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The Mute Gods: Do Nothing Till You Hear From Me

Gutes Debüt der neuen Band um Nick Beggs und Marco Minnemann
Wertung: 8/10
Genre: Progressive Rock
Spielzeit: 59:49
Release: 22.01.2016
Label: InsideOut

Dass Nick Beggs ein musikalischer Allrounder ist, der schon in vielen Bands gespielt hat und auf eine eindrucksvolle Karriere zurückblicken kann, war vielen in der Hartwurstszene möglicherweise gar nicht so bewusst – erst durch seine Kollaboration mit Prog-Genius Steven Wilson, in dessen Band er seit einigen Jahren Bass und Chapman Stick spielt sowie für die Backing Vocals zuständig ist, dürfte sich sein Bekanntheitsgrad auch in metallischen Kreisen erheblich gesteigert haben.

Dabei war er bereits in den Achtzigern vor allem mit der Popgruppe Kajagoogoo äußerst erfolgreich, arbeitete später mit völlig unterschiedlichen Künstlern wie u.a. Megastar Tina Turner, dem früheren Led Zeppelin-Tieftöner John Paul Jones, den biederen Synth-Poppern Alphaville, dem Schlagerbarden Engelbert Humperdinck oder Höschenbefeuchter Michael Bolton zusammen – die Liste ließe sich ewig fortsetzen. In den 2000ern tauchte er auf den Solo-CDs von Ex-Genesis-Gitarrenlegende Steve Hackett auf, bevor ihn dann Steven Wilson für seine Truppe anheuerte, der er bis heute angehört.

Da er selbst ein begnadeter Musiker ist und sich Wilson bekanntermaßen nur mit den Besten ihrer Zunft umgibt, verwundert es nicht so sehr, dass Beggs in Schlagzeuger Marco Minnemann, ebenfalls Teil der Band des Porcupine Tree-Masterminds, einen Gleichgesinnten fand, mit dem er eine neue Band gründete: The Mute Gods, deren Debüt mit dem markigen Titel „Do Nothing Till You Hear From Me“ seit dem 22. Januar erhältlich ist. Als dritter stieß Keyboarder und Gitarrist Roger King hinzu, den er wiederum bei seiner Zeit mit Hackett kennengelernt hatte, und der gleich noch zusätzlich die Produktion der Scheibe übernahm.

Blickt man auf die vielen unterschiedlichen Stilrichtungen, die Beggs in seiner musikalischen Laufbahn bereits alle abgegrast hat und beachtet man die Tatsache, dass er fast das gesamte Material auf dem Album im Alleingang verfasst hat (nach eigenen Angaben hauptsächlich 2014 auf Tour komponiert), müsste den Hörer demzufolge sozusagen zwangsläufig eine stilistisch breitgefächerte, interessante Platte erwarten.

Tatsächlich zeigt sich Beggs’ jüngstes Mitwirken in Wilsons Band ziemlich deutlich, der Einfluss ist unüberhörbar; ähnlich wie eben diesem gelingt es dem Bassisten und seinen Mitstreitern vortrefflich, progressive, poppige und elektronische Elemente zu einem homogenen Ganzen in Einklang zu bringen. Das überirdische Niveau eines Steven Wilson wird sicherlich nicht erreicht, aber Format hat die Angelegenheit zweifelsohne. So vereint beispielweise „Praying To A Mute God“ einen völlig simplen Groove, einen bockstarken, mehrstimmigen, nahezu hymnischen Refrain und gegen Ende einen schrägen King Crimson-artigen Part. Der eröffnende Titelsong seinerseits setzt auf ein Wechselspiel zwischen elektronischen Elementen und schön heavy im Midtempo rockender Strophe plus ebenfalls sehr melodischem, eingängigem Chorus. Bereichernd wirkt sich auch die Idee aus, hier quasi durchgängig mit einer Slide-Gitarre zu arbeiten.

Wesentlich düsterer agiert die Band beim von einem markanten Keyboardriff getragenen „Feed The Troll“ und dem von einem schnarrenden, prägnanten Bassriff eingeleiteten „Your Dark Ideas“. Kein Wunder auch, hatte Beggs doch im Vorfeld von „einer verärgerten Tirade gegen die Dystopie, die wir uns selbst und unseren Kindern geschaffen haben“ gesprochen – mittels Titeln wie den beiden genannten wird dies ja auch relativ klar. Dass The Mute Gods der Humor trotzdem nicht abhandengekommen ist, impliziert allerdings das ruhig gehaltene „Nightschool For Idiots“ – mit Sicherheit bereits jetzt einer der Songtitel des Jahres. Etwas sanfter geht es auch bei „Last Man On Earth“ zur Sache, einer wunderschönen Nummer mit einschmeichelnden Vocals, warmen Keyboardsounds und erneut hübsch mäandernder Slide-Gitarre.

Definitiv die Highlights des Rundlings bilden jedoch „Swimming Horses“ mit Ex-Spock’s Beard-Frontmann Nick D’Virgilio als Gastdrummer, das mit Mellotrons und zum Teil Geddy-Lee-mäßigem Bassspiel aufwartet; ein ziemlich proggiger Song, nicht nur durch das an Genesis erinnernde Orgelsolo, bei dem das Tempo ordentlich angezogen wird, sowie „Strange Relationship“ mit seinem jazzigen Schlagzeug und wiederum sehr hübschen, mehrstimmigen Gesangsmelodien. Auch das orientalisch tönende Instrumental „In The Crosshairs“ darf man als durch die Bank gelungen bezeichnen.

Zusammengefasst legen The Mute Gods mit „Do Nothing Till You Hear From Me“ ein interessantes, abwechslungsreiches Debüt vor, das eigentlich nur mit dem nicht ganz so prickelndem Finale „Father Daughter“ (bei dem ausgerechnet Beggs’ Tochter Lula einen Gastauftritt hat; neben ihr und D’Virgilio treten übrigens noch weitere Musiker wie Adam Holzman und Kim Wildes Bruder Ricky in Erscheinung) einen leichten Schwachpunkt beinhaltet. Das „Wilson-Feeling“ ist zwar irgendwie allgegenwärtig, dennoch ist die Combo allein schon durch Beggs’ Leadgesang auf jeden Fall eigenständig. Und die eine oder andere kauzige Sequenz ist ebenfalls dabei, was zumindest meine Wenigkeit stets begrüßt, weil dies den Originalitätsfaktor erhöht – als Beispiel sei der unerwartete Cembalo-Part in „Mavro Capelo“ genannt.

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