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The Night Flight Orchestra: Sometimes The World Ain't Enough

Party like it's the Eighties!
Wertung: 9/10
Genre: Hard Rock / Glam Rock / AOR
Spielzeit: 58:12
Release: 29.06.2018
Label: Nuclear Blast

„Some of you may think: what the fuck is this?“, waren Björn „Speed“ Strids Worte beim Auftritt von The Night Flight Orchestra auf dem Rock Hard Festival 2017, wo die Schweden zwischen den zahlreichen Metalbands einen ziemlichen Exotenbonus innehatten. Sicherlich werden sich viele diese Frage gestellt haben, die Speed vor allem von seiner Tätigkeit bei Soilwork kennen, und sich dann zum ersten Mal TNFO reinziehen – jene Verbindung dürfte wohl auch der Grund sein, weswegen die Band überhaupt bei einem Metallabel wie Nuclear Blast untergekommen ist.

Denn natürlich hat auch das inzwischen vierte Album der Nebenspielwiese von Strid und Co. nicht viel mit Metal am Hut. Vielmehr hat man ein bisschen mehr daran gearbeitet, die Songs noch eingängiger zu gestalten – fast lassen da Ghost ein wenig grüßen, die mit ihrem jüngst herausgebrachten vierten Studioalbum „Prequelle“ ebenfalls die letzten Kanten rundgeschliffen haben. Wer mit der Formation bisher nicht viel anfangen konnte, wird also auch mit der neuen Platte nicht glücklich werden.

Alle anderen, die gerne über den Tellerrand gucken, nicht alles immer so ernst nehmen und gerne auch mal Cheesiness abfeiern, werden hingegen auch an „Sometimes The World Ain’t Enough“ ganz gewiss ihren Spaß haben. Es ist erstaunlich, wie hoch sich die songschreiberische Qualität des Albums darstellt, wenn man bedenkt, dass der Vorgänger „Amber Galactic“ erst im Mai des vorigen Jahres erschienen war. Mag sein, dass die Songstrukturen vergleichsweise einfach gehalten und die Refrains auf Ohrwurmtauglichkeit getrimmt sind und eine Nummer wie „Speedwagon“ erscheint erstmal recht banal, aber allein vom musikalischen Niveau ist das alles einfach wahnsinnig gut gemacht.

Der Opener „This Time“ fällt eher noch in die Kategorie „solide“, doch schon mit dem zweiten Track „Turn To Miami“ hat die Truppe einen ganz starken Hit im Gepäck. Man befindet sich umgehend in den Achtzigern und vor dem geistigen Auge schwebt einem das Bild vor, wie man in einem Cabrio zugekokst an einem Strand in Florida längscruist – und natürlich Don Johnson in „Miami Vice“; gerade das Intro des Songs erinnert an alte Jan Hammer-Soundtrackklassiker, mal abgesehen vom mehrstimmigen, schwelgerischen Refrain, den man spätestens nach zwei Durchläufen begeistert mitsingt.

Die unglaublich leichtfüßige Art, wie die Band AOR, Pop, Glam- und Hard Rock verbindet und mit Disco-Feeling-Atmosphäre überzieht, ist schon einzigartig, und bei aller Vergangenheitsbezogenheit klingt sie immer frisch und nie altbacken, was sich vor allem auch in der modernen und der Musik zu jeder Sekunde gerecht werdenden Produktion und den schlicht fantastischen Melodien niederschlägt. Dabei agiert man dennoch einigermaßen vielseitig: Mal episch wie beim Titeltrack, mal funky wie beim mitreißenden „Paralyzed“, mal einfach nur saucool wie bei „Pretty Thing Closing In“, das durch das hier besonders stark präsente, oben erwähnte Disco-Feeling ein bisschen aus dem Rahmen fällt.

Ähnliches lässt sich auch über „Lovers In The Rain“ sagen, eine balladeske Nummer, die erst nach mehreren Durchläufen wächst, sich mit ihrer schmeichelnden Slidegitarre und den Billy Idol-mäßigen Keyboards aber alsbald einbrennt und trotzdem nie Gefahr läuft, im Kitsch zu ersaufen. Auch das abschließende Epos „The Last Of The Independent Romantics“ (geiler Titel!) sticht schon allein aufgrund der Länge von neun Minuten hervor; hier streifen TNFO progressive Gefilde, präsentieren einen Song mit spannenden Wendungen und agieren mit teils knackigem Riffing ein wenig härter, zudem herrscht im Vergleich zu den anderen Stücken eine etwas schwermütigere und melancholischere Stimmung vor.

In jedem Fall aber ist die Hitdichte enorm: „Moments Of Thunder“ mit seinem völlig simplen Drumbeat atmet Arena-Rock der Marke Survivor – und ob originell oder nicht: um eine regelrecht triumphale Hymne vor dem Herren handelt es sich allemal, genau wie beim zackigen „Can’t Be That Bad“, dem unfassbar lässig groovenden „Winged And Serpentine“ sowie insbesondere dem grandiosen „Barcelona“, das mit geradezu unverschämter Nonchalance glänzt.

Ganz klar muss jeder Fan von The Night Flight Orchestra auch diese Platte unbedingt haben. Ein Ohrwurm jagt den nächsten (bei immerhin zwölf Tracks), wobei die Band eben technisch und musikalisch so gut ist, dass sich trotzdem stets neue Details entdecken lassen – jedes Gitarrensolo und -lick und jede Keyboardstimme ist wohl überlegt platziert und trotz aller Perfektion versprüht „Sometimes The World Ain’t Enough“ Spielfreude und einen unwiderstehlichen Charme, weil man merkt, dass die Herrschaften einfach das machen, worauf sie Bock haben. Außerdem sei die einmal mehr exzellente Gesangsleistung von Björn Strid erwähnt, von dem man kaum glauben würde, dass er in seiner Hauptband auch growlt, wüsste man es nicht besser. Party like it’s the Eighties!

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