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The Oblyvion: Amygdala

Drei Jahre Warten haben ein Ende
Wertung: 10/10
Genre: Modern Melodic Death Metal
Spielzeit: 43:28
Release: 20.03.2020
Label: Eigenproduktion

Lang, lang hat‘s gedauert und das Warten hat noch kein Ende: Offiziell kommt das Debütalbum des Metalzusammenschlusses The Oblyvion (ehemals The Oblivion, für diejenigen, die unsere News nicht regelmäßig verfolgen) erst am 20. März raus, bei der demnächst stattfindenden Releaseshow am 22. Februar im kuschligen Weinheimer Café Central kann man die – nebenbei bemerkt wunderhübsche – Vinyl aber bereits abstauben. Unfassbar lange drei Jahre ist das erste Lebenszeichen der Truppe um ehemalige Mitglieder von Cypecore, Mindead und Sophicide jetzt her, seitdem war aber tatsächlich jeder Schlag ein Treffer, jeder Soundschnipsel wurde gierig aufgesogen, jede Single wusste mehr zu begeistern als noch die vorherige und beim Livedebüt auf dem Fallen Fortress Festival 2019 konnte die Truppe dann auch live überzeugen. Höher kann man die Latte eigentlich nicht legen – schauen wir uns also an, was die Platte in ihrer Gesamtheit so kann.

Und was soll man sagen? Eine Band, die es bei der Schreiberin dieser Zeilen geschafft hat, drei Jahre an die Spannung hochzuhalten und durchweg zu begeistern, kann eigentlich kaum mehr etwas verpatzen. Trotzdem bleibt die Nervosität vor dem ersten Durchgang: Fallen die Songs nicht so gut aus wie erwartet, muss man sich an der Releaseshow ein Lächeln ins Gesicht tackern. Den Weg der Mittelmäßigkeit scheinen The Oblyvion entweder gar nicht zu kennen oder nur unter Gewaltandrohung beschreiten zu wollen, da geht dann nach dem ersten halben Durchgang schon mal ein Aufatmen durch die heimischen vier Wände: „Amygdala“ ballert. Und zwar heftig.

Dabei wird nicht auf stumpfes Doublebassgewitter gezählt, stattdessen schweben an allen Ecken und Enden filigrane und filigranste Samples durch den Äther, bombastische Refrains wie bei „Black Orchid“ paaren sich mit Tracks wie dem bärenstarken „New Messiah“, dessen Text sich von Mal zu Mal hartnäckiger ins Hirn meißelt und das mit der Nachfolgeveröffentlichung „Losing Gravity“ zu den stärksten Tracks zählt, die das Jahr 2017 gesehen hat – beide Tracks befinden sich seit Veröffentlichung im privaten portablen Soundsystem und werden mindestens einmal wöchentlich abgefeiert. Da kommt außerdem ein „Intro“ daher, dass mit gerade mal zweieinhalb Minuten mehr Druck aufbaut als so manches Album in der Gesamtspielzeit, und dann liefern die Jungs direkt im Anschluss auch noch eine Abrissbirne namens „Praying Mantis“ (eh super für Insektenfans), bei der vor allem in den Strophen ziemlich ordentlich das Gaspedal malträtiert wird.

Richtig aus dem Rahmen fällt dann das dynamische „Infinite Youth“, das sich mit unbändigen Rock‘n‘Roll-Rhythmen durch die Lautsprecher boxt und bei dem Sänger Attila sich mal auf eine ganz andere Art und Weise abrackern muss – auch hier wieder ein Refrain, der kaum die Beine stillstehen lässt. Auf Platte ein Abräumer, live sicherlich ein Garant für ordentlich Action.

„Amygdala“ bietet nicht einen Song, der unter dem Niveau der unwahrscheinlich starken Vorabsingles bleibt. Hier präsentiert sich eine Band mit einem unfassbar mitreißenden Album, das trotz aller Härte und der dem Melo-Death eigenen kühlen Sterilität mit absolut berührenden Texten punkten kann, die einem zeitweise fast das Wasser in die Augen treiben. Das Jahr 2020 ist noch jung, aber hier handelt es sich definitiv bereits um eines der Alben des Jahres – danke, The Oblyvion!

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