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The Psyke Project: Apnea

Apnea - Episches Chaos?
Wertung: 9/10
Genre: Sludge, Hardcore, Metal
Spielzeit: 56:6
Release: 30.06.2008
Label: Lifeforce Records

Dass die Skandinavier nicht nur Hymnen für met-trinkende, langhaarige Drachentöter und Wikinger, sondern auch astreinen Hardcore fabrizieren können, wissen wir seit Raised Fist aus Schweden und den dänischen Mannen von Barcode. Deren Landsmänner von The Psyke Project, die neue Hoffnung Dänemarks zelebrieren dagegen Hardcore von der anderen Sorte. Fernab des 0815-Powerchord-Hardcore begeben sie sich auf die Spuren von Bands wie Converge, progressiv und aggressiv, was eine recht interessante Mischung ergibt. Nach eher atmosphärischen Klängen bricht da schon einmal aus heiterem Himmel ein derartiges Noisecore-Gewitter hervor, dass einem Hören und Sehen vergeht.

Nach ihrem Debut „Samara“ 2003 und dem Nachfolger „Daikini“ 2005, lassen sie jetzt 2007 ein neues Monster namens „Apnea“ auf die Menschheit los.

Na dann, rein mit der Platte.

Der Opener „The Voice Of Commandment“ beginnt mit ruhigen instrumentalen Klängen, steigert sich jedoch langsam und geht in eine Soundwand über, die einen förmlich wegbläst. Chaotisch und episch? Ein Widerspruch? Nein, definitiv nicht.

Sänger Martin Nielskov brüllt sich die Seele aus dem Leib als würde er mit dem Tod ringen, während die Gitarren zwischen Chaos und atmosphärischen Klängen wechseln. Beeindruckend. Die Ähnlichkeit zu Neurosis ist dabei nicht zu überhören.

Track Nummer 2 erinnert da schon eher an Hardcore, jedoch auch nur im entferntesten Sinne.

Im krassen Gegensatz dazu steht „Panic“, das sofort mit ohrenbetäubendem Noise-Chaos aus den Boxen schiesst. Converge lässt grüssen, auch bei „Creating Landscapes“, wobei sich die Frage stellt welche Landschaften sie denn kreieren, wenn eh alles in Schutt und Asche gelegt wird. Anfangs überschlägt sich Drummer Rasmus Sejersen förmlich, dann wird das Tempo zurückgeschraubt und der Track geht in einen epischen Instrumental-Part über, der langsam ausklingt.

Bei „Physikal Romance“ ersetzen erstmals melodische Klänge die sonst so dissonanten Riffs, was aber nicht bedeutet, dass diese minder druckvoll aus den Lautsprechern dröhnen.

Thrashig und daher eher ungewöhnlich klingt das Riffing von „Dedication“, bringt aber etwas mehr Abwechslung in das Ganze. Stark sind auch die schleppenden Downtempo-Parts und der finale Mosh.

„Love Shown In A Handful Of Dirt“ beginnt mit einem straighten, wunderbar dissonanten Riff und mündet dann in das gewohnte Chaos à la Norma Jean. Sänger Martin wechselt dabei zwischen wahlweise zwischen Wut und Verzweiflung, alles in allem pure Aggression. Nach einem kurzen cleanen Zwischenspiel, man macht sich schon auf den nächsten Song gefasst, ebbt das Chaos erneut auf und geht dann in ein kurzes nervtötendes, psychedelisches Solo über. Mit der Zeit wird es anstrengend.

Der nächste Song strotzt nur so vor Energie, mit wuchtigen Double-Bass-Einsätzen; interessant sind dabei auch die nicht sofort eindeutig zu differenzierenden Rhythmen.

Wütende Vocals, die sich zum Schluss von Clean-Shouts zu fiesem Brüllen steigern, sorgen dafür, dass sich die immer wiederholten letzten zwei Zeilen förmlich ins Gehirn einbrennen. „Poems Written By Kings“ zählt dadurch eindeutig zu den stärksten Songs der Scheibe, wird jedoch sogleich vom schwächsten gefolgt, der zu allem Überfluss auch noch 9:31 Minuten dauert.

Eine komplette Überraschung ist der Schlusstrack „Not In My Time“, der komplett auf Shouts und fiese Riffs verzichtet und stattdessen auf Gesang und überwiegend unverzerrte Gitarren setzt und dem Album mit einem etwas merkwürdigen A-Capella Gesang ein Ende setzt, was mir insgesamt nicht so wirklich gefallen will. Dann doch lieber die fiese Variante.

Insgesamt ein echt ausgefallenes Album, das trotz der ausgefallenen Songstruktur, sowie den manchmal etwas anstrengenden Chaos-Ausbrüchen zu überzeugen weiss. Tue Madsen (Cataract, The Haunted) hat wieder einmal das richtige Händchen gehabt und das Album produziert wie es sein soll: Druckvoll. Mehr lässt sich dazu nicht sagen.

Für Fans von Converge und Neurosis definitiv empfehlenswert, Leute die eine Standard-Hardcore-Scheibe erwarten, sollen allerdings gewarnt sein. Es ist nicht immer das drinnen, was draufsteht und für mich ist es das in diesem Fall nicht. Sludge trifft da schon eher zu. Wie auch immer, wie gesagt, die Mischung hat es in sich.

In Dänemark werden die Jungs für „Apnea“ schon hoch gefeiert und langsam schwappt die Welle auch nach Europa über.

Im Februar 2008 bekamen sie einen Plattenvertrag bei Lifeforce Records und November dieses Jahres werden sie in den Götheburger Fredman Studios ihr viertes Album einprügeln.

Von den Jungs wird man mit Sicherheit noch hören.

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