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The Mist Of Avalon: Dinya

Überraschend gute Mischung mit großartiger Stimme
Wertung: 8/10
Genre: Alternative Rock/Gothic Rock
Spielzeit: 56:55
Release: 15.10.2010
Label: Echozone

Eine kleine Überraschung gelingt den schon seit 15 Jahren aktiven The Mist Of Avalon, die nun auf Echozone mit „Dinya“ seit langem wieder ein Album veröffentlichen – dieses grenzt sich zwar ein Stück weit von den Wurzeln der Band ab, kommt aber gleichzeitig auch wesentlich eigenständiger daher. Musikalische Innovationen bringt die in den 90ern gegründete Truppe zwar immer noch nicht mit sich, dafür aber einen ausgereiften und im Albumkontext recht abwechslungsreichen Sound, der insbesondere durch den sehr variablen Gesang eine eigene Note erhält.

Orientierte man sich anfangs noch stark am klassischen Goth-Rock-Sound à la The Sisters Of Mercy und Fields Of The Nephilim, sind bei „Dinya“ vor allem zahlreiche elektronische Einflüsse hinzugekommen und auch die Melodieführung hat sich ein wenig verändert, wodurch das Ganze einen gewissen Alternative-Anstricht erhält – der Gothic-Einfluss ist trotz allem aber noch immer deutlich zu spüren und äußert sich häufig in der düsteren Stimmung. Die elektronischen Klänge sind besonders in einigen Synth-Pop-artigen Passagen zu finden, die teilweise so geschickt eingebaut sind, dass sich ganz neue Ideen auf sehr gelungene Weise im Songwriting umsetzen lassen – vor allem die Refrains profitieren hiervon in Form von viel Ohrwurm-Potential. Das herausragendste Merkmal von The Mist Of Avalon ist aber zweifellos Sänger Aram Yildiz, der mit seinem Gesangsstil und einem beachtlichen Tonumfang ein wenig an Ville Valo erinnert, aber eine sehr eigene Stimmfarbe besitzt, die er auf dem Album auf vielerlei Weisen zu nutzen weiß.

Schon im eröffnenden Track „Helpless“ wird die Stimme geschickt als Stilmittel eingesetzt, um Spannung zu erzeugen – basiert die mysteriöse Stimmung des Songs anfangs noch auf Electro-Sounds und Drums, kommt nach einiger Zeit ruhiger Gesang hinzu, der sich nach und nach immer mehr hochschraubt und sowohl an Höhe als auch an Kraft gewinnt, wodurch der Refrain wesentlich stärker im Gedächtnis bleibt, als dies sonst der Fall wäre. Auch „Said It All“ setzt sich schon beim ersten Durchgang in den Gehörgängen fest, was in erster Linie den gelungenen Backing-Vocals zu verdanken ist, die seltsamerweise ein wenig an End Of Greens Michelle Darkness erinnern und von einigen sehr hohen, von Aram vorgetragenen Zeilen begleitet werden. Geht es bei genannten Stücken teilweise sehr elektronisch zu, steht „Tell Me“ eher für den ursprünglichen Sound der Band: die wabernden Lead-Gitarren verleihen dem Song etwas Sphärisches und erinnern stark an Gothic Rock der alten Schule, während der wummernde Beat im Refrain einer eher modernen Ausrichtung Tribut zollt.

Noch wesentlich weiter führen The Mist Of Avalon die Experimentierfreudigkeit bei „I Wish“, das nicht nur zu den ungewöhnlichsten, sonder auch zu den stärksten Stücken auf „Dinya“ zählt. Schon die orientalischen Klänge in den Versen wissen zu überzeugen und sind sehr passend eingebunden, stellen aber primär einen deutlichen Kontrast zu dem genialen Chorus her, der mit hellen Synths und einer unwiderstehlichen Melodie einfach nicht mehr aus dem Kopf geht und auch einer reinen Pop-Truppe nicht unbedingt schlecht zu Gesicht gestanden hätte. Auch im weiteren Verlaufe des Albums verschließt man sich keiner Idee und setzt zum Beispiel weiblichen Gesang ein, der „The Lies“ ein beeindruckendes Finale verschafft und die sehnsüchtige, mehrstimmig angelegte Halbballade „Waiting Still“ sinnvoll ergänzt, während „Negrî“ mit kurdischen (!) Strophen und harten Riffs überrascht. Zum Abschluss findet sich mit „Soul Eater“ noch ein sehr stimmungsvoller Song auf dem Album, der mit seinem schleppenden Rhythmus die CD sehr schwermütig ausklingen lässt.

Sprachen The Mist Of Avalon mit ihren vorherigen Veröffentlichungen nur eine sehr spezielle Zielgruppe an, wurde der musikalische Horizont nun deutlich erweitert und könnte Hörer aus vielen Lagern anlocken – diese Massentauglichkeit ist jedoch keinesfalls negativ zu verstehen, denn die Band hat mit „Dinya“ ihre eigene Identität gefunden und präsentiert diese schon in sehr ausgereifter Form. Das Album ist abwechslungsreich geraten und hat doch stets einen roten Faden; poppige Refrains sind ebenso vorhanden wie metallische Riffs und eine finstere Atmosphäre. Zu guter Letzt ist da natürlich noch der überdurchschnittliche Gesang, der den Songs viel Charakter verleiht und zu jeder Zeit zu überzeugen weiß. Freunde von Alternative und Gothic gleichermaßen sowie scheuklappenfreie Metalheads sollten hier unbedingt einmal hereinhören, denn hier findet sich definitiv eine der besten Echozone-Veröffentlichungen der letzten Zeit.

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