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The Mute Gods: Atheists And Believers

Etwas poppiger als die beiden Vorgänger, aber erneut gelungen
Wertung: 8/10
Genre: Progressive Rock
Spielzeit: 57:26
Release: 22.03.2019
Label: InsideOut

Bei jüngeren Bands gilt die dritte Platte häufig als „Make it or break it“-Album – über so etwas muss sich ein gestandener Musiker wie Nick Beggs mit seinen 57 Jahren ganz bestimmt keine Gedanken machen. Respektabel ist nach wie vor das Arbeitstempo, mit dem The Mute Gods, denen er als Sänger, Bassist und Songschreiber vorsteht, aufwarten: Zwei Jahre nach dem Zweitling „Tardigrades Will Inherit The Earth“ und drei Jahre nach dem Debüt steht nun das dritte Werk „Atheists And Believers“ an, auf dem der Steven Wilson-Intimus sich weiterhin Gedanken um den besorgniserregenden Zustand der Welt und der Menschheit macht und das als Abschluss einer Trilogie angegeben wird.

Verständlich, wenn man sieht, dass neben den ähnlichen lyrischen Themen die optische Aufmachung der drei Scheiben eine ästhetische Einheit bildet, die dem Wilsonschen Stil nicht unähnlich ist. Musikalisch hingegen schrauben die Stummen Götter den Härtegrad ein wenig herunter und gehen mit etwas mehr Pop-Appeal zur Sache. Natürlich nicht in Achtziger-Manier wie bei Beggs’ einstiger Band Kajagoogoo, doch ist dieser Einfluss definitiv präsenter als auf den beiden Vorgängern.

So ist beispielsweise „Knucklehead“ mit zahlreichen elektronischen Spielereien versehen (auch die Drums sind hier elektronischer klingend produziert) und bietet unter anderem ein kleines Synthesizer-Solo, nichtsdestotrotz groovt die Nummer sehr leger und Nick Beggs lässt es sich nicht nehmen, eher dezent im Hintergrund mit technischen Kabinettstückchen wie Slapping zu glänzen – aber spätestens seit seinem Mitwirken in Steven Wilsons Band weiß ja auch die Hard Rock- und Metal-Welt, was der Mann am Tieftöner drauf hat.

Noch ruhiger wird es beim hübschen, fragilen „Old Men“, das durch die zurückhaltende Instrumentierung mit Akustikgitarren, Flöte und Streichern Beggs’ Stimme in den Vordergrund rückt, was sich dank der geschmeidigen Gesangslinien als gelungen erweist und somit eine besondere Intensität hervorruft. Das anschließende „The House Where Love Once Lived“ darf ebenfalls als balladesk bezeichnet werden, hier allerdings stoßen Drums, Bass und E-Gitarre wieder hinzu – sehr schön sind vor allem die mehrstimmigen Vocal-Arrangements.

Mit „I Think Of You“, einer verträumten, hypnotischen Instrumentalnummer, wird der Longplayer (wie allerdings auch schon sowohl das 2016er- und 2017er-Album) außerdem sehr ruhig beendet – doch trotz dieses höheren Anteils poppigeren oder softeren Contents enthält auch „Atheists And Believers“ selbstverständlich rockiges Material. Wie könnte es auch anders sein bei der Rhythmusgruppe Beggs/Minnemann, die einmal mehr unheimlich druckvoll agiert – technisch kann man sich in dieser Hinsicht wohl kaum etwas Besseres vorstellen.

So entpuppt sich gleich der eröffnende, starke Titelsong als ziemlich grooviger und griffiger Rocker und markiert so im Prinzip einen Opener nach Maß, auch bei „Envy The Dead“ steht ein kraftvoll pumpendes Rockriff als Basis zu Buche, während das mit Rush-Gitarrist Alex Lifeson als Gast versehene „One Day“ Rockbarkeit mit schwebender Atmosphäre verbindet. „Iridium Heart“ wiederum besticht mit einer beinahe unverschämten Lässigkeit, wohingegen das vertrackte „Twisted World, Godless Universe“ mehr in die progressive Ecke tendiert. Doch selbst letztgenanntes Stück fällt deswegen nicht etwa durch unangenehme Sperrigkeit auf – die Herren besitzen wohl auch dank ihrer handwerklichen Fähigkeiten die Kunst, dass all dieses Material eine wahnsinnig coole und locker-flockige Ausstrahlung besitzt und zu keiner Sekunde schwerfällig erscheint.

Textlich wird wie erwähnt einmal mehr mit der Menschheit abgerechnet: Schon mit einem Titel wie „Knucklehead“ macht Beggs überdeutlich, was er vom Großteil der selbsternannten Krone der Schöpfung hält. Etwas prätentiös? Mag sein, aber eben garantiert auch nicht ganz daneben, denn schlimm ist der aktuelle Zulauf der Rechtspopulisten allemal. „Wir überlassen es unseren Kindern, mit dem Chaos aufzuräumen, das wir angerichtet haben“ – man darf daher annehmen, dass er Greta Thunberg und die „Fridays For Future“-Bewegung schätzt.

Auch eine Songbezeichnung der Marke „Envy The Dead“, in dem es heißt „when I look at this planet, I envy the dead“, mag auf den ersten Blick sehr moralisch oder gar resignierend wirken, soll aber laut Beggs eher Galgenhumor ausdrücken. Auf jeden Fall immer schön, wenn sich einer Gedanken macht, selbst wenn er damit vielleicht nicht gleich die ganze Welt verändern wird. Insgesamt darf man auch dem dritten Album von The Mute Gods Qualität attestieren, wem die ersten beiden Scheiben zugesagt haben, kann auch hier trotz etwas poppigerer Ausrichtung problemlos zugreifen.

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Absolut fantastischer Konzertabend, der kaum überboten werden kann