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The Puritan: Lithium Gates

Schwärzer, fieser und langsamer geht's kaum noch
Wertung: 6.5/10
Genre: Doom Metal
Spielzeit: 67:33
Release: 06.02.2009
Label: Spikefarm Records / Soulfood

Ein interessanter Bandname, den diese finnische Formation, unter der sich auch Albert Witchfinder von Reverend Bizarre befinden soll, da gewählt hat. Bekanntermaßen sind die Puritaner eine Strömung christlicher Fanatiker, die im 16. Jahrhundert in Großbritannien als eine Art Gegenbewegung zur römisch-katholischen Kirche entstand und nach außen hin wirkte, als könne sie kein Wässerchen trüben, sich letztlich jedoch so stark in ihren religiösen Wahn hineinsteigerte, dass sie alles Weltliche als Teufelswerk ansah und keinerlei andere Religionsausübung als ihre eigene akzeptierte.

Letzteres war wohl auch ihre Rechtfertigung für die Vernichtung der amerikanischen Ureinwohner – der „heidnischen Barbaren“ –, nachdem man etwa ab Beginn des 17. Jahrhunderts begonnen hatte, in die „neue Welt“ auf der anderen Seite des großen Teiches überzusiedeln.

Wenn man sich also nach solch einer religiös verblendeten, weltfremden und damit auch gefährlichen Gruppierung benennt, kann dabei sicherlich keine positiv klingende Musik entstehen. Und genau so ist es: The Puritan sind, wenn ich das mal so salopp ausdrücken darf, doom as fuck.

Dunkler, schwärzer, fieser und gemeiner kann man wirklich nicht mehr klingen. Unheimlich zähflüssig und langsam zieht sich diese fast 70-minütige Quasi-Debütscheibe – laut eigener Aussage eine Zusammenfassung der beiden EPs „The Puritan“ und „The Black Law“ von 2006 bzw. 2008 – der Finnen dahin. Schon beim Intro „Opposite The Fireplace – The Wall Of Shotguns“, welches an sich nur drei Minuten lang ist, wird die Akkordfolge quälend oft wiederholt, sodass dem Hörer gleich klar gemacht wird, was er hier zu erwarten hat.

Und genauso geht es dann auch weiter: Beim neunminütigen „The Stars Above Us Are All Evil“, dem Elfminüter „The Sepulchral God Holding A Speech For The Moribund“, dem äußerst eigenwilligen „The Touch Of Kindness Knows No Kingdom“, bei dem ein einziges Riff fünf Minuten in einer Schleife wiederholt wird, während im Hintergrund eine Frau stöhnt und weint, und dem Abschlusstrack „The Blue And Purple Lesson In Love“ (ja, sämtliche Titel dieser Platte haben solche langen, seltsamen Namen, die sich kein Schwein merken kann) wird man vor enorme Geduldsproben gestellt. Es ist wohl klar, dass man für derartige Musik in der Stimmung sein muss und ich muss ganz ehrlich sagen, obwohl ich Bands wie Mourning Beloveth, My Dying Bride, Candlemass, Solitude Aeturnus, Morgion, Trouble und natürlich Black Sabbath durchaus schätze und ganz gerne Doom höre, sind mir The Puritan dann doch ein wenig zu langsam.

Unstrittig ist jedoch, dass die Band es versteht, pechschwarze Atmosphäre aufzubauen und Stücke wie das an fünfter Stelle stehende Instrumental „Those Who Sow In Tears Shall Reap In Joy“ mit seinem wehklagenden, todtraurigen Zusammenspiel von Bass und Gitarre oder das spacige „Why Did You Say That Summer Was Dying?“ wissen zu gefallen, ebenso wie ein plötzlicher noisiger Ausbruch der Marke „Is It Your Own Decision To Respect Life“ zu überraschen in der Lage ist, aber jedem sollte bewusst sein, dass hier ein ganz harter Brocken vorliegt.

Subjektiv betrachtet passiert mir hier also etwas zu wenig, so atmosphärisch-verstörend das Ganze auch sein mag, aber echte Doomfanatiker werden diese Scheibe kaum ignorieren können.

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