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The Pussybats: Miss Purgatory

Weg vom Vampir, hin zum Rocker
Wertung: 8/10
Genre: Goth'n'Roll
Spielzeit: 24:0
Release: 30.11.2005
Label: Eigenproduktion

Was macht die Goth’n’Roll-Szene? Nach dem Lied über sommerlichen Alkoholgenuß hörte man nichts mehr von Ville Valo. The Rasmus sind irgendwo hinter Finnlands Seen verschwunden. Negative kommen erst wieder im Herbst nach Deutschland - und die 69 Eyes spielen mittlerweile mit Tool und Tocotronic auf irgendwelchen Festivals. Schlussfolgerung: Momentan sieht der Markt eher rar aus. Und was noch viel schlimmer ist: Eine deutsche Band ist in der Aufzählung gar nicht vertreten. Die Lösung für beide Probleme besteht knapp ein Jahr, kommt aus Stuttgart und hat schon mit den ganz Großen gespielt: Die Rede ist von den Pussybats, deren erste Demo-CD Appetit auf mehr macht!

Mike Night, Marple 8, Sid van Sin und Roy Rock kommen aus Stuttgart und haben bereits so einiges erreicht: Letztes Jahr gewannen sie den “Battle of the Bands 2006”-Wettbewerb, der europaweit Musiknachwuchs suchte. Es folgten einige Samplerbeiträge (“Gothic Spirits 5”, Orkus, Sonic Seducer uvm.). Als Höhepunkt darf man wohl den Auftritt auf dem Wave Gothic Treffen dieses Jahr in Leipzig werten, bei dem sie zusammen mit The 69 Eyes und Zeraphine auftraten. Weitere Projekte waren die Beiträge zum Soundtrack des Horrorfilms “One By One” (www.dvdmedia.de) oder zum Comic Penebra von Oscar Alcardo.

Die Band selbst beschreibt ihre Einflüsse von AC/DC über die Sisters of Mercy bis hin zu den Backyard Babies. Von Letzteren hört man nicht viel auf Miss Purgatory - vielleicht äußert sich dieser Einfluss aber in den gelungenen, allesamt hitverdächtigen Melodien. Die sind fast verschwenderisch gebraucht, beginnend schon beim Opener “Miss Purgatory”, das wirklich alle Zutaten für einen Ohrwurm enthält - was wohl der Grund ist, dass zu diesem Song das zweite Video gedreht wurde, das am 1. September erscheint. Coole Gitarrenriffs treffen auf die richtige Portion Drums und kreieren um den Gesang Sids eine Melodie, zu der man mitwippen will. Wobei wir gleich auch beim einzigen Manko der CD wären: Der Gesang. Für meinen Geschmack ist der nämlich viel zu tief und so dunkel klingend habe ich den Sänger beim Castle Rock-Auftritt dieses Jahr auch gar nicht in Erinnerung. In dieser Tonlage kann man jedenfalls auch problemlos Black Metal verkaufen und vor allem bei langsameren Liedern wie “Scary Fairy” oder “Sweet Christine” hört man das leider viel zu deutlich. Ville Valo ist Sinnbild der Whisky-Stimme, aber Ville Valo singt nicht permanent tief!

Abgesehen davon sind beide Lieder auf ihre rockige Weise bezaubernd. Wer auch immer das Piano in “Scary Fairy” programmierte, bewies ein Talent für unauffällige Melodieführung, so perfekt harmoniert es mit den übrigen Instrumenten. Auch “Sweet Christine”, die fast schon obligatorische melancholische Ballade, die in keinem Repertoire fehlen darf. Ebenfalls eine Aufgabe, die das Quartett problemlos und überraschend professionell löst.

Eine ganz andere Nummer sind hingegen Kracher wie “My Name is Pain” (umwerfende Gitarre!), der einzig inhaltlich vielleicht nicht jeden sofort anspricht, und “The Banshee Blues”. Nur Luftgitarrespielen ist schöner!

Den hidden Track darf jeder selbst suchen, ich verspreche, dass es sich lohnt: Sid klingt in den Strophen manchmal schon so befreit und natürlich, wie man es sich für die ganze CD wünscht.

Alles in allem ist “Miss Purgatory” wohl eines der vielversprechensten Demos des Jahres. Auch wenn sie nach wie vor in die typische Goth’n’Roll-Schublade gesteckt werden und Vergleiche mit HIM oder anderen Szenegrößen nicht ausbleiben - die Pussybats haben auf diesem zweiten Demo hörbar ihren Spund gefunden: Weg vom Vampir, hin zum Rocker, aber immer noch mit mehr als genug Biss. Ich denke, wir dürfen auf mehr von der Band mit den tanzenden Teufeln hoffen. Meine Stimme haben die Stuttgarter.

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