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The Real McKenzies: Beer And Loathing

Es könnte alles so schön sein, wenn es nicht doch einen kleinen Haken gäbe
Wertung: 8/10
Genre: Folk, Punk-Rock
Spielzeit: 36:03
Release: 03.07.2020
Label: Fat Wreck

Wer kennt dieses Gefühl nicht, wenn bei Nennung eines Bandnamens augenblicklich ein grenzdebiles Grinsen ins Gesicht schießt, was sich eigentlich mit nichts wirklich erklären lässt. In diesem Fall nicht mal mit einer überirdischen Discographie, vielmehr werden die meisten Punkrock-Fans vielleicht nur eine Pflichtscheibe der The Real McKenzies im Plattenschrank haben. Zwangsläufig verbindet man die Herrschaften allerdings mit ungestümen Konzertaugenblicken, Lebensfreude, Spiellaune und diesem Hauch von Bierseligkeit, den die Kanadier live bis zum Abwinken zelebrieren – und spätestens bei einem dieser Augenblicke dürfte auch jeder Zuschauer erfahren haben, was der Schotte unter dem Kilt trägt. Nun ist im Moment konzerttechnisch an recht wenig außerhalb von Autos oder Picknickdecken zu denken, dafür schickt der Folk-Punk-Sechser mit „Beer And Loathing“ etwas Licht in den Corona-Bunker.

Wen wundert es also, dass schon der erste Song direkt als Opener eines Live-Gigs bestens funktionieren würde: „A Widow’s Match“ bietet nicht nur einen eindrucksvollen Start ins Album, sondern würde eben auch als mächtiges Intro beim Konzertstart bestens funktionieren, kommen doch die Dudelsäcke hymnisch zum Tragen, währenddessen die Saitenfraktion einen klopfenden Groove beisteuert, bei dem schon mal das erste Beben vom Silberling dröhnt. Entgegen jeglicher Annahme geht es zu „Overtoun Bridge“ weiterhin recht gemächlich zu, glücklicherweise wird der hier aufkommende Schunkelmodus recht bald vom titelgebenden Song aufgemischt und das Album nimmt nun gehörig an Fahrt auf.

Der Folk-Anteil gerät allerdings recht häufig ins Hintertreffen, wirklich dominant ist er nur noch bei „Cock Up Your Beaver“ und dem Outro „A Seafarer’s Return“ zu spüren. Bei der Midtempo-Nummer „Whose Child Is This“ vereinigen sich allerdings die Folk- und Punkkomponenten zu einem überzeugenden Ganzem, selbst wenn der Refrain mit seinen ständigen Wiederholungen durchaus noch etwas ausbaufähig wäre. Dies sollte man aber nur als kleinere Kritik verstehen, der Haken liegt leider bei den schnelleren Stücken: Denn gerade bei Tracks wie „Death Of The Winnipeg Scene“ oder „The Cremation Of Sam Mcgee“ muss man bedauerlicherweise feststellen, dass Frontmann Paul McKenzie stimmlich doch komplett zurückhängt. Dass diese Songs trotzdem so weit in der Hörergunst oben stehen, ist vor allem ihrem Drive und den sich ständig positiv in Szene setzenden Gitarren zu verdanken. Man mag sich an dieser Stelle gar nicht wirklich ausmalen wollen, wie die Titel explodieren könnten, wenn Paul hier noch den entsprechenden Druck mitbringen und nicht zu weiten Teilen dem Rest etwas hinterherhecheln würde.

Aber selbst wenn man diesen Punkt als absolutes Minus verbuchen muss, gelingt den Kanadiern mit „Beer And Loathing“ eine mehr als ansprechende Scheibe, zumal sie mit „Nary Do Gooder“ noch eine echte Mitgröl-Hymne abliefern. Der Rest ist einfach mal gut und abwechslungsreich gestaltet, sicher könnte der Sound noch etwas klarer sein, aber andererseits passt das rohe Klangbild irgendwie doch gut. Letztlich zaubern The Real McKenzies einen rund dreißigminütigen Dauerspaß auf die Scheibe, insofern werden sie den Erwartungen eben doch gerecht.

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