mit langsamen Drums und einer gezupften Gitarre, bevor die Instrumentalfraktion sich in rockigere Sphären hochschaukelt. Obwohl die Stimme tatsächlich ein wenig stört, kommt man um eine Gänsehaut nicht drumherum.

Zwar hat die Platte verhältnismäßig schwach gestartet, haut dann aber mit Krachern wie „Devil In You“ alles wieder raus. Dafür, dass Scams eigentlich nicht viel Neues bieten und auch vor Experimenten zurückschrecken, bieten die Herren auf ihrem neuen Album wirklich eine gute Show. Eine Bewertung von sieben Punkten ist zwar durchaus noch ausbaufähig, hievt die Jungs aber zumindest mal in die obere Hälfte der Skala.

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