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The Moth: And Then Rise

Direkter, unangepasster und höllisch groovend
Wertung: 8/10
Genre: Sludge
Spielzeit: 54:37
Release: 04.04.2015
Label: The Charming Man Records

Einfach schön, wenn man in die Kiste der nicht abgearbeiteten CDs greift und mit den Hamburgern The Moth einen richtig netten Volltreffer landet. „And Then Rise“ ist nach dem „They Fall“-Debüt von 2013 der nun zweite Full-Length-Rundling der Hanseaten, die mal eben mir nichts dir nichts ganz sicher auf hohem internationalen Niveau agieren und schon längst die Fesseln der lokalen Szenerie abstreifen müssten. So einfach wird es dem Trio aber wohl doch nicht gemacht werden, lässt die Mucke doch jegliche Anbiederung an „normale“ und vor allem durchschnittliche Kost missen. Dazu wird dann wohl auch ein mittelgroßer Klotz auf der Waage zum Erfolg auf der „kaum eine Chance“-Seite sein, dass sie halt nur aus Hamburg kommen.

Was wegen der Herkunft für The-Pit.de ein Qualitätsmerkmal ist – man werfe mal kurz auch einen Blick auf die aufstrebenden Old-School-Deather Endseeker – gilt vielleicht nicht für den Rest der Welt, diese sollte aber aufhorchen, wenn Sludge made in Norddeutschland mit einer breiten Wand an Stoner und Doom auf einen zurollt, wie ihn The Moth eben aufbieten.

Im Grunde basiert der Sound der Drei auf drei wesentlichen Komponenten: Zum einen ist das der immer wieder gedoppelte Gesang von Bassistin und Sängerin Cécile sowie Gitarrist und Sänger Freden, zum anderen ist da das durchweg immer wieder monotone Riffing, das sich für so manchen Spannungsbogen verantwortlich zeichnet und drittens ist es diese Mischung an hoffnungsloser Doom-Dröhnung, die mit wenig Aufwand einfach viel erreicht und an so manchem Nervenzäpfchen zerrt. Richtig aufs Wesentliche reduziert kommt dann „Last Times“ daher – erst einmal die Rückkopplung abschütteln und sich dann in die Doomnummer fallen lassen – auf Dauer vielleicht dann auch zu reduziert, groovt aber auch hier wie Sau. Genau das haben dann die Hanseaten immer wieder in petto. „Fade Away“ ist solch ein langsamer, wuchtiger, faszinierender, direkter Volltreffer in die Sludge-Magengegend, mit einem Hang zum dramatisch depressiven, ohne wirklich so endzeitlich abwegig zu klingen. Im Endeffekt eine starke Nummer mit hypnotisierender Wirkung.

Natürlich muss man sich mit den extrem melancholischen Vocals anfreunden können, wovon „To Rise (In Vino Veritas)“ sogar noch ein bisschen mehr abbekommen hat. Eine doomig schleppende Nummer, die allerdings auch ein paar zackige, immer wieder leicht vom Schlagzeug her progressive Tempoverschärfungen in sich birgt. Stimmungen werden aber viel deutlicher durch Bass und Gitarre transportiert. So erschafft gerade die Leadgitarre in „Battle Is Over“ eine durchaus bedrohliche Wirkung, allerdings hätten hier die Vocals vielleicht dazu auch mal ein wenig mehr Aggressionen beitragen dürfen, wird die Stimmung doch ein wenig zu stark konterkariert, was dann gleich auch an der Magie des Songs insgesamt kratzt. Mit „Travel Light“ liefern sie dann auch einen leicht vertrackten Schulterschluss zum seinerzeitigen Debüt, bauen sehr schön ein paar Stoner-Läufe ein, grooven insgesamt wie Hölle und setzen auch hier auf recht emotionslosen Gesang, und wenn sie schon einen viel direkteren Sound propagieren, da passt es auch sehr gut ins harmonische Doom-Bild, dass The Moth vom Fleck weg beim Opener „Awaiting“ ohne Intro agieren und gleich mal mit einer recht zackig startenden Nummer erste Pluspunkte einsammeln – und gerade, wenn man denkt, da könnten die beiden doch ein paar mehr Emotionen in den Gesang packen, da schießt das Gitarrensolo eine freudige Note ins mächtig groovende Gefährt.

Freude und Ärger zugleich kann man an der Schlussnummer „Pressure Of Time“ festmachen. Eine sehr schleppende Nummer, ein Riff, was sich direkt wie ein fieser Infekt unter die Haut schiebt, minimalistisch, bedrohlich, im Gesang dann aber auch wieder ein wenig zu wenig emotionsgeladen, dann eine lange Phase, wo nichts passiert, bis sich das Finale als Hidden Track anschließt (auf Vinyl wird dieser Part dann einfach ausgelassen). The Moth verzichten hier auch am Schluss auf jegliche Drumunterstützung und doomen sich lediglich mit Bass, Gitarre und Gesang dem Hamburger Sonnenuntergang entgegen.

Sludge-Fans bekommen hier die volle Dröhnung, direkter, unangepasster, höllisch groovend, man muss sich halt nur mit dem häufig fast schon emotionslosen Gesang anfreunden können. Wie immer darf man natürlich reinhören, Bandcamp macht es ja ganz legal möglich. Trotz vieler melancholischer, fast schon depressiver Ausflüge, fällt das finale Fazit positiv aus.

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